Neuer Aare-Einstieg beim Schönausteg soll für mehr Sicherheit sorgen

Ab Sommer 2014 plant die Stadt Bern einen neuen Einstieg beim Schönausteg. Brückenspringer und Aareschwimmer sollen sich weniger in die Quere kommen.

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Benjamin Hämmerle@tagesanzeiger
Gianna Blum

Der Aare-Einstieg beim Schönausteg ist im Sommer beliebt, da er gerade etwa auf halbem Weg zwischen dem Marzilibad und dem Eichholz liegt. Ganz ungefährlich ist er aber nicht, vor allem an schönen Tagen, wenn viele Menschen im Fluss Abkühlung suchen: Wenige Meter nach dem Einstieg müssen die Badenden unter dem Steg durchschwimmen, von dem sich andere per Sprung in den Fluss stürzen. Im letzten Sommer ereignete sich denn auch ein Unfall, bei dem ein 13-Jähriger von einem Brückenspringer getroffen wurde.

Nun will die Stadt Abhilfe schaffen. «Es ist geplant, den Einstieg flussabwärts zu verlegen, so dass Badende erst unterhalb des Schönausteigs in den Fluss steigen», sagt Martina Rettenmund, Mediensprecherin der Sicherheitsdirektion. Der alte Einstieg soll zudem zurückgebaut werden, damit er nicht mehr verwendet werden kann.

Noch hat der Gemeinderat das Bauvorhaben nicht bewilligt. Wegen des Wasserstands kann ohnehin nur in den Wintermonaten gebaut werden. Der neue Einstieg wird deshalb frühestens in einem Jahr benutzt werden können.

Bis es soweit ist, soll eine Sensibilisierungskampagne die Bevölkerung auf das Risiko hinweisen. Die Kampagne richte sich nicht nur an die Springer vom Schönausteg, sagt Rettenmund, sondern habe zum Ziel, die Sicherheit in und an der Aare allgemein zu erhöhen. Details werde die Stadt im Juni bekanntgeben.

Problem nur teilweise gelöst

Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Sektion der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) begrüsst die Massnahmen. Diese würden die Sicherheit beim Schönausteg wesentlich erhöhen. Er appelliert jedoch an die Aareschwimmer, grundsätzlich auf das Brückenspringen zu verzichten. Gerade am Schönausteg würden Springer nicht nur andere, sondern auch sich selber in Gefahr bringen: «Die Aare ist im Sommer schlicht zu wenig tief.»

Kritische Stimmen kommen aus dem Berner Stadtparlament. «Die Verlegung des Aare-Einstiegs entschärft zwar die Situation, löst aber das Problem nicht», sagt Stadtrat Peter Ammann (GLP). Die von weiter oben kommenden Schwimmer würden dadurch nicht besser geschützt. Es sei deshalb fraglich, ob sich die Investition in einen neuen Einstieg lohne. Amman setzt in erster Linie auf die Eigenverantwortung der Badenden. Allenfalls könnten bauliche Alternativen geprüft werden, zum Beispiel eine einseitige Einzäunung des Stegs, so dass man nur noch flussaufwärts in die Aare springen kann. «So sieht man wenigstens die entgegenkommenden Schwimmer.»

Ähnlich denkt Alexander Feuz (SVP), Präsident der Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS), die das Geschäft als erste Instanz behandeln wird. Ihm schwebt als Lösung des Sicherheitsproblems eine teilweise Einzäunung des Schönaustegs auf der Einstiegsseite vor.

Keine gute Idee, meint Bernhard Fleuti. Denn auf der anderen Seite sei das Wasser noch weniger tief und ein Sprung deshalb noch gefährlicher. Überhaupt sei es problematisch, mit baulichen Massnahmen das Springen von Brücken zu verhindern: «Netze und Gitter laden Wagemutige dazu ein, daran herumzuklettern. Das erhöht die Unfallgefahr, anstatt sie zu senken.»

Ein Sprungverbot als Lösung?

Ruth Raaflaub, Sportlehrerin am Gymnasium Kirchenfeld, fordert, das Springen vom Steg an stark frequentierten Tagen generell zu verbieten: «Nach dem Unfall vom letzten Sommer die Situation weiterhin dem Zufall zu überlassen, ist fahrlässig.» Die FDP-Lokalpolitikerin aus Muri-Gümligen kennt die Situation am Schönausteg bestens, denn die Sportanlage des Gymnasiums liegt in unmittelbarer Nähe. Sie schlägt vor, dass ein Sicherheitsdienst die Einhaltung des Verbots kontrollieren soll.

«Der Aufwand für die Durchsetzung eines solchen Verbots wäre sehr hoch», gibt Martina Rettenmund von der Sicherheitsdirektion zu bedenken. Sie weist darauf hin, dass die Zahl der Badeunfälle im Verhältnis zu den Massen von Menschen, die sich jedes Jahr in der Aare tummeln, sehr gering sei. Ein mit dem Unfall vom letzten Sommer vergleichbarer Fall sei ihr nicht bekannt. Auch sie appelliert an die Eigenverantwortung: «Letztlich müssen sich alle Aarebadenden bewusst sein, dass sie dies auf eigenes Risiko hin tun.»

DerBund.ch/Newsnet

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