Probleme mit dem Kühlsystem

Die uralte Migros in der Lorraine wirkte zuletzt etwas verwahrlost. Dafür ist im neuen Laden alles knackig. Besonders beeindruckend sind die roten Lampen beim Fleisch.

  • loading indicator
Dölf Barben@DoelfBarben

Im Frühling vor zwei Jahren, kurz nach der Katastrophe in Fukushima, gab es auch mit den Kühlsystemen in der Lorraine-Migros Probleme. Diese wurden anscheinend nie mehr ganz behoben. Als Notlösung legte man Tücher unter die Kühler, die - das ist der wahrscheinliche Grund - auslaufende Flüssigkeit aufsaugen sollten. Dass es für dieses spezielle Krisenverhalten einen triftigen Grund gibt, wurde klar, als die Umzugsabsichten der Filiale bekannt wurden: Die Migros an der Berner Lorrainestrasse zieht nach 61 Jahren um, 200 Meter weit an den Dammweg, ins Erdgeschoss des Gebäudes, in dem auch der «Bund» geschrieben wird. Gestern war die uralte Lorraine-Migros letztmals offen.

Gestelle «nicht mehr so prall gefüllt»

Eine gewisse Endzeitstimmung war an allen Ecken und Enden spürbar. Vor dem Geschäftslokal stapelten sich Paletten, und die Fruchtauslage war bereits weg. Im Innern, wo es sonst immer so eng war, dass jeder Kinderwagen die Kundenzirkulation ins Stocken brachte, war plötzlich Luft vorhanden. Manche Regale waren bereits ganz weggeräumt, manche Tablare halb leer. Vom M-Budget-Erste-Hilfe-Verbandset für 8.90 Fr. zum Beispiel hingen nur noch 5 Stück im Regal. Und Twist Wet Feuchtreinigung Zitrone für 6.60 Fr. suchte man bereits vergebens. In den letzten Tagen vor dem Umzug habe man die Gestelle «nicht mehr so prall gefüllt», sagte eine Firmensprecherin. Man kann es auch so sagen.

Alles ist neu und chic

Und doch hatte sie einen gewissen Charme, diese Migros. Nicht zuletzt der Verkäuferinnen und Verkäufer wegen, die, aufgrund der engen Verhältnisse, buchstäblich nahe am Kunden arbeiteten. Aber auch das laute Surren der Kühlsysteme wird man vermissen. Am Dammweg dagegen ist alles neu, alles chic und - vor allem - alles perfekt durchdacht. Gleich beim Eingang läuft der Kundenstrom auf eine Frische-Insel auf. Dieser Verkaufsbereich trägt den vielsagenden Namen «Snack to go». Er ist ausgerichtet auf Menschen, die es eilig haben oder nur rasch etwas Günstiges für den grossen Hunger kaufen wollen, so wie täglich mehrere Hundert Lehrlinge und Lehrtöchter aus der nahe gelegenen Gewerbeschule.

Der kleine Unterschied

Es sei der erste «Snack to go» im Gebiet der Migros Aare, sagt Filialleiter Benjamin Lobsiger. Wer will, kann zudem seine Waren an einer Kasse selber einscannen und bargeldlos bezahlen: Subito-Self-Check-out heisst das System. Rasch rein, rasch raus - und das auf dem kürzesten Weg. Selbstverständlich können Kundinnen und Kunden auch grössere Runden drehen. Zu einem guten Teil ist die neue Migros nämlich eine ganz normale Migros und sieht auch so aus.

Auf einen kleinen Unterschied weist Lobsiger aber doch noch hin: Die neue Filiale ist eine der ersten, die bei der Beleuchtung komplett auf LED-Technik setzt. Überhaupt: In modernen Verkaufsläden wird nichts dem Zufall überlassen. So sind bei den Fleischwaren rötlich leuchtende Lampen befestigt. Auf diese Weise komme das Fleisch besser zur Geltung, sagt er. Bei den Früchten dagegen ist weisses Licht gefragt. Am Tag vor der Eröffnung scheint alles bestens zu funktionieren - auch die Frauenstimme ab Tonband, die mit überdeutlicher Aussprache auf Aktionen hinweist, preist bereits Windeln an.

Und noch etwas sei angefügt, damit die Transparenz gegenüber unseren treuen Leserinnen und Lesern gewahrt bleibt: Die Migros hat ihren neuen Nachbarn am Dammweg, also auch uns, den Redaktorinnen und Redaktoren vom «Bund», einen Bon für einen feinen Butterzopf (500 g) aufs Pult legen lassen. Merci vielmal, das ist sehr nett!

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt