Polos Briefmarke: Schwan statt Alpenrosen

Die grössten Mundart-Hits stammen aus seiner Feder. Nun trägt auch eine Briefmarke Polo Hofers Handschrift – für ihn von grösserer Bedeutung als ein Prix Walo.

Fachsimpeln wie am Stammtisch: Polo Hofer gestern im Bierhübeli.<p class='credit'>(Bild: Adrian Moser)</p>

Fachsimpeln wie am Stammtisch: Polo Hofer gestern im Bierhübeli.

(Bild: Adrian Moser)

Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Noch eine Zigi und ein Schluck Rotwein! Damit wurden die Medien gestern Abend im Bierhübeli kurzfristig vertröstet, bis ihnen Polo Hofer Red und Antwort stand. Wie gewohnt mit verdunkelten Brillengläsern und einem lockeren Spruch auf den Lippen, posierte er geduldig für die Fotografen. «Jöö däich», sagte Polo auf die Frage, ob er ein bisschen mehr nach rechts stehen könne. Gestern Abend stand für einmal nicht Polo Hofer als Musiker im Rampenlicht, sondern eine Briefmarke. Seine Briefmarke, die er im Auftrag der Schweizerischen Post gestaltet hat und die gestern Abend mit einem grossen Tamtam im Berner Bierhübeli lanciert wurde.

Bereits zum 10. Mal bringt die Post eine jährliche Sondermarke, gestaltet von einer berühmten Persönlichkeit der Schweizer Kulturszene, heraus. So haben unter anderen Dimitri, Stefan Eicher und Nina Corti bereits ein eigenes Wertzeichen kreiert. Dieses Jahr war Polo Hofer an der Reihe. Gestaltet hat er die Marke selber. Schliesslich ist er ursprünglich gelernter Handlithograf (Grafiker).

In der Wahl des Motives war Hofer völlig frei. Aber die Frage liegt auf der Hand: Warum hat Polo Hofer ausgerechnet einen «Schwan so wiis wie Schnee» – immerhin mit Saiten am Hals und Knöpfen am Kopf – gemalt? «Ich wohne in Oberhofen am Thunersee und sehe jeden Tag Schwäne. Oder vielleicht lief auch gerade dieser Song, das ist möglich», sagt Hofer und zeigt sich unbeeindruckt über eine Gölä-Assoziation beim Anblick seines Werkes.

Mit Polo Hofer am Stammtisch

Das ganze Saal war in schummriges Licht getaucht. Auf den kleinen Tischen im Zuschauerraum brannten Kerzen. Zum Auftakt spielte die Band von Polo auf der Bühne. Direkt davor war ein langer Holztisch aufgebaut. Bis auf die Fahnen der Postfinance herrschte gestern im Bierhübeli eine Stimmung wie in einer Beiz, in der Polo Hofer am Stammtisch sitzt. Nach der Begrüssung inklusive Ehrung des Urvaters des Berner Mundartrocks durch den Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen Post, Peter Hasler, bat Polo Hofer seine Gäste an den Stammtisch.

Eingeladen hat er seine Wegbegleiter Endo Anaconda und Timmermahn und den Stadtpräsidenten. Knapp drei Wochen nach seiner Knieoperation war Alexander Tschäppät an roten Krücken erschienen – obwohl er angekündigt hatte, diese Woche nur stundenweise arbeiten zu wollen. Eine eigene Briefmarke gestalten zu dürfen, das sei für ihn «eine grosse Ehre», sagte Polo Hofer auf der Bühne. «Es bedeutet mir noch mehr als ein Prix Walo.»

Polo Hofers Begeisterung für das Projekt ist unbestritten. Auch hat der Anlass ein grosses Publikum angelockt. Aber wo findet die Lancierung einer Briefmarke in der digitalisierten Welt von heute noch ihre Berechtigung? «Obwohl der Postverkehr in den letzten Jahren stabil ist, geht die Verwendung von Briefmarken zurück», sagt Martin Hertsch von der Philatelie Firma Zumstein auf Anfrage. Aus Sammlersicht jedoch sei dies eine positive Entwicklung, denn je kleiner die Auflage, desto grösser sei der Sammlerwert, so Hertsch.

Vom Briefmarkenexperten gibt es für die Wahl von Polo Hofer als Markendesigner nur Lob. Ob die Marke zum Sammlerstück wird, zeige sich jedoch erst mit den Verkaufszahlen, sagt Hertsch. Polo wird es vermutlich egal sein – die Freude an seinem Schwan kann ihm keiner mehr nehmen.

DerBund.ch/Newsnet

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