Rennstrecke mitten durchs Quartier

Die Stadt Bern will die Fellerstrasse im Tscharnergut verschmälern, weil dort seit Jahren illegale Autorennen stattfinden. Die Raser-Duelle sind fürs Quartier zuletzt immer gefährlicher geworden.

Auf der Fellerstrasse sind die illegalen Rennen manchmal «blitzschnell» organisiert worden - letztes Jahr kam es zu einer Frontalkollision.

Auf der Fellerstrasse sind die illegalen Rennen manchmal «blitzschnell» organisiert worden - letztes Jahr kam es zu einer Frontalkollision.

(Bild: Tobias Anliker)

Matthias Raaflaub

Illegale Strassenrennen mit aufgemotzten Boliden in einem belebtem Quartier: Seit Jahren ist das im Westen Berns eine Realität. Meldungen über illegale Strassenrennen in Bethlehem gibt es seit Jahren. Die Fellerstrasse, welche an der Hochhaussiedlung Tscharnergut vorbeiführt, ist ein Brennpunkt. Die Stadtverwaltung plant dort nun, die Strasse mit Markierungen und Pfosten an mehreren Stellen zu verengen. Im Sommer 2015 soll Tempo-30-Zone eingeführt werden. Das teilte die städtische Verkehrsplanung mit.

Junge Autofahrer haben sich bisher vor allem im Frühling und Sommer regelmässig zu spontanen Autorennen auf der Fellerstrasse getroffen. Die Gegenfahrbahn musste als Überholspur herhalten oder wurde als zweite Fahrbahn missbraucht. Obwohl dies unglaublich tönt, sind die Rennen seit Jahren im Quartier, bei der Stadt und bei der Polizei bekannt.

«Die meisten dieser Rennen fanden in der Nacht statt», sagt Karl Vogel, Verkehrsplaner der Stadt Bern, auf Anfrage. Aus dem Quartier ist aber zu vernehmen, dass Strassenrennen auf der Fellerstrasse bisweilen auch am frühen Abend oder sogar am Nachmittag veranstaltet wurden. Nicht immer also war die Strasse menschenleer. «Solche Rennen sind auch ein Treffpunkt, um mit den Autos zu bluffen», sagt Stadtrat und Primarlehrer Manuel C. Widmer, welcher in der Schule im Tscharnergut unterrichtet.

Die Schule liegt mitten an dieser improvisierten Hochgeschwindigkeits-Rennstrecke. «Die Rennen hat man erst als vorübergehendes Phänomen wahrgenommen. Doch sie sind für die Anwohner zu einer Bedrohung geworden», sagt Widmer. «Viele Anwohner haben Angst bekommen, dass einmal etwas Schlimmes passiert», sagt er.

Unfall war Auslöser

Im Oktober kam es auf der Fellerstrasse zu einer Frontalkollision, wahrscheinlich wegen eines illegalen Strassenrennens, wie die Stadt Bern mitteilt. Drei Personen wurden damals verletzt. Für die Stadtverwaltung war der Unfall Auslöser, nun rasch zu handeln, wie Verkehrsplaner Vogel sagt.

Nathalie Herren von der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem begrüsst das. Sie hat aus dem Quartier eindringliche Bitten erhalten, dass die Stadt endlich etwas gegen die Rennen tun solle. Auch die Kantonspolizei Bern kämpft seit langem dagegen an. Offenbar nicht mit anhaltendem Erfolg. «Diese Leute können solche Rennen blitzschnell organisieren», sagt Herren.

«Mit den Mitteln der Polizei ist man immer einen Schritt zu spät – es braucht daher bauliche Massnahmen», sagt sie. Vogel sagt: «Die Beteiligten schauen genau, ob die Polizei da ist. Das macht es so schwierig, gegen die Rennen vorzugehen.»

Tatsächlich hat die Kantonspolizei die Fellerstrasse laut eigenen Angaben seit 2011 als Schwerpunkt ihrer Kontrollen festgelegt. «Seither wurden verschiedentlich Kontrollen durchgeführt und mehrere Schnellfahrer angehalten und entsprechend rapportiert», teilt Mediensprecherin Simona Benovici mit. Im vergangenen Jahr seien die Kontrollen noch einmal verstärkt worden – zwischen September und November schaute die Polizei gar täglich in der Fellerstrasse vorbei.

Alleine 2014 hat die Polizei dort 130 Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz geahndet. Wie viele Verstösse auf das Konto von Rasern bei Strassenrennen gehen, gibt die Kapo aber nicht an. Diese begrüsst die Massnahmen, welche die Stadt jetzt einleiten wird. Gleichwohl werde sie «auch künftig regelmässig Geschwindigkeitskontrollen im Gebiet Fellerstrasse vornehmen», wie sie schreibt.

Vor allem Berner Raser beteiligt

Für das Quartier besteht die Hoffnung, dass die Rennen endgültig aufhören. Immerhin lässt sich aus den Angaben der Polizei der Schluss ziehen, dass sich eine überwiegend lokale Raserszene auf der Fellerstrasse getroffen hat. Laut Stimmen aus dem Quartier hat es auch auf der Bümplizstrasse schon illegale Autorennen gegeben.

Mit dem Umbau der Fellerstrasse, hofft Verkehrsplaner Vogel, werde das Problem nun eingedämmt werden können. Man könne es aber nicht ausschliessen, dass sich die Strassenrennen auf andere Abschnitte verlagern.

Der Bund

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