So schön kann «Sch.....» sein

Der neue Stern am deutschen Casting-Himmel, die Bernerin Edita Abdieski, bezeichnete ihre Heimat Bümpliz als «Scheissgegend» – was Stadtpräsident Alexander Tschäppät gar nicht ärgert.

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Bern ist die schönste Stadt der Welt. Das rief Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät gestern freudig vom Fenster des Käfigturms den versammelten Fasnächtlern zum Auftakt der «fünften Jahreszeit» zu. Hach ja – Bern mit seinen weltberühmten Arkaden, der pittoresken Altstadt und den putzigen Bären. Eine Stadt, die offiziell zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, muss man ja einfach schön finden, oder?Edita Abdieski ist da anderer Meinung. Die Gewinnerin der deutschen Casting-Show «X-Factor» bezeichnet ihre Heimat nicht einmal ansatzweise als schön. Im Gegenteil. Sie komme aus einer «Scheissgegend» irgendwo in Bern, sagte die 25-jährige Sängerin am Mittwoch im deutschen Fernsehen. Gemeint hat sie mit dieser unverblümten und wahrlich wenig positiv besetzten Bezeichnung ihr ehemaliges Wohnquartier im Westen von Bern: Bümpliz.

Bümpliz – eine «Scheissgegend»? Na, na, Frau Abdieski. Während sich die Quartierkommission Bümpliz/Bethlehem über die Aussage der inzwischen in Köln wohnhaften «Nestbeschmutzerin» mokiert (Präsident Bernardo Albisetti sagte gegenüber der Zeitung «20 Minuten», dass es nur eine Aufwertung für das Quartier sei, wenn solche Leute wegzögen) und Hunderte von Online-Usern auf einschlägigen Schweizer Fanseiten Sturm laufen, wahrt Berns Stadtpräsident ruhig Blut. Für das Bümpliz, in dem Frau Abdieski aufgewachsen sei, sei der gewählte Ausdruck sogar legitim, sagte Tschäppät gegenüber «20 Minuten».

«Ich weiss ja nicht wo genau Frau Abdieski aufgewachsen ist», präzisierte gestern Tschäppät seine Aussage vom Vortag auf Anfrage. Es sei legitim, schlechte Erinnerungen an seine Jugend zu haben. Aber: Man dürfe Bümpliz nicht einfach «abqualifizieren». In Bern-West sei nicht alles schlecht. «Wir müssen aufhören mit diesem Vorurteil.» Erst letzthin sei er mit einer bundesrätlichen Delegation durch Bümpliz gegangen. Die Magistraten hätten «Bauklötze gestaunt». In wenigen Jahren, so ist Tschäppät überzeugt, wird sich die von Frau Abdieski wenig schmeichelhaft bezeichnete Gegend ganz anders präsentieren. Neu, modern, trendy. Wenn die Jungpflanzen in der Parkanlage Brünnengut erst einmal zu stattlichen Bäumen herangewachsen sind, müsse man nicht mehr in die Weltstadt Berlin fahren, um «unter den Linden» zu promenieren.

Ohne zu tief in Bümpliz’ Vergangenheit stochern zu wollen, konzentriert sich Tschäppät lieber auf das Heute und Morgen. Man kenne die Schwierigkeiten und Probleme von Bümpliz: Der hohe Ausländeranteil, die Diskussionen um Schulen, Wohnungsprobleme – all dies habe man erkannt und «zielgerichtete Massnahmen ergriffen». Denn ausgerechnet im «Scheissquartier» sieht der Stadtpräsident Berns «Trendquartier» der Zukunft. Was die einen als Problem bezeichnen, erkennt er als Chance zur Aufwertung: «Bümpliz hat Potenzial wie kaum ein anderes Quartier in Bern.»

Viele glaubten noch nicht daran, dass es mit dem Quartier «gut komme», so Tschäppät. Bümpliz sei aber bereits heute urban, habe bald eine eigene Tramlinie, verfüge mit dem Einkaufscenter Westside über ein architektonisches Vorzeigeobjekt von Stararchitekt Daniel Libeskind und habe vor allem eines: viel Naherholungsraum. Bümpliz ist das Quartier mit dem grössten Grünflächenanteil in der Stadt Bern. Vielleicht hat sich Frau Abdieskis Aussage – ohne vom Kleinen aufs Grosse schliessen zu wollen – ja schlicht auf die mangelnde Disziplin der Hundehalter bezogen beim Sammeln der Häufchen. Man weiss es nicht. (Der Bund)

Erstellt: 12.11.2010, 06:56 Uhr

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