Salatköpfe statt Blumenbeete in Stadberner Parks

Öffentliche Grünflächen und Stadtparks sollen zum Gemüsegarten werden. Der Gemeinderat begrüsst einen entsprechenden Vorstoss.

Der Gemeinderat ist gegenüber der Idee, in den Berner Parks Gemüse anzubauen, nicht abgeneigt.

Der Gemeinderat ist gegenüber der Idee, in den Berner Parks Gemüse anzubauen, nicht abgeneigt.

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Urban Gardening ist in aller Munde. Aber eine essbare Stadt gibt es zurzeit nur in Deutschland. In Blumenbeeten und auf Grünflächen der rheinland-pfälzischen Stadt Andernach wachsen Grünkohl und Kartoffeln statt Zierpflanzen. An der Stadtmauer ranken Reben, und im Stadtgraben blühen im Frühjahr Mandeln, Quitten und sogar Feigen.

Was im Städtchen Andernach gelingt, soll auch in Bern zum Erfolg werden: «Der öffentliche Raum gehört allen und soll nun auch Garten aller werden», heisst es in einem Vorstoss von Christa Ammann (AL), der heute Abend im Stadtrat traktandiert ist. Darin wird eine Freigabe von Parkanlagen, Grünflächen bei städtischen Liegenschaften und eventuell auch Friedhöfen und Verkehrskreiseln zur Bepflanzung gefordert. Der Gemeinderat empfiehlt den Vorstoss zur Annahme. «Im Rosengarten dürfen alle Gemüse säen und ernten», beschreibt Ammann die Grundidee. Sie lässt offen, wie das Anliegen umgesetzt werden soll. In Andernach sind unter anderem auch Langzeitarbeitslose mit der Pflege der Anbauflächen beschäftigt. «Ob sich die Leute selber organisieren oder die Stadtgärtnerei koordinierende Funktion übernimmt, wird sich zeigen», sagt Ammann.

Brünnengut als Vorbild

In der Parkanlage Brünnengut gibt es eine Art Keimzelle für das Projekt: Hier hat die Stadtgrün Bern, wie sich die Stadtgärtnerei seit kurzem nennt, gemeinsam mit interessierten Anwohnern eine Parkgestaltung gefunden, zu der auch eine Obstwiese mit seltenen Arten gehört. Ammann möchte diesen Ansatz auf die ganze Stadt ausdehnen.

Streit um die Ernte befürchtet sie nicht, im Gegenteil. Das Projekt habe auch einen sozialen Aspekt: «Zu gemeinsam bewirtschafteten öffentlichen Grünflächen wird mehr Sorge getragen», sagt Ammann.

«Naschgarten» in der Elfenau

Bei Stadtgrün Bern steht man dem Anliegen grundsätzlich positiv gegenüber. Walter Glauser, Bereichsleiter Friedhöfe und Familiengärten bei Stadtgrün Bern, gibt aber zu Bedenken, dass Andernach ein Städtchen von der Grösse Murtens sei. Dort gehe es primär um den Schlosshügel und nicht um diverse Parkanlagen. In Bern stehe zurzeit das mobile Gärtnern in separaten Behältnissen im Vordergrund, wie es etwa beim Quartiertreff Punto im Kirchenfeld praktiziert werde. Der Erfolg eines solchen Projektes hange eng mit der Unterstützung aus dem Quartier zusammen. «Es braucht verantwortliche Personen.» In der Nähe des Spielplatzes Elfenau wiederum wird diesen Sommer ein «Naschgarten» mit Beerenstauden gepflanzt, die frühestens ab 2015 frei geerntet werden können. Und im Bremgartenfriedhof gebe es 25 Apfel- und Birnbäume, die erstmals nächstes Jahr Früchte tragen werden. «Beim Gemüse ist freies Säen und Ernten vorläufig nicht vorgesehen», sagt Glauser.

Falls der Vorstoss Ammanns heute überwiesen werden sollte, könnten aber in einzelnen Stadtparks Blumenrabatte zur Anpflanzung von Gemüse frei gegeben werden. Friedhöfe kämen dafür aus Pietätsgründen, Verkehrskreisel wegen der Belastung durch Abgase nicht in Frage. Der Rosengarten wiederum sei für den Gemüseanbau ebenfalls ungeeignet, weil es sich nicht um einen Quartierpark handle, sondern um einen touristischen Hot Spot. «Wir suchen zurzeit in fast allen Quartieren nach geeigneten Grünflächen», sagt Glauser. (Der Bund)

Erstellt: 03.04.2014, 13:40 Uhr

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