Quartierbewohner protestieren gegen Centralweg-Projekt

Lorraine-Bewohner wehren sich gegen die Überbauung der Stadt Bern am Centralweg – und auch der Besitzer der Nachbarliegenschaft lenkt vorläufig nicht ein.

Am Centralweg in der Lorraine soll gebaut werden – nur wie genau?

Am Centralweg in der Lorraine soll gebaut werden – nur wie genau? Bild: Valérie Chételat

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«Das städtische Bauprojekt am Centralweg stoppen.» Das will eine Gruppe von Leuten, die in der Berner Lorraine wohnen oder geschäften. Morgen wird sich die Gruppe um 18 Uhr auf der Brache am Centralweg besammeln, um 19 Uhr will sie in der Pause der Stadtratssitzung vor dem Rathaus gegen den geplanten Bau protestieren, wie «20 Minuten» berichtete.

«Es geht darum, dass der Gemeinderat zur Kenntnis nimmt, dass eine Mehrheit des Quartiers diesen Bau nicht will», sagt Sandra Ryf, eine der federführenden Quartierbewohnerinnen, auf Anfrage. Der Protest sei «ein erster Schritt». Morgen werde die Gruppe diskutieren, ob sie den Widerstand zudem mit einer Petition oder gar mit dem Ergreifen einer Initiative fortsetzen will.

Ursprünglich hatte die Stadt in Aussicht gestellt, am Centralweg zumindest teilweise günstigen Wohnraum zu schaffen. Nun aber plant sie einen Bau von 13 Wohnungen und einem Atelier für insgesamt 8,8 Millionen Franken.

Das sei kein günstiger Wohnraum, befand der Stadtrat – und lehnte es deshalb ab, dass der Bau mit Geld aus dem Subventionsfonds mitfinanziert wird. Das heisst: Die Stadt wird marktübliche Mieten verlangen – wodurch, so fürchten die Protestierenden, das Mietzinsniveau in der Lorraine ansteigen werde.

Baugesuch trotz Unsicherheit

Der Protest wird von vielen Lorraine-Betrieben unterstützt: vom Lebensmittelladen Lola über das Café Kairo und die Brasserie Lorraine bis hin zur Buchhandlung Sinwel. Unter den Unterstützern figuriert auch «denk:mal», die autonome Schule, die im April das Gebäude am Lagerweg 12 besetzt hat. Das Haus, bis Ende Februar ein Bordell, grenzt an die Brache, auf der die Überbauung Centralweg entstehen soll. Und weil die geplanten ausladenden Balkone zu nahe an die Nachbarliegenschaft reichen, müsste deren Besitzer der Stadt ein Näherbaurecht einräumen.

Die Besitzerin, die Firma FSZ Immobilien AG des bekannten Immobilienhändlers Fredy Schönholzer, möchte ihrerseits das Lagerweg-Gebäude um einen Stock erhöhen und vier Meter nach vorne bauen. Dafür benötigt sie wiederum eine Ausnahmebewilligung, weil das Gebäude breiter wäre als gesetzlich erlaubt. Solange sie diese nicht erhält, will sie der Stadt kein Näherbaurecht einräumen.

Eine Pattsituation, in die nun allerdings Bewegung zu kommen scheint. Denn vor dem Lagerweg 12 stehen Bauprofile, und der Rechtsanwalt Ivo Doswald, der das Gebäude im Auftrag der Besitzerin verwaltet, bestätigt: «Ja, wir haben am 24. April ein Baugesuch eingereicht.» Der Stadtbauinspektor Martin Baumann sagt: «Das Gesuch wird derzeit geprüft.»

Mit dem Baugesuch musste die Firma FSZ auch ein Gesuch um die benötigte Ausnahmebewilligung einreichen, das dann gleichzeitig publiziert wird – und gegen das auch Einsprache erhoben werden kann.Weil die Ausnahmebewilligung noch nicht vorliegt, hat die Firma gemäss Doswald auch noch nicht entschieden, ob sie der Stadt das Näherbaurecht einräumt.

Und wie ihr eigenes Gebäude bis zu einem allfälligen Baubeginn genutzt wird, scheint sie wenig zu interessieren. Mit den Besetzern des Hauses, der Schule «denk:mal», habe man «keinen Kontakt», sagt Doswald. (Der Bund)

Erstellt: 05.06.2013, 07:03 Uhr

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