Polnische Gedenktafel zum vierten Mal gestohlen

Bereits zum vierten Mal wurde im Berner Elfenauhölzli eine Gedenkplatte gestohlen, die an das Massaker von Katyn erinnert. Die polnische Botschaft will dennoch nicht auf das Mahnmal verzichten.

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Erneut gab es im Berner Elfenauhölzli einen Vandalenakt: Eine Gedenkplatte, die an den Polen Julian Gruner erinnert, wurde vergangene Woche von unbekannten Tätern entfernt – bereits zum vierten Mal innerhalb von drei Jahren. Der Kinderarzt und Sportler Julian Gruner war 1940 im russischen Katyn von sowjetischen Soldaten ermordet worden.

«Wir sind sprachlos», sagt Marek Wieruszewski, Konsul bei der polnischen Botschaft, und fügt hinzu: «Dass sich der Vorfall derart oft wiederholt, kann kein Zufall sein». Wieruszewski vermutet, dass hinter der Aktion politische Absichten stehen. «Das Katyn-Massaker gehört zu den schwierigsten Ereignissen der polnischen Geschichte und ist noch immer ein hochemotionales Thema». Einen konkreten Verdacht, wer die Plakette abgeschraubt haben könnte, hat er nicht. Wieruszewski vermutet lediglich, dass jemand mit dem Entfernen der Gedenktafel verhindern will, dass sich die Berner mit dem Katyn-Massaker auseinandersetzen.

«Wir wollen nicht auf die Gedenktafel verzichten»

Die Gedenktafel war im Jahr 2010 von der polnischen Schule in Bern errichtet worden – die Leiterin der Schule ist Joanna Wieruszewska, die Frau des Konsuls. Marek Wieruszewski betont: «Wir möchten nicht auf die Gedenktafel verzichten. Entweder bringen wir sie einfach immer wieder neu an, oder wir müssen uns eine andere Möglichkeit überlegen, damit man sie nicht so einfach entfernen kann».

Eine solche Möglichkeit war bereits getestet worden: Nach dem letzten Vandalenakt im März 2013 war die Gedenkplatte mit einem Klebstoff und speziellen Schrauben am Stein befestigt worden. Wie der jüngste Vorfall zeigt, hat sich diese Massnahme jedoch nicht bewährt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2013, 16:12 Uhr

Massaker in Polen

Die Elfenauer Plakette gehört zum Projekt Eichen der Erinnerung (Dab pamieci). Polnische Schulen auf der ganzen Welt pflanzen Bäume, um damit der Opfer des Massakers von Katyn zu gedenken.

Im September 1939 besetzten sowjetische Truppen Ostpolen, während Nazi-Deutschland den Westteil eroberte. Die russischen Besatzer erschossen im Frühling 1940 über 20'000 Polen, darunter zahlreiche Offiziere und Intellektuelle. Eine der Tötungsaktionen fand in der Nähe des russischen Dorfs Katyn statt, das dem ganzen Massaker den Namen gab.

Die deutsche Wehrmacht hob die Massengräber 1943 aus. Für die UdSSR, die den Zweiten Weltkrieg als gerechten «Vaterländischen Krieg» gegen Hitlers Vernichtungsfeldzug sah, waren die Funde unwillkommen. Sie versuchte das Massaker den Nazis anzulasten.

Erst 1990 anerkannte Staatschef Michael Gorbatschow das Massaker als sowjetisches Verbrechen (mzi).

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