Studenten nutzen Alterswohnungen

Ein Dutzend Anwohner blockiert mit Einsprachen die Totalsanierung des Alterszentrums Spitalackerpark. Da die Mietverträge bereits gekündigt wurden, werden die Räumlichkeiten zwischengenutzt.

Anwohner wehren sich gegen den Um- und Ausbau, darum werden Teile des Spitalackerparks zwischengenutzt.

Anwohner wehren sich gegen den Um- und Ausbau, darum werden Teile des Spitalackerparks zwischengenutzt.

(Bild: Manu Friederich)

In der Elfenau ist am Freitagabend die letzte Umbauetappe des Alterszentrums Alexandra abgeschlossen worden. «Ein toller Moment» für Heinz Hänni, Direktor der Betreiberin Domicil Bern AG.

Weniger glücklich ist Hänni über das nächste geplante Grossprojekt der ­Domicil-Gruppe, die in und um Bern 20 Alterszentren betreibt. Ein Quartier weiter, im Breitenrain, blockieren nämlich mehrere Anwohner die Gesamt­sanierung und den teilweisen Neubau des Wohn- und Altersheims Spi­tal­ackerpark. Nach rund 40 Jahren hätten die Bauarbeiten eigentlich in diesen Wochen beginnen sollen; wegen Einsprachen sind sie aber bis auf weiteres blockiert.

Laut Recherchen des DerBund.ch/Newsnet mussten die Bewohner der Alterswohnungen ihre Bleiben trotzdem bereits auf Ende August verlassen. Auch alle Mitarbeitenden der betroffenen Abteilung mussten gehen. Laut Heinz Hänni wurden vier tiefe Pensen gekündigt. Bei den Arbeitnehmervertretern heisst es auf Nachfrage, dass bisher keine Klagen von Mitgliedern eingegangen seien. Für alle ­übrigen Mitarbeitenden sind laut Hänni denn auch neue Anstellungen innerhalb der Domicil-Gruppe gefunden worden.

Überraschend ist dagegen, was nun die Egelmoos AG – eine private Aktien­gesellschaft, die mehrheitlich in städtischem Besitz ist – als Besitzerin der leer stehenden Liegenschaft mit dem Haus macht: Die Geschäftsleitung beschloss eine Zwischennutzung. Laut Informationen des «Bund» sind Studierende in die einstigen Alterswohnungen eingezogen.

Fragt sich: Handelte Domicil nicht blau­äugig, als sie, ohne die Baubewilligung abzuwarten, den Betrieb der Alters­wohnungen einstellte? Einsprachen sind ja keine Seltenheit: «Wir glauben, mit dem Siegerprojekt Papillon ein gutes Bauprojekt vorgelegt zu haben», widerspricht Heinz Hänni. Bereits seit zwei Jahren seien daher frei gewordene Wohnungen nicht besetzt worden. Und «irgendeinmal wurde die kritische Grösse unterschritten, und wir konnten die Sicherheit im halb leeren Haus nicht mehr garantieren», so Hänni. «Da mussten wir das Mietverhältnis für die Alterswohnungen mit der Egelmoos AG kündigen.»

Der Ball liegt bei der Stadt

Und Domicil-Direktor Heinz Hänni betont: «Wir waren gezwungen zu handeln.» Die Bausubstanz müsse dringend erneuert bzw. das Alterszentrum den heutigen Anforderungen angepasst werden. Neu sollen an der Beundenfeldstrasse 70 altersgerechte 1- bis 3-Zimmer-Wohnungen und 48 Pflegezimmer sowie ein Restaurant und ein Coiffeurgeschäft entstehen.

Zum Stand der zwölf Einsprachen sagt Regierungsstatthalter Christoph Lerch, der Ball liege seit Februar wieder bei der Stadt. Damit nämlich das Projekt Papillon umgesetzt werden kann, muss die Präsidialdirektion zuerst die Überbauungsordnung anpassen. Zudem kritisieren die Anwohner laut «Bund»-Infor­mationen, dass die alten Bäume im Park und die über die Jahre gewachsenen Hecken nicht angetastet und keine Parkplätze aufgehoben werden dürfen.

Zwischenlösung bereits besetzt

Sollte sich die Liegenschaftsbesitzerin und Bauherrin Egelmoos AG in nächster Zeit doch noch rascher als gedacht mit den Einsprechern einigen, könnte der Umbau des Alterszentrums Spital­ackerpark trotzdem nicht mehr einfach so beginnen. Dann müsste nämlich zuerst für die noch übrig gebliebenen 48 Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims eine temporäre Unterkunft gefunden werden. Der Galactina-Park in Belp, wohin alle Bewohner des Spital­ackerparks in diesen Wochen ursprüng­lich hätten gemeinsam umziehen sollen, wird ab nächstem Jahr nämlich bereits durch die Bewohnerinnen und Bewohner des Domicil Nydegg ­verwendet.

Denn: Weil die Liegenschaft am Nyd­eggstalden ebenfalls nicht mehr taugt als Altersheim, gibt Domicil dieses Alters­zentrum auf Ende Jahr ganz auf.

Der Bund

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