Stadt-FDP lehnt Tram missmutig ab

Nach der Könizer FDP lehnen auch die Stadtberner Freisinnigen das 10er-Tram ab. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen hatte mit seinem Pro-Plädoyer keine Chance gegen die missmutige Stimmung im Saal.

Misstrauen gegen regionales Tram – Stadt-FDP sagt Nein.

Misstrauen gegen regionales Tram – Stadt-FDP sagt Nein.

(Bild: Manu Friederich)

Simon Thönen@SimonThoenen

Im Stadtrat votierte die FDP-Fraktion einstimmig gegen Tram Region Bern – Seite an Seite mit der SVP. Gestern an der Parteiversammlung wurde die Tram­opposition der Fraktion von unten wie von oben in die Zange genommen. Einerseits hatte der Parteinachwuchs, die Jungfreisinnigen, bereits die Ja-Parole zur Tramvorlage beschlossen – «mit ziemlich grosser Mehrheit», wie der jungfreisinnige Vizepräsident Basil Anderau betonte.

Andererseits engagieren sich freisinnige National- und Grossräte und Verbandsvertreter für das 10er-Tram. So gestern FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Der scharfzüngige junge Politiker mit den meist pointiert rechtsbürgerlichen Positionen und den tadellosen Umgangsformen ist der Hoffnungsträger der serbelnden Stadtberner FDP, die im Stadtparlament mit jeder Wahlschlappe mehr geschrumpft ist.

Beherztes Plädoyer kam nicht an

Doch bei den rund drei Dutzend, meist ergrauten Parteidelegierten kam Wasserfallen mit seinem beherzten Plädoyer für die Tramvorlage gestern nicht an. Sehr deutlich, mit 21 Nein zu 8 Ja bei 2 Enthaltungen, beschlossen die anwesenden Parteimitglieder die Nein-Parole zur Tram-Vorlage. Die Stadt-FDP schloss sich damit der Haltung der Könizer Freisinnigen an, während in der Ostermundiger FDP die Stimmung für das 10er-Tram dominiert.

Vergeblich hatte Wasserfallen der Parteiversammlung die aus seiner Sicht zentralen Fakten in Erinnerung gerufen: dass die Busse bereits heute auf der 
Linie 10 im 3-Minuten-Takt verkehren müssen und dennoch in den Stosszeiten überfüllt sind. «Was machen wir dann in zehn Jahren?», fragte Wasserfallen. In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Buspassagiere um über 25 Prozent gewachsen, und die Siedlungsentwicklung lasse ein weiteres Wachstum erwarten.

«Wird man dann darüber diskutieren, ob man die Busse im 60- oder 90-Sekunden-Takt über die Linie jagt? Ob dies für den Strassenverkehr gut wäre, das können Sie sich selber überlegen.» Mit dem leistungsfähigeren Tram hingegen habe man auf lange Zeit hinaus Reserven. Eine gute Verkehrsinfrastruktur, auch im ÖV, sei zentral für die Wirtschaft. «Bern darf die Zukunft seines öffentlichen Verkehrs nicht fahren lassen», warnte Wasserfallen, «wir müssen das Heft in der Hand behalten.»

Fraktion will Zusatzschlaufe

Der Präsident der FDP-Stadtratsfraktion, Bernhard Eicher, bestritt nicht, dass ein Ausbau der Linie 10 notwendig ist. Ebenso wenig, «dass das Tram unbestreitbar komfortabler ist». Am konkreten Tramprojekt liess er jedoch kein gutes Haar. Die Kosten seien «nicht transparent» und generell zu hoch «für ein bisschen mehr Kapazität». Eicher kritisierte auch die Linienführung.

Er würde das Tram auf der bestehenden 9erTramstrecke durch den Breitenrain und über den Guisanplatz führen – was ihm von Befürworterseite den Vorwurf ein­trug, so würden zusammen mit dem 9er-Tram Überkapazitäten im Nordquartier geschaffen. Bezüglich der Alternativen blieb Eicher vage. Eine Ehrenrunde werde dem Projekt guttun, sagte er. «Das Tram Bern-West wurde zuerst auch abgelehnt. Als zweite Version kam dann etwas Besseres.»

Damit traf er die Stimmung im Saal, die von einem generellen Missmut gegenüber dem Tramprojekt geprägt war. «Was haben wir Stadtberner von diesem Tram?», fragte ein älterer Herr, «Ostermundigen und Köniz kann uns ja eigentlich egal sein.» Auch Stadtrat Mario Imhof bezeichnete das Tram «als Werbung für die Aussengemeinden». Aus freisinniger Sicht sei dies eine «erschreckende Haltung», entgegnete Wasserfallen. Wenn die Agglomeration und Hauptstadtregion Bern nicht zu gemeinsamen Projekten fähig seien, «dann wird es für mich als Bundesparlamentarier verdammt schwierig, Bundesgeld für unsere Agglomeration herauszuholen».

Der Bund

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