Neu gestaltete Schützenmatte mit Parkanlage – ohne Wolkenkratzer

Zur Aufwertung der Schützenmatte haben Studenten aus ganz Europa zahlreiche Ideen ausgeheckt.

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Wenn es nach den Architektur-Studenten der Technischen Universität Berlin ginge, würde auf der Schützenmatte in Bern kein Wolkenkratzer gebaut. Diesen haben die Stadträte der FDP zur Aufwertung des Gebiets zwischen der Reitschule (die bestehen bleibt), Bollwerk und Lorrainebrücke in einem Vorstoss gefordert. Vielmehr sollen gemäss dem von den Studenten ausgearbeiteten Projektplan auf dem heutigen Parkplatz zwischen Eisenbahnbrücke und Bollwerk ein neues Kulturzentrum und ein Hotel entstehen. Die Studentengruppe wurde am Freitagabend für ihre Planung mit dem ersten Platz des Schindler Awards geehrt

Schützenmatte umgekrempelt

Doch die Uniabsolventen haben noch weit mehr geplant als ein Kulturzentrum und ein Hotel. Wo heute die Abstellgleise der Eisenbahn liegen, soll ein überirdischer und abgestufter Park mit Bibliothek und Parkhaus im Untergrund angelegt werden. Oberhalb des Parks sollen die Räumlichkeiten der Universität mit einem Anbau erweitert werden, eine Passerelle würde vom Park über die Neubrückstrasse südlich der Reitschule zum Hotel führen. Auch die Verkehrsführung haben die jungen Architekten aus Deutschland umgekrempelt: Die Schützenmattstrasse nördlich der Reitschule verschwindet gänzlich und macht Platz für mehr Wald, während die Neubrückstrasse ausgebaut und in beide Richtungen befahrbar werden soll. Und auch ein neuer Museumsbau auf der heutigen Drogenabgabestelle neben dem Kunstmuseum soll gebaut werden.

Bereits seit 2009 hätte der Gemeinderat eine Strategie zur Aufwertung des Gebiets bei der Reitschule entwerfen sollen. Dies fordert eine Motion der SP/Juso-Fraktion. Denn der zentral gelegene Ort in der Stadt wird nicht zuletzt wegen Reitschule, Parkplatz und nahe gelegener Drogenanlaufstelle in der Stadt von vielen als Unort empfunden. Laut Stadtpräsident Tschäppät sei man nun daran, die Vorgehensweise für die Aufwertung festzulegen. Im März soll sie dem Stadtrat präsentiert werden. Aus seiner Sicht ist die Aufwertung kein Spaziergang: «Die Schützenmatte ist heute ein Unort, und wir wollen sie aufwerten. Die Frage ist nur, wie das geschehen soll.» Vom Hochhaus bis zur gedeckten Allmend, die Ideen sind zahlreich. Das zeigt auch der Wettbewerb: Die Anzahl eingereichter Projekte war gross. Über 1600 Teilnehmende aus Europa bewarben sich mit über 100 Projekten.

Wichtiger Impuls für die Planung

Bei den Stadträten sorgt das Siegerprojekt des Schindler Awards vom linken bis ins rechte Lager für Erstaunen. Zwar bedauert Stadtrat Christoph Zimmerli (FDP), dass «ein Wolkenkratzer als Zeichen für den Aufbruch der Stadt» fehle. Dennoch hofft er, dass der Gemeinderat die Preisverleihung «zum Anlass nehmen wird, um einen Schritt vorwärtszumachen». «Wir warten mit Spannung darauf, was wir im Frühling als Vorlage vom Gemeinderat bekommen werden.» Stadträtin Stéphanie Penher (GB) hält das Siegerprojekt für eine «erfrischende Diskussionsgrundlage für einen partizipativen Planungsprozess». Es werde öffentliche Reaktionen darauf geben. Darauf sei sie gespannt. Und auch Stadtrat Simon Glauser (SVP) hofft, dass der Gemeinderat «die eine oder andere Idee aus dem Siegerprojekt nehmen kann». Es sei ein sehr mutiges Projekt. «Ich denke, der Gemeinderat könnte sich eine Scheibe davon abschneiden, damit er auch selbst mutiger ist.»

Keine Realisierung des Projekts

Umgesetzt wird das Siegerprojekt des Ideenwettbewerbs sicher nicht: «Wer glaubt, das Siegerprojekt sei eins zu eins umsetzbar, täuscht sich natürlich», erklärt Tschäppät. Wie Penher glaubt aber auch er, dass es ein wichtiger Impuls sei, der Denkanstösse gebe.

Der Bund

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