Porträt

Philosophin wird die Philo-Olympionikin wohl nicht

Die Berner Gymnasiastin Anna-Daria Kräuchi hat die schweizerische Philosophie-Olympiade gewonnen. Studieren möchte sie diese Disziplin trotzdem nicht.

Anna-Daria Kräuchi aus Bern findet Philosophie spannend. Als Studium wäre es ihr aber «zu theoretisch».

Anna-Daria Kräuchi aus Bern findet Philosophie spannend. Als Studium wäre es ihr aber «zu theoretisch». Bild: Adrian Moser

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«Ist Mitleid ein moralisches Gefühl?» und «Die philosophische Begründung für Umweltschutz»: Zu diesen beiden Themen hat Anna-Daria Kräuchi in den letzten Wochen je einen Essay geschrieben. Den ersten in der Schule, dem Gymnasium Neufeld. Den zweiten dann aber an der Uni Luzern und unter Wettkampfbedingungen. Und jetzt ist die 18-jährige Bernerin Siegerin der 7. Schweizer Philosophie-Olympiade.

Ihr Weg hin zum Titel sei eigentlich «nicht besonders spannend», erzählt Anna-Daria Kräuchi. Sie besuche «den PPP-Gymer», also jenen gymnasialen Kurs, der die Fächer Philosophie, Pädagogik und Psychologie anbietet. Der Philosophie-Lehrer habe ihre Klasse auf die Olympiade aufmerksam gemacht und alle zu einem der vorgegebenen Themen einen Essay schreiben lassen. «Ich habe als Einzige meinen Text eingeschickt – und war dann sehr überrascht, dass ich nach Luzern eingeladen wurde.»

Wettbewerb nicht im Zentrum

Und so ging die Maturandin getreu dem olympischen Motto «mitmachen ist wichtiger als gewinnen» am letzten Märzwochenende in den Wettbewerb: «Ich habe dort teilgenommen, weil ich dachte, es sei interessant, ein Wochenende mit andern Leuten aus der ganzen Schweiz zu verbringen.» Tatsächlich habe ihr der Anlass grossen Spass gemacht: Das Schreiben des Essays – vier Stunden am Samstagmorgen – sei neben den Workshops, dem gemeinsamen Essen und Ausgang nur ein Programmpunkt von vielen gewesen. «Klar spricht man in diesem Rahmen auch über Themen, die man anderswo nicht anschneiden würde. Aber wenn man dann zusammen im Café sitzt, ergeben sich sofort ganz normale Gespräche.»

Als Siegerin der schweizerischen Ausscheidung ist Anna-Daria Kräuchi nun an die internationale Philosophieolympiade nach Oslo eingeladen. Ob sie teilnehmen wird, ist allerdings noch unklar: «Aber nicht nur wegen der Matur; ich habe im Mai schon so viel vor.»

Neben der Schule arbeitet Anna-Daria Kräuchi im Kino Kunstmuseum an Kasse und Bar: «Dort bin ich extrem gern, das ist mehr als nur ein Job.» Trotzdem: Oslo würde sie durchaus reizen – und vielleicht besucht sie Norwegens Hauptstadt schon in wenigen Monaten auch ganz ohne Denkerkonkurrenz. Denn ungefähr eine Woche nach der Matura im Juni will Anna-Daria Kräuchi mit Freunden eine Interrail-Reise antreten. Noch sei die Route nicht ganz definiert, erzählt sie: «Wir diskutieren noch. Ich möchte gerne nach Norden, Osten und England – andere wiederum zieht es in den Süden.» Zuletzt werde wohl ein Kompromiss in Form einer Rundreise durch Europa herauskommen.

Sollte England auf dieser Tour nicht vorkommen, dürfte das für die lebhafte und unternehmungslustige junge Frau wohl verschmerzbar sein: Anna-Daria Kräuchi wird nach der Matura ein Zwischenjahr einschalten. Klar ist schon, dass sie ein Semester in England verbringen wird, entweder an einer Sprachschule oder in Oxford oder Cambridge in einem Kurs für Nichtenglischsprachige. Letzteres würde sie sehr reizen, weil sie so nebst der Landessprache auch andere Fächer studieren könnte.

«Das wäre mir als Studium fast zu theoretisch»

Apropos Studium: Die Philosophie-Olympionikin ist zwar den Geisteswissenschaften sehr zugetan und wird voraussichtlich auch ein Studium aus diesem Bereich ergreifen. Philosophie wird es aber wohl nicht sein: «Das wäre mir als Studium fast zu theoretisch», sagt sie. Auf ihrer Favoritenliste stehen derzeit eher Literatur, Geschichte und Deutsch «und auch Sozialwissenschaften – aber das machen ja alle».

Die andere Hälfte des Zwischenjahres will Anna-Daria Kräuchi nutzen, um Geld zu verdienen und wenn möglich auch erste Einsichten in bestimmte Berufsfelder zu erhalten: Derzeit ist sie insbesondere auf der Suche nach einer Arbeit in einem kleinen Buchladen. (Der Bund)

Erstellt: 11.04.2012, 09:05 Uhr

Philosophie-Olympiade

Die Schweizer Philosophie-Olympiade (SPO) ist ein Essay-Wettbewerb für Jugendliche unter 20 Jahren, die eine Maturitätsschule besuchen. Das Ziel der SPO ist die Förderung des Interesses an der Philosophie und des intellektuellen Austausches unter jungen Menschen. An der SPO werden in einem zweistufigen Verfahren zwei Jungphilosophen ermittelt, welche die Schweiz an der Internationalen Philosophie-Olympiade vertreten. In der ersten Runde schreiben die Schüler einen philosophischen Essay zu einem vorgegebenen Thema. Die Autoren der besten Essays qualifizieren sich für die Teilnahme an der dreitägigen zweiten Runde der SPO. In der zweiten Runde schärfen die Schülerinnen und Schüler ihre philosophischen Fertigkeiten in Workshops und verfassen einen weiteren Essay; die Autoren der beiden besten Essays qualifizieren sich für die IPO. Dieses Jahr siegte neben Anna-Daria Kräuchi (siehe Haupttext) Léonore Stangherlin aus Genf. Bewertet werden die Essays nach Kohärenz, Güte der Argumentation, philosophischem Wissen, Originalität und Relevanz.

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