Schon bald ist das Ziegler Geschichte

Das Berner Zieglerspital schliesst bereits Ende September. Ersetzt wird das Angebot im Tiefenauspital. Inselspital und Spital Netz Bern sparen damit jährlich 20 Millionen ein.

Am Zieglerspital wären grosse Investitionen nötig gewesen. Stattdessen werden die Angebote künftig am Tiefenauspital weitergeführt.

Am Zieglerspital wären grosse Investitionen nötig gewesen. Stattdessen werden die Angebote künftig am Tiefenauspital weitergeführt.

(Bild: Valérie Chételat)

Matthias Raaflaub

Das Bettenhochhaus des Zieglerspitals stammt aus den 70er-Jahren, andere Teile aus den 1960ern. Eine Erfrischung wird das Ziegler nun definitiv nicht mehr erhalten. Am 30. September 2015 wird der stationäre Betrieb eingestellt. Dies teilte die gemeinsame Geschäftsleitung von Inselspital und Spital Netz Bern gestern mit. Die Schliessung des Spitals im laufenden Jahr hatte sich abgezeichnet. Die Zukunft spielt anderswo. Bereits Ende vergangenen Jahres war beschlossen worden, dass der Standort Ziegler aufgegeben wird und dereinst in einem neuen Spital in der Berner Tiefenau aufgehen soll. Wann es so weit ist, ist noch nicht genau bekannt. Vorerst werden die Angebote des Zieglers im bestehenden Tiefenauspital weitergeführt. Am Zie­glerspital soll höchstens noch ein tagesklinisches Angebot weitergeführt werden.

Bei den Mitarbeitenden soll die Schliessung laut der Geschäftsleitung zu keinen Kündigungen führen. Ihnen sei die Weiterbeschäftigung innerhalb des Gesamtunternehmens, will heissen an einem der Spitäler in Bern, Münsingen, Belp, Riggisberg oder Aarberg, zu­gesichert.

Die Leistungen, welche bisher am Zieglerspital erbracht worden sind, sollen am Standort Tiefenau weitergeführt werden. Dies treffe auf alle Bereiche zu, sagt Holger Baumann, gleichwohl gebe es einige Veränderungen. Verkleinert wird die Geriatrie. Auf den Abgang des Chefarztes Jon Lory hin haben Spital Netz Bern und Inselspital angekündigt, dass die Geriatrie künftig zusammenhängend am Spital Tiefenau, Spital und Altersheim Belp und am Inselspital mit insgesamt 72 Betten betrieben wird. Das neue geriatrische Angebot am Tiefenau soll bis spätestens am 1. Juli 2015 eröffnen.

Investiert wird in Neues

Die Erkenntnis, dass langfristig ein Stadtspital anstelle von Tiefenau und Ziegler gebaut werden soll, ist bereits 2009 gereift. Ausschlaggebend dafür war vor allem der hohe Investitionsbedarf an beiden Spitälern. Laut den Angaben von Spital Netz Bern hätten bis im Jahr 2021 rund 200 Millionen Franken in die Erneuerung von Ziegler und Tiefenauspital gesteckt werden müssen. Auf die damaligen Überlegungen kam die neue Geschäftsleitung Ende 2013 zurück. «Wir vollziehen jetzt, was man schon vor längerer Zeit geplant hat», sagt Holger Baumann, Vorsitzender der gemeinsamen Geschäftsleitung von Inselspital und Spital Netz Bern auf Anfrage.

Dennoch kommt die Schliessung binnen rund sechs Monaten zügig. Holger Baumann sagt, es sei nicht möglich, das Zieglerspital bis zum Bau des neuen Stadtspitals weiterzubetreiben. Dabei geht es für das Spital-Unternehmen um betriebliche und finanzielle Überlegungen. Zum einen macht es sich für das Image bei den Patienten verständlicherweise nicht gut, wenn die Tage des Spitals bereits gezählt sind. Zum anderen geht es «auch um eine finanzielle Frage», wie Baumann sagt: «Wir müssen Einsparungen generieren.» Obwohl der Verbund ein gutes Ergebnis ausweise, würden zwei Stadtspitäler wirtschaftlich auf lange Sicht «eine Hypothek», so Baumann. Jährlich werden mit der Schliessung des Zieglerspitals 20 Millionen Franken eingespart. Dieses Geld fliesst laut Baumann in «Prozessoptimierungen».

Im Rahmen des Projekts «Stärkung Medizinalstandort Bern» soll das neue Stadtspital in der Tiefenau auf die erweiterte Grundversorgung ausgerichtet werden, während spezialisierte und hochkomplexe Eingriffe am Inselspital erfolgen sollen. Gleichwohl werden einzelne Universitätskliniken auch am Standort Tiefenau betrieben.

«Hätte nicht bestehen können»

Dies hatte auch am Zieglerspital organisatorische Umwälzungen zur Folge. Sie seien einer der Gründe gewesen für den Abgang eines Grossteils der leitenden Ärzte an den Spitälern Ziegler und Tiefenau, sagt Beat Gafner, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Bern (Bekag). Gafner sieht auch darin einen Grund für die nun rasch kommende Schliessung. «Das Ziegler hätte mit diesen Abgängen nicht mehr bestehen können», sagt er auf Anfrage. Der Abgang von leitenden Ärzten am Tiefenau- und Zieglerspital haben laut Gafner auch Auswirkungen auf die Patientenströme gehabt. «Wer eine Beziehung zu einem Facharzt pflegt, zieht in der Regel mit ihm mit», sagt er. Baumann bestätigt, dass auch die Abgänge für eine frühere Schliessung sorgten. Das sei aber nicht die Hauptursache.

Mit dem Stadtspital Ziegler verliert die Region von Köniz bis Schwarzenburg «ihr» Krankenhaus. Die Spitalversorgung in der Region leide aber wohl nicht merklich, da das Spitalangebot in der Umgebung von Bern weiterhin sehr gross sei, sagt Gafner, der Hausarzt in Niederscherli ist. Doch das Spital hat auch für die Ärzte der Region eine wichtige Funktion. Es übernimmt den Notfalldienst in den Nächten, an den Wochenenden und an Feiertagen und dient als Notfallambulatorium. Laut Gafner laufen Verhandlungen über die weitere Ausgestaltung des Notfalldienstes. Daran ist auch ein Privatspital beteiligt.

Auf die Lücke, welche das Zieglerspital für die Ärzte in der Region hinterlässt, wollen Spital Netz Bern und Insel nun damit reagieren, dass sie eine Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten schaffen. Die Ärzte sollen miteinbezogen werden. Gafner relativiert diese Ankündigung allerdings. Diesbezüglich sei noch gar nichts spruchreif, sagt er.

Der Bund

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