Auf dem Weg zum «Boulevard Ferdinand Hodler»

Das Konzept für die künftige Nutzung der Schützenmatte in der Stadt Bern liegt auf dem Tisch. Im Sommer wird es erprobt.

Die Autos müssen weg: Blick auf die Schützenmatte. (Archiv)

Die Autos müssen weg: Blick auf die Schützenmatte. (Archiv) Bild: Adrian Moser

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Die Planung der Schützenmatte ist einen Schritt weiter. Vorgestern Abend hat sich das Begleitgremium zum letzten Mal getroffen und ein Nutzungs- und Entwicklungskonzept verabschiedet. Dieses soll nach der letzten Sitzung bereinigt und Ende Jahr dem Gemeinderat vorgelegt werden. Vor neun Jahren hatte das Grüne Bündnis den Planungsprozess mit einer Motion im Stadtrat angestossen. Folgende Ideen sind ins Konzept aufgenommen worden:

Auf der Schützenmatte sollen die Parkplätze weg. Für den Platz ist eine «multifunktionale Nutzung» vorgesehen, diese wird im August und September dieses Jahres getestet, bevor das Konzept zum Gemeinderat geht. «Mit dem erneuten Labor wollen wir erproben, was Leute auf den Platz holt», sagt Stéphanie Penher (GB) aus dem Begleitgremium. Man wolle aber keine kommerziellen Nutzungen und sicher nichts Festes auf den Platz bauen. Martin Mäder, Vertreter der BDP im Begleitgremium, hofft, dass der Platz tatsächlich bespielt und belebt werde und es nicht dabei bleibe, dass nur die Parkplätze aufgehoben würden.

Rund um die Schützenmatte möchte die Begleitgruppe den Verkehr reduzieren. So sollen vor allem Fussgänger und Velofahrende bessere Verbindungen zur Schützenmatte erhalten. Diese würde damit besser an die Stadt angebunden. Ob ein entsprechendes Verkehrskonzept möglich wird, beantwortet eine Studie, die im Juni fertig sein sollte.

Die Idee, aus der Hodlerstrasse einen Boulevard Ferdinand Hodler zu machen, ist bereits sechs Jahre alt. Sie tauchte zum ersten Mal in einer Analyse des Perimeters rund um die Schützenmatte im Auftrag der Stadt auf. Das Begleitgremium verfolgte die Idee weiter und möchte die Strasse zum Boulevard mit «Aufenthaltsqualität» umgestalten. Das Gremium wünscht sich eine «Kunstmeile» mit Gastronomie und Freizeitangeboten. «Langfristig wird sich auch die Frage stellen, was die Polizei im Gebäude gegenüber dem Progr macht», sagt Stéphanie Penher.

Am umstrittensten seien die Pläne zum verdichteten Bauen am Lorraine-Brückenkopf, sagt Penher. «Die Stadtplaner wollten dort einen städtebaulichen Akzent setzen», sagt sie. «Der Plan löste im Begleitgremium jedoch viel Kopfschütteln aus.» In diesem Punkt müsse der gestern publizierte Konzeptentwurf nochmals gründlich überarbeitet werden. Knackpunkt ist die Drogenanlaufstelle der Stiftung Contact-Netz. Für Penher ist klar, dass die Drogenanlaufstelle an der zentralen Lage bleiben muss. Die Stadtplaner möchten am Kopf der Lorrainebrücke einen verdichteten Abschluss der oberen Altstadt schaffen. Darin sollen Geschäfts-, Dienstleistungsbetriebe und Wohnungen untergebracht werden. Das Erdgeschoss wäre für ein breiteres Publikum offen. «Die geplante Verdichtung und die Drogenanlaufstelle kann man sich schlecht zusammen vorstellen», sagt Martin Mäder. Sollte der Brückenkopf umgestaltet werden, müsse man für die Anlaufstelle eine Lösung suchen. Das heisse, sie müsse umziehen, bevor sie einfach verdrängt werde.

FDP kritisiert die Partizipation

Das Konzept wurde von der Stadtverwaltung in einem breit abgestützten Partizipationsverfahren entwickelt. Stéphanie Penher ist mit dem Prozess sehr zufrieden: «Er war gut organisiert.» Die FDP hingegen kritisiert das Verfahren. «Wir merkten bald, dass es in eine Richtung geht, zu der wir nichts beitragen können», sagt Christoph Zimmerli, der für die FDP in der Begleitgruppe war. Die Ideen der FDP für ein Hochhaus auf der Schützenmatte, die er im Stadtrat eingereicht habe, seien im Begleitgremium überhaupt nicht diskutiert worden.

Martin Mäder bestätigt, dass die Stimmen der Bürgerlichen in den Protokollen weniger Gehör gefunden hätten als die der Linken. Selbstkritisch sagt er jedoch: «Ich hätte mich vehementer dafür einsetzen können, dass ich Gehör finde.» Die politischen Verhältnisse in der Stadt Bern liessen sich auch auf die Begleitgruppe übertragen, sagt er. «Man kann nicht erwarten, dass die Stimmen der Bürgerlichen plötzlich mehr Gewicht erhalten», sagt er.

Mit dem Partizipationsprozess zufrieden ist hingegen Ines Bürge vom Contact-Netz, das die Anlaufstelle betreibt: «Wir wurden als Anrainer von Anfang an sehr gut einbezogen.» (Der Bund)

Erstellt: 21.05.2015, 06:48 Uhr

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