Mit trockenen Füssen durch ein gigantisches Bassin

Wegen Revisionsarbeiten wurde das Wasserkraftwerk Felsenau vorübergehend trockengelegt. Ein Augenschein.

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«Vorsicht, automatischer Kraftwerksbetrieb. Kein Badebereich», steht auf dem Schild am Zaun des Wasserkraftwerks Felsenau. Die Stadt Bern verfügt über vier solcher Kraftwerke: das Kraftwerk Monbijou, das Flusskraftwerk Matte, das Dotierkraftwerk Engehalde und die Anlage bei der Felsenau. Zusammen produzieren die Werke knapp 10 GWh Strom pro Jahr. Das Felsenau-Werk produziert den Grossteil der gesamten Leistung. Bis gestern war die Anlage wegen der jährlichen Inspektionsarbeiten während acht Tagen stillgelegt. Erstmals wurde Medienschaffenden Zutritt in die trockengelegte Unterwasserwelt gewährt, bevor sie heute Abend wieder geflutet wird.

Ausgerüstet mit Gummistiefeln und Schutzhelmen betreten wir am Dienstagmorgen das leere Ausgleichsbecken. Wo sonst 18'000 Kubikmeter Wasser ruhen, kommt nichts als nackter Beton zum Vorschein. «Im Normalfall versorgt das Kraftwerk Felsenau mit rund 70 Millionen Kilowattstunden 15 555 Haushalte», sagt Andres Wäfler, Abteilungsleiter für Kraftwerke bei der EWB. Wie alle Anlagen werde auch diese einmal pro Jahr auf Herz und Nieren geprüft – mit Wartung, Kontrolle der Funktionstüchtigkeit und Eruierung von allfälligen Schäden. Während der Dauer dieser Arbeiten werden die Bezüger mit Strom aus anderen Kraftwerken mit EWB-Beteiligung versorgt.

Der Rundgang führt uns weiter zu einem eisernen Ungetüm mit Bullaugen – einer Balkenplastik, die sich normalerweise auf der Wasseroberfläche bewegt. Durch einen Eingang in der Beckenwand gelangen wir zum Druckstollen, dem Verbindungstrakt zwischen den Kraftwerken Felsenau und Engehalde. Drinnen ist es stockdunkel, es riecht modrig und schon bald stehen wir bis zu den Knöcheln im Wasser. Vor uns liegen 500 Meter Stollen, in der Ferne deutet Tageslicht auf die gegenüberliegenden Öffnung bei der Engehalde hin. Der Stollen werde nur alle zwei Jahre trockengelegt, dann gilt es laut Wäfler, Risse in der Wand und Löcher im Boden auszubessern. Gerade sind Fachleute damit beschäftigt, derartige Unebenheiten zu beheben. Schäden gebe es aber nur wenige: Viele Sedimente würden sich bereits im Thuner- und Brienzersee ablagern. Die Lage des Kraftwerks sei kein Zufall. So habe man 1909 – beim Bau des Kraftwerks – bewusst nach einem Standort gesucht, an welchem die Aare möglichst nah zusammenlaufe und gleichzeitig ein hohes Gefälle aufweise, um mehr Strom zu gewinnen.

Der Rundgang führt uns weiter in den Untergrund, zur Rohrturbine. Mithilfe eines Lochs in der Decke, einer Leiter und etwas Muskelkraft klettern wir in das Auslaufrohr. Dort, fünf Meter unter dem Aaregrund, finden wir uns direkt hinter dem rund vier Meter breiten Turbinenlaufrad wieder – mit 150 Umdrehungen pro Minute sorgt es seit 1989 für Licht in jedem vierzehnten Berner Haushalt. (Der Bund)

Erstellt: 03.06.2015, 07:57 Uhr

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