Sprengstoffanschlag auf Reitschule: Prozess könnte noch heuer stattfinden

Wegen des Sprengstoffanschlags auf die Reitschule vor acht Jahren wurde Anklage erhoben. Der Prozess könnte noch in diesem Jahr verhandelt werden.

Der mit Sprengstoff gefüllte Rucksack war vor der Berner Reitschule platziert.

Der mit Sprengstoff gefüllte Rucksack war vor der Berner Reitschule platziert. Bild: Archiv Bund

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Fast acht Jahre nachdem vor dem Kulturzentrum Reitschule ein Sprengkörper explodierte, erhebt die Bundesanwaltschaft (BA) doch noch Anklage. Dies gegen einen jungen Mann mit Verbindungen ins rechtsextreme Milieu.

Der Seeländer wird verdächtigt, die Bombe gebaut zu haben, die am 4. August 2007 während eines Konzerts in einem Rucksack in der Grossen Halle deponiert worden war. Das Gepäckstück war einem Besucher aufgefallen und konnte in der Folge rechtzeitig ins Freie gebracht werden. Auf der Schützenmattstrasse explodierte der Sprengsatz kurze Zeit später.

Wie eine kriminalistische Untersuchung in der Folge zeigte, hatten sich im Rucksack ein selbst gebauter Zünder, eine aus Feuerwerkskörpern gebaute Rohrbombe und drei mit Benzin gefüllte 1,5 Liter PET-Flachen befunden, wie die WOZ berichtete. Gemäss Augenzeugen soll der Feuerball der Explosion bis zu fünf Meter in die Höhe gereicht haben. Wäre die Bombe inmitten der Menschenmenge hochgegangen, hätte die Explosion wohl verheerend Wirkung gehabt.

Gericht zwingt Staatsanwälte

Eigentlich wollte die BA gar keine Anklage erheben. Im Januar 2013 hatte sie das Verfahren zum Sprengstoffdelikt bereits eingestellt. Dies «mangels klarer Beweise». Der Verdächtige sollte einzig für Waffen- und Drogenvergehen verurteilt werden. Doch der Anwalt der Privatkläger – diese waren 2007 in der Grossen Halle anwesend – legte beim Bundesstrafgericht in Bellinzona Rekurs gegen die Einstellung ein. Mit Erfolg: Die Beschwerdekammer verpflichtete die BA im vergangenen August, doch Anklage zu erheben. Am 15. Juni kamen die Strafermittler diesem richterlichen Weisung nun nach, wie André Marty, Mediensprecher der BA, dem «Bund» bestätigt.

Gemäss Marty werden dem Angeklagten unter anderem folgende Delikte zur Last gelegt:

  • Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht
  • Herstellen, Verbergen, Weiterschaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen
  • Versuchte Brandstiftung
  • Versuchte Sachbeschädigung
  • Zwölf Schusswaffen im Haus

Dass die Ermittler überhaupt auf die Spur des nun Angeklagten stiessen, war dem Zufall geschuldet. Denn erst hatten die Berner Ermittler keine Anhaltspunkte auf die Täterschaft. So stellte die Berner Untersuchungsrichter die Ermittlungen bereits 2008 ein. Ein Jahr später beantragte der mutmassliche Täter einen Waffenschein.

Nachforschungen der Behörden deckten seine Verbandlungen mit der rechtsextremen Szene auf. Bei der daraufhin durchgeführten Hausdurchsuchung fanden sich nicht nur 12 Schusswaffen, es wurden auch DNA-Proben genommen. Es zeigte sich, dass diese identisch sind mit jenen, die auf dem Sprengsatz in der Reitschule gefunden worden waren. Der verdächtige Mann verweigerte in der Folge jede Aussage. Dies hatte Folgen: Trotz einiger weiterer belastender Indizien glaubte die BA in der Folge nämlich nicht, vor Gericht eine Verurteilung erreichen zu können. Ob diese Einschätzung zutrifft, wird sich in rund einem halben Jahr weisen. Dann wird der Fall voraussichtlich vor dem Bundesstrafgericht verhandelt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.06.2015, 20:37 Uhr

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