«Tankstellenkindergarten» im Obstberg sorgt für Unmut

Besorgte Eltern und ein Anwohnerkomitee opponieren gegen den Umbau des einstigen Restaurants Schosshalde in einen Doppelkindergarten. Die Lokalität sei von stark befahrenen Strassen umgeben. Das Komitee vermisst eine «progressive Planung».

Hier spielen bald Kinder: Das einstige Restaurant Schosshalde.

Hier spielen bald Kinder: Das einstige Restaurant Schosshalde.

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Das Zauberwort gegen den Mangel an Schulraum in der Stadt Bern lautet «Modulbauten». Die Container sind rasch errichtet und können oft auf Schularealen platziert werden, wie dies zurzeit etwa im Schulkreis Mattenhof-Weissenbühl geplant ist. Im Schulkreis Kirchenfeld-Schosshalde hingegen war die Zeit sogar für Modulbauten zu knapp.

Zwar soll im Wyssloch ein Modulbauprovisorium für sechs Klassen auf das Schuljahr 2016/17 hin errichtet werden. «Die Schülerzahl kann jedoch bereits ab dem Schuljahr 2015/16 mit dem bestehenden Schulraum nicht mehr abgedeckt werden», schreibt Hochbau Stadt Bern (HSB) im Projektbeschrieb für den Umbau des einstigen Restaurants Schosshalde in einen Doppelkindergarten.

«Was ist uns Schulraum wert?»

Gegen das Projekt auf der «Verkehrsinsel» hat sich nun aber Widerstand formiert. «Ist dieser Ort für Kinder im Vorschulalter wirklich geeignet?», lautet die Frage eines besorgten Elternpaares. Die Eltern sorgen sich um die Sicherheit der Kinder beim Überqueren der viel befahrenen Strassen und um die Schadstoffbelastung durch Abgase und Tankstelle. Sie organisieren den Widerstand über eine Webpage unter dem Titel «Tankstellenkindergarten» – eine Anspielung auf die Tankstelle, die in der Nachbarschaft des künftigen Kindergartens steht.

Ein parallel agierendes Aktionskomitee «Pro Basis» wiederum verfolgt einen breiteren Ansatz und befürchtet ein «Flickwerk aus langjährigen Providurien» im Quartier anstelle einer «progressiven Planung». Das Komitee schlägt in einem Schreiben an Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) unter anderem vor, eine Basisstufe «mit integriertem Quartierrestaurant und Wochenmarkt» auf dem Areal des demnächst frei werdenden Entsorgungshofes Egelsee einzurichten. «Wir möchten einen offenen Dialog», sagt Komiteemitglied Vanessa Käser. Es gebe viele Gerüchte und ein grosses Informationsdefizit im Quartier, was die Schulraumplanung betreffe. Mit der Planung eines Doppelkindergartens im einstigen Restaurant Schosshalde sei nun ein Wendepunkt erreicht. «Die Frage lautet: Was ist uns Schulraum eigentlich wert?», sagt Käser.

«Mittlere Verkehrsbelastung»

Im Fall des «Tankstellenkindergartens» lässt sich die Frage beantworten – wenn auch nicht so grundsätzlich, wie sie wohl gemeint ist: Gemäss Projektunterlagen kostet der Umbau knapp 200 000 Franken. Die Schulwegsicherheit werde von der Verkehrsplanung geprüft, sagt die städtische Schulamtsleiterin Irene Hänsenberger. Bezüglich Schadstoffe sei sowohl die Tankstelle als auch die Belastung der Luft vom Amt für Umweltschutz (AfU) überprüft worden.

Die Tankstelle erfülle die Vorgaben. Die Frequenzen der Strassen rund um die Liegenschaft hätten Belastungen von je 3000 und einmal 6000 Fahrzeugen pro Tag. Dies entspreche gemäss AfU einer «mittleren Verkehrsbelastung» und liege schadstoffmässig im Rahmen. «Es gibt Schulgebäude mit grösserer Belastung», sagt Hänsenberger.

Der als zu eng kritisierte Aussenraum wiederum werde unter anderem mit einem Sandkasten versehen und eingezäunt. Laut Hänsenberger soll das Provisorium zwei bis drei Jahre in Betrieb sein, bis der Modulbau im Wyssloch fertig ist. Längerfristig soll das Bauernhaus im Wyssloch zur Schule umgebaut werden. Auch der vom Komitee erwähnte Standort beim heutigen Entsorgungshof Egelsee sei eine «interessante Option» für einen Neubau. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.05.2015, 07:08 Uhr

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