Schauspieldirektorin zieht es nach Graz

Die Schauspieldirektorin am Konzert Theater Bern, Iris Laufenberg, verlässt Bern und wird Intendantin am Schauspielhaus Graz.

«Das Haus soll zum Gesprächsstoff werden»: Mit diesem Anspruch ist Iris Laufenberg vor drei Jahren in Bern angetreten.<p class='credit'>(Bild: Valérie Chételat)</p>

«Das Haus soll zum Gesprächsstoff werden»: Mit diesem Anspruch ist Iris Laufenberg vor drei Jahren in Bern angetreten.

(Bild: Valérie Chételat)

Man rieb sich ein wenig die Augen, als 2011 der neue Intendant Stephan Märki voller Freude bekannt gab, dass Iris ­Laufenberg, die Leiterin des renommierten Berliner Theatertreffens, die Schauspielleitung am Stadttheater Bern übernehme.

So wie der Stadttheaterintendant die neue Chefin in den höchsten Tönen lobte, schwärmte auch die umworbene Theaterfrau über ihren künftigen Arbeits­ort Bern. Es sei die Aufbruchstimmung, die sie hier gespürt habe, die sie dazu bewogen habe, das Angebot anzunehmen, sagte Iris Laufenberg, als sie sich erstmals in Bern präsentierte. Und die damals 45-Jährige hatte auch Grosses vor in Bern: «Das Haus soll zum Gesprächsstoff werden.» Nun hat Märki gestern bekannt gegeben, dass Iris Laufenberg Bern verlässt und Intendantin des Schauspielhauses Graz wird. Sie löst Anna Badora ab, die 2015 ans Wiener Volkstheater wechselt. Laufenbergs Vertrag läuft in Bern noch bis Ende 2015, ­parallel zu ihrer Arbeit hier wird sie nun die Saison 2015/2016 des Grazer Schauspielhauses vorbereiten.

In Graz wurde Iris Laufenberg erst im zweiten Anlauf gewählt. Die erste Runde verlief ergebnislos. Man habe «keine ­faulen Kompromisse» eingehen wollen, liess der Kulturlandesrat Christian Buchmann verlauten. In der zweiten Runde bewarben sich 30 Theaterleute um den Posten. Die Jury habe sich dann einstimmig für Iris Laufenberg entschieden: «Iris Laufenberg verkörpert die Modernität des künstlerischen Anspruchs im Schauspielhaus», begründete der ­Aufsichtsratsvorsitzende der Theaterholding, Alfred Wopmann, die Wahl.

Highlights und Flops

Iris Laufenbergs Anspruch, das Theater in Bern sichtbarer zu machen, Kontroversen anzustossen und für Bern eine ­eigene Sprache zu finden, hat sie in den ersten beiden Spielzeiten zwar ansatzweise eingelöst. Sie hat aber die Bresche nur wenig verbreitert, die ihr Vorgänger Erich Sidler in Bern schon für ein ­Theater am Puls der Zeit geschlagen hatte. Auf eine markante Neupositionierung des Schauspiels wartete man vergeblich, wie bei Sidler waren die Flops so zahlreich wie die Highlights. Iris ­Laufenbergs Kurs ist allerdings klar auf Aufbau angelegt. So engagierte sie wiederholt Regisseurinnen und Regisseure, deren Schaffen sie schon seit längerer Zeit verfolgt hatte. Sie initiierte die Zusammenarbeit mit der Berner Hochschule der Künste und die Gesprächsreihe «Berner Reden». Weiter verfügt sie über ein sicheres Gespür für Charakterschauspieler, und es ist ihr gelungen, das Schauspiel ins grosse Haus am Kornhausplatz zurückzuholen.

In den Besucherzahlen hat sich diese Entwicklung allerdings noch nicht nieder­geschlagen. Während die Oper, die unter Märkis Vorgänger Marc Adam einen herben Zuschauerrückgang verzeichnen musste, massiv Publikum ­dazugewinnen konnte, stagniert das Schauspiel.

Ungünstiger Zeitpunkt

Intendant Märki, der mit seinem Team auf ein spartenübergreifendes Theater setzt, macht keinen Hehl daraus, dass er sehr gerne mit Iris Laufenberg weitergearbeitet hätte und die Trennung in einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt erfolge. Wird doch die Planung am ­Theater bereits durch die laufenden ­Renovationsarbeiten, die erst 2016 ­abgeschlossen werden, zusätzlich ­erschwert.

Märki betont aber, dass die Wahl auch eine grosse Anerkennung für die Arbeit sei, welche die Schauspielchefin in Bern geleistet habe. «In Graz wird Iris Laufenberg ein Schauspielhaus leiten, das ganz auf das zeitgenössische Theater ausgerichtet ist.» Was die Nachfolge betrifft, so hofft Märki, nach den Sommerferien schon einen Namen bekannt geben zu können. Mit der Planung der Schauspielsaison 2015/2016 werde zudem haus­intern schon jetzt begonnen.

Die Sparte Schauspiel am Stadttheater wird mit Iris Laufenbergs Abgang noch weitere Verluste hinnehmen müssen. So wie Anna Badora einen gewichtigen Teil ihrer Grazer Entourage nach Wien holt, wird Iris Laufenberg wohl auch ein paar ihrer Berner Trümpfe nach Graz ­transferieren.

Was die Schauspielchefin genau bewogen hat, Bern nach so kurzer Zeit zu verlassen, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Iris Laufenberg, die nach ­ihrer Wahl gestern der Belegschaft des Grazer Schauspielhauses vorgestellt wurde, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Bund

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