Nackenstarre in Ostermundigen

Die Pläne für das 100 Meter hohe Bären-Hochhaus in Ostermundigen werden konkret. Die vorliegende Überbauungsordnung ist bereits eng auf ein Architekturprojekt zugeschnitten.

Das Bären-Hochhaus wäre das höchste Gebäude in der Region Bärn.

Das Bären-Hochhaus wäre das höchste Gebäude in der Region Bärn. Bild: zvg

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Ostermundigen baut an seiner städtischen Zukunft. Die Überbauungsordnung zum Bären-Areal geht in die öffentliche Mitwirkung. Das dort geplante Hochhaus von 100 Meter Höhe wäre das höchste Gebäude in der Region Bern. Mit Ausnahme nur des Berner Münsters. Seine 101 Meter darf gemäss dem regionalen Hochhauskonzept kein Neubau überragen.

Geschäfte, Hotellerie, Wohnungen

Gestern haben der Ostermundiger Gemeindepräsident Christian Zahler (SP) und der Verwaltungsratspräsident der Bären AG und Bauherr Bernhard Marti zusammen mit den Burkhard-Meyer-Architekten an einer Medienkonferenz im «Noch»-Bären informiert. In der Überbauungsordnung wird vorgespurt für ein mehrteiliges Bauprojekt. Zwischen Bernstrasse, Schermenweg und Breiteweg soll ein schlankes Hochhaus mit breiterem Gebäudesockel sowie ein Dienstleistungsgebäude und ein öffentlicher Quartierplatz entstehen. Die Überbauungsordnung und die geplante Hochhausvariante sind sehr eng verknüpft.

Jetzt ist auch klar, welche Form das Hochhaus haben soll. Den Sockel bildet ein L-förmiger Hoteltrakt, dessen Erdgeschoss für Geschäfte und Gastronomie vorgesehen ist. Darauf folgen 17 Geschosse für Wohnungen. Zwischen den Wohnetagen und dem Hotelbereich werden Konferenzräume und auf fast 50 Meter Höhe eine Skybar mit Terrasse eingerichtet. Die dortige Aussicht wird nur noch von jener von den Appartments in den höheren Etagen übertroffen. Zwischen dem 16. und dem 32. Obergeschoss sollen sich pro Etage maximal fünf Wohnungen die 610 Quadratmeter Geschossfläche teilen.

Häuser müssen weichen

An der zentralen und exklusiven Wohnlage wird Ostermundigen zweifellos gut situierte Steuerzahler anziehen. Die Projektentwickler äugen dabei auf Einzel- und Zweier-Haushalte von Leuten, die städtisch und nah am öffentlichen Verkehr leben wollen. Dass solche Wohnungen ein Bedürfnis sind, bestätige der Blick in die Zürcher Agglomeration, wo derzeit die Hochhäuser wie Pilze spriessen. Gemeindepräsident Christian Zahler und Bauherr Bernhard Marti betonten gestern aber, dass das Bären-Areal ein Ort für alle werden soll. Als Schmelztiegel soll der Quartierplatz wirken, welcher zwischen der Bernstrasse und den Neubauten entsteht. In der Restauration und Hotellerie, dem benachbarten Dienstleistungsbau und den Geschäften im Erdgeschoss der Gebäude entstehen ausserdem zwischen 200 und 300 neue Arbeitsplätze. Die gemischte Nutzung werde das Ostermundiger Zentrum beleben, versichern die Projektverantwortlichen.

Erst kürzlich hat die Bären AG auch die dem Bären nach Norden angrenzende Parzelle erworben. Dort müssen mehrere zusammenhängende Häuser weichen. Der architektonische Vorteil liegt auf der Hand: Der tiefere Gebäudetrakt verbindet das Hochhaus mit dem angrenzenden Wohnquartier.

Bächtelenacker erreicht 53 Meter

Eine Alternative zum Hochhaus gebe es kaum, sagte Marti. Den «Bären» zu erhalten sei jedenfalls keine. Weder ökonomisch noch ökologisch mache der Bau noch Sinn. «Den schönen alten Bären gibt es so nicht mehr», sagte er. Keine Neuigkeiten gibt es bei der Suche nach Investoren. Man habe eine Liste mit Interessenten, für definitive Verhandlungen sei es aber noch zu früh, meinte Marti auf Nachfrage. Für die Drei- bis Vier-Sterne-Hotellerie muss neben einem Investor auch eine Marke angebunden werden.

Damit das Hochhaus dereinst tatsächlich in den Himmel wächst, muss das Parlament die Überbauungsordnung absegnen, dann das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung die Baubewilligung erteilen. Wird im Herbst 2014 gebaut, wäre das Hochhaus spätestens 2017 bezugsbereit. Das Tram käme frühstens 2018 nach Ostermundigen. Gemeindepräsident Zahler betonte zwar, dass das Bauen auf kleinerem Raum in der Gemeinde Unterstützung geniesse. Dennoch: Auf dem Waberer Bächtelenacker sorgen schon 53 Meter Bauhöhe für Widerstände. In Ostermundigen fiele die Nackenstarre gar doppelt so arg aus.

Die Unterlagen zur Überbauungsordnung können bei der Steuerverwaltung an der Bernstrasse 65d in Ostermundigen sowie auf www.ostermundigen.ch eingesehen werden. Die Frist für Stellungnahmen läuft am 11. Januar 2013 aus. (Der Bund)

Erstellt: 10.11.2012, 15:07 Uhr

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