Sie wollen Daten für das Volk «veredeln»

Daten sind heute für den normalen Bürger nicht verständlich: Informatiker wollen das ändern – und luden zum ersten Berner Open Data Hackday.

Matthias Stu?rmer (2. v. r.) und seine Entwickler bei der Visualisierung des Stadtbudgets.

Matthias Stu?rmer (2. v. r.) und seine Entwickler bei der Visualisierung des Stadtbudgets. Bild: Manu Friederich

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Der Kabelsalat ist unübersehbar, die Frequenz der Tastenanschläge rekordverdächtig. Was an ein chaotisches Grossraumbüro erinnert, ist in Realität der erste Berner Open Data Hackday. Rund vierzig Softwareentwickler, Informatikstudenten, Grafiker und Politiker trafen sich am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern mit einem Ziel: Daten zu «veredeln» und für den Bürgern verständlicher und zugänglicher machen.

Was in einer Demokratie wie der Schweiz seltsam klingen mag, ist das Anliegen des Vereins Opendata.ch. Im heutigen digitalen Zeitalter liegen Riesenmengen an Daten – beispielsweise in den Bereichen Finanzen, Geografie, Transport, Gesundheit oder Abstimmungen – ungenutzt bei Verwaltung und Behörden. Dabei sei das Potenzial gross: Bürger, aber auch Firmen hätten innovative Ideen, was man mit diesen Daten noch anstellen könnte, erläutert der 28-jährige Informatikingenieur und Mitorganisator Oleg Lavrosky.

«Es liegt noch viel ungenutztes Potenzial in den Daten»

Die Vielfältigkeit der Ideen an diesem Freitagnachmittag ist bemerkenswert: Während die einen anhand der Geodaten des Kantons Bern herausfinden, in welches Quartier Mann und Frau am besten passen würden, versuchen andere, die Wassertemperaturen von Flüssen auf einer Karte zu visualisieren. Wieder andere entwickeln ein Programm zum Vergleich des Abstimmungsverhaltens von Politikern und ihren Smartvote-Profilen. «Es liegt noch viel ungenutztes Potenzial in den Daten», ist Teilnehmer Julien Fiechter überzeugt. Er ist Projektleiter bei Smartvote, einem Webportal zur Entscheidungshilfe für bei Wahlen.

Nachdem bereits in Zürich, Lausanne und Genf ähnliche Konferenzen mit sehenswerten Resultaten stattgefunden haben, wollte man auch in Bern ein Zeichen setzen: «Wir wollen das Thema in der Stadt Bern lancieren», erklärt Opendata.ch-Vorstandsmitglied und Stadtrat Matthias Stürmer (EVP). Durch Open Data erhofft er sich, dass Abläufe aus Politik und Verwaltung transparenter und für den Bürger nachvollziehbar werden. Und somit das Volk in der Politik auch mehr mitredet. In einem ersten Schritt hat die Stadtverwaltung auf Anfrage Finanzdaten zur Verfügung: Hinter deren Visualisierung sitzen an diesem Nachmittag zwölf Software-Entwickler.

Berner Projekte folgen

Die Stadtverwaltung sei grundsätzlich offen fürs Gespräch, lobt Stürmer. Im Gegensatz zur Stadt Zürich sei man aber noch zu wenig aktiv. Dort wird bald ein Datenportal lanciert. «Ausserdem wäre es wichtig, dass auch Leute aus der Verwaltung bei Fachsitzungen mit dabei wären und ihre Ideen einbringen», ergänzt er. Als einziger Vertreter der Verwaltung ist Peter Schär vom kantonalen Amt für Geoinformation mit dabei. Er möchte an diesem Nachmittag die Geodaten unter die Leute bringen. Das Amt stellt schon seit längerem die Geodaten des Kantons Bern im Internet zur Verfügung.

In einem vorangegangenen Projekt in Zürich wurde ein Programm entwickelt, das dem Benutzer aufzeigt, wohin seine Steuern ins Stadt-Budget fliessen. In Genf erstellten Entwickler eine Stadtkarte mit sämtlichen Velorouten. Die Berner Projekte folgen bald. (Der Bund)

Erstellt: 28.04.2012, 16:43 Uhr

Resultate

Alle Resultate werden publiziert unter make.opendata.ch/wiki.

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