Guerilla-Gärtnern

Pillen für eine schönere Stadt

Zwei Berner Gartenpiraten haben es sich zum Ziel gemacht, die Stadt erblühen zu lassen. Nach den erfolgreichen Samen-Lehm-Bomben, den sogenannten Seedballs, kommen nun die Seedpills auf den Markt.

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Sonnenblumen am Trottoirrand, Wildblumen in der Kreiselbegrünung oder Mohnblumen zwischen Pflastersteinen: In Bern sprossen im Frühling und Sommer mancherorts unerwartet Blumen, die in keinem Pflanzenkonzept der Stadt vorgesehen waren. Diese Anomalie haben die Stadtbernerinen und Stadtberner womöglich Severin Bartholdi und Raphael Corneo zu verdanken. Seit knapp elf Monaten stellen die zwei Berner in ihrer Wohnzimmermanufaktur Seedballs her und verkaufen sie via Onlineshop. Bei den Seedballs handelt es sich um kleine Kugeln aus Erde, Lehm und Saatgut. Man braucht sie nicht einzupflanzen – einmal auf einem Stück Erde platziert, spriessen sie von ganz alleine.

Ein ideales Utensil für selbst ernannte Gärtner, die das graue Stadtbild in Eigeninitiative verschönern wollen. In den Vereinigten Staaten ist das sogenannte Guerilla Gardening längst ein ausgewachsener Trend und erfreut sich grosser Beliebtheit. Es entstand in den 70er-Jahren als stille Ausdrucksform sozialen Ungehorsams. Mittlerweile sind ähnliche Lehmkugeln wie jene, die Corneo und Bartholdi nun in Bern etablieren wollen, in den Staaten sogar in Automaten erhältlich.

«Das Ganze hat mit einem Geschenk für einen Freund angefangen» sagt Raphael Corneo. Das Geschenk kam an – und Corneo und Bartholdi hatten ihren neuen Geschäftszweig auserkoren. Denn obwohl es die Samenbomben in der einen oder anderen Form vielerorts zu kaufen gibt: Schweizer Produktionen sind rar. Ihre Firma nannten sie Gorilla Gardening. Über 12'500 Kugeln haben sie seit der Gründung gerollt. Ein selbst bedrucktes Säckchen à fünf Seedballs verkaufen sie für 16 Franken.

Während der Produktionszeit stapeln sich im Wohnzimmer die Samenbriefchen, die Humus-Säcke und die Lehmmischungen «Wir produzieren alles selber in unseren Wohnungen», sagt Corneo. Von den einzelnen Kugeln bis hin zum bedruckten Säckchen stellen sie alles eigenhändig her. Die Eigeninvestitionen im tiefen vierstelligen Bereich haben sie innerhalb von drei Monaten wettgemacht.

Humus-Säcke im Wohnzimmer

Mittlerweile haben die Gartenpiraten ihre Pensen bei ihren Arbeitgebern reduziert, um der Nachfrage gerecht zu werden. Von den Samenbällen können sie zwar noch nicht leben, sie hoffen aber, dass sich das bald ändern wird. «Die Nachfrage in Bern ist in den letzten Monaten enorm gestiegen», sagt Severin Bartholdi. Vor allem vor Weihnachten hätten sie sich vor Anfragen kaum retten können. Nur mit Sonderschichten und dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer Freunde waren die Chargen zu bewältigen.

Die harte Arbeit hat sich gelohnt: Heute verkaufen die beiden die Kugeln nicht nur an Privatpersonen, sondern stehen auch mit Händlern und Geschäften in Kontakt. «Die Seedballs sind etwa im Kitchener erhältlich», sagt Bartholdi. Nun wollen sie ihre Produktion professionalisieren. «In Kürze ziehen wir in ein Atelier um, um von dort aus die Produkte herstellen zu können», sagt Corneo.

Mit Bauchgefühl entscheiden

Seit kurzem sind im Sortiment auch sogenannte Seedpills erhältlich. «Die Seedpills sind Kapseln aus Cellulose, die in den Boden gesteckt werden. Der Regen erledigt den Rest», sagt Bartholdi. Zusätzlich zum neuen Produkt wurde die Website aufgefrischt.

Und was kommt als Nächstes? Rüeblifelder am Aarehang? Tomatenstauden auf der Münsterplattform? Corneo und Bartholdi wollen sich noch nicht in die Karten blicken lassen «Wir haben bis anhin immer auf unser Bauchgefühl gehört. Das werden wir auch in Zukunft tun», so Corneo. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.09.2014, 11:58 Uhr

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