Neues Spital in der Berner Tiefenau

Nun ist der Standortentscheid gefallen: Spital Netz Bern will das neue Stadtspital neben dem Tiefenau­spital bauen. Dieses wird anschliessend abgerissen. Aus dem Zieglerspital wird eine ambulante Tagesklinik.

Für den Neubau beim Tiefenauspital kommt nur das bereits überbaute Areal (rechts vom Tennisplatz) infrage.

Für den Neubau beim Tiefenauspital kommt nur das bereits überbaute Areal (rechts vom Tennisplatz) infrage. Bild: Manu Friederich

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Dass die Berner Spitäler Ziegler und Tiefenau durch einen Neubau ersetzt werden sollen, ist im Frühling bekannt gegeben worden. Noch nicht klar war, wo er erstellt werden soll. Dieser Entscheid ist nun gefallen. Das Tiefenau-Areal sei am besten dafür geeignet, heisst es in der am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung von Inselspital und Spital Netz Bern.

Bis im Frühsommer 2015 sollen nun die Details zum Leistungsangebot, zur Wirtschaftlichkeit und zum Zeitplan geklärt werden. Dann wird der gemeinsame Verwaltungsrat von Insel und Spital Netz Bern definitiv entscheiden. Termine nannte Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer gestern auf Anfrage keine. Gemäss seinen Angaben soll das neue Spital aber rasch gebaut werden. Die Zeit des Redens sei vorbei. Nun gelte es vorwärtszumachen.

Damit ist das Schicksal der sanierungsbedürftigen Akutspitäler Ziegler und Tiefenau besiegelt. Im Zieglerspital entsteht voraussichtlich eine ambulante Tagesklinik mit Notfallversorgung. Das «bewährte Geriatrie- und Orthopädie-Angebot» wird gemäss Mitteilung am neuen Standort Tiefenau weitergeführt. Das Tiefenauspital bleibt während des Baus des neuen Spitals in Betrieb. Anschliessend soll es abgerissen werden. Würden beide Spitäler weiter betrieben, müssten bis im Jahr 2021 gegen 200 Millionen Franken in die Gebäude gesteckt werden. Entlassungen sind keine vorgesehen. Die Weiterbeschäftigung der betroffenen Mitarbeitenden sei gesichert. Das Personal wurde am Mittwoch informiert.

Dass das Tiefenauspital während der Bauphase weiter genutzt werden kann, ist einer der wichtigsten Gründe, die für diesen Standort sprechen. Beim Zieglerspital gibt es keine Landreserven für einen Neu- und Ausbau; die Patienten müssten während einer Sanierung oder eines Neubaus verlegt werden.

Keine Angaben zu den Kosten

Das künftige Stadtspital soll «die erweiterte Grundversorgung mit ausgewählten Leistungen der spezialisierten Versorgung» für die Agglomeration Bern sicherstellen, steht in der Medienmitteilung. Gleichzeitig soll es als zweiter Standort der universitären Kliniken dienen. Zu Spital Netz Bern gehören nebst den Spitälern Ziegler und Tiefenau jene in Aarberg, Münsingen und Riggisberg. Spital Netz Bern sitzt im gleichen Boot wie das Inselspital. Zusammen verfolgen diese öffentlichen Spitäler ein dreistufiges Versorgungsmodell, welches Portal- und Stadtspitäler sowie das Universitätsspital umfasst. Der Vorteil: Patienten können von einer Versorgungsstufe auf eine andere verlegt werden, ohne das Gesamtunternehmen zu verlassen. Allerdings ist der Zusammenschluss noch nicht ganz vollzogen: Inselspital und Spital Netz sind noch eigenständige Rechtssubjekte, was etwa bei der Verschiebung von Patientendossiers Probleme verursacht. Auf Anfang 2016 soll die Fusion vollständig sein.

Weil vor vier Jahren Inselspital und Spital Netz Bern noch nicht zusammenspannten, kann das neue Spitalprojekt in der Tiefenau nicht mit jenem verglichen werden, das damals schon im Gespräch war (siehe Box). Weder zur Grösse noch zu den Kosten könne er jetzt Angaben machen, sagte Holger Baumann, Geschäftsleiter von Inselspital und Spital Netz Bern, am Mittwoch auf Anfrage. Zuerst müsse bestimmt werden, welche Fachbereiche dort angesiedelt werden. Heute stünden sowohl das Ziegler- wie auch das Tiefenauspital unter Druck und seien nicht voll ausgelastet. Deshalb sei klar, dass der Umzug vom Ziegler- ins Tiefenauspital schon während der Bauphase erfolgen oder zumindest beginnen werde. Die Planung dazu werde nun in Angriff genommen.

Unklar ist, was letztlich mit dem Hauptgebäude des Zieglerspitals passieren wird. Die Tagesklinik wird wohl nicht mehr so viel Platz in Anspruch nehmen, womöglich könnten dafür Nebengebäude ausreichen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Hauptgebäude auch abgerissen werde, sagte Baumann. (Der Bund)

Erstellt: 20.11.2014, 06:55 Uhr

Delikater Baugrund

Für den Neubau eines Spitals in der Tiefenau kommt nur eine enge Parzelle infrage.

Vor vier Jahren bereits hatte die Spital Netz Bern AG ein weit fortgeschrittenes Projekt für einen Spitalneubau in der Tiefenau vorgelegt. Schon mit diesem Neubau sollten die öffentlichen Stadtspitäler Ziegler und Tiefenau ersetzt werden. Damals arbeitete das Unternehmen aber noch nicht mit dem Inselspital zusammen. Das Projekt, ein Spital mit 250 Betten, das über 200 Millionen Franken gekostet hätte, verschwand jedoch wieder in der Schublade.

Speziell am Areal in der Tiefenau ist seine Geschichte – und diese macht die Sache für die Bauherren nicht gerade einfacher. Auf der Engehalbinsel lebten vor über 2000 Jahren keltische Siedler, später stand in der Aareschlaufe eine römische Siedlung. Überreste wie das Amphitheater können heute noch besichtigt werden. Das Gebiet steht deshalb – kein Wunder – unter Schutz. Wie Kantons­archäologe Daniel Gutscher auf Anfrage sagt, ist die Engehalbinsel mit ihren keltischen und römischen Zeugnissen gar ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung. Das Gebiet geniesst somit nicht bloss kantonalen, sondern auch den Schutz der Eidgenossenschaft.

Die freie Wiese ist tabu

Weil ein Bauvorhaben auf solch delikatem Grund Probleme verursachen kann, hatte die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege vor vier Jahren im Auftrag des Kantons Bern ein Gutachten erstellt. Dieses bestätigte die hohe Bedeutung des Schutzgebietes. Es kam aber auch zum Schluss, dass auf dem Areal grundsätzlich ein neues Spital gebaut werden kann – allerdings nur in der Zone, wo bereits zuvor gebaut worden war. Diese Fläche befindet sich südwestlich des bestehenden Spitals und umfasst Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude des Spitals sowie den Parkplatz; insgesamt ist sie etwas grösser als die Fläche, die das Spital heute einnimmt. Aus einer Planskizze von damals geht hervor, dass beispielsweise die freie Wiese nordwestlich des Spitals für einen Neubau nicht infrage käme.

Aufwendig wird ein Neubau in einem solchen Gebiet dadurch, dass die Planung in enger Zusammenarbeit mit dem archäologischen Dienst erfolgt. Bei Bedarf kommt es zu sogenannten Rettungsgrabungen: Funde, die durch den Neubau zerstört werden könnten, sollen auf diese Weise sichergestellt werden können.(db)

Der geplante Standort:

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