Mit «grosser Klappe» zur Schweizer Youtube-Pionierin

Die Bernerin Stefy Noire hat 20'000 Abonnenten auf Youtube – und ist damit eine Vorreiterin.

Hobby Youtube-Video: Stefy Noire.

Hobby Youtube-Video: Stefy Noire. Bild: Adrian Moser

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Stefy Noire – das ist natürlich ein Pseudonym. Eigentlich heisst die junge Frau mit der grossen Brille und den violetten Haarspitzen anders. Ihren ganzen Namen möchte sie aber nicht in der Zeitung lesen. Es ist nicht so, dass sich Noire verstecken würde – im Gegenteil. Gerade deshalb besteht sie auf diesem letzten Schutz.

Die Bernerin Noire ist «Youtuberin». Sie setzt sich also – meist in ihrem Schlafzimmer – vor die Kamera und referiert über ein Thema, das sie beschäftigt. Die aktuellsten Videos handeln von ihrem Umgang mit Zukunftsängsten, von ihrem Studium, sie beschreiben «Acht Arten von crazy People» oder heissen «Liebe & Egoismus – Alles aufgeben für die Liebe?». Das Video lädt sie dann auf ihren Kanal «Cielle Noire» auf der Internetplattform Youtube, auf der sie kürzlich die 20'000er-Grenze an Abonnenten überschritten hat.

Unerwünschter Besuch

«Mein richtiger Name ist eines von den wenigen Dingen, die ich bis jetzt niemals verraten habe», sagt Noire. Dafür hat sie Gründe: «Auch so ist es schon vorgekommen, dass jemand vor meiner Haustüre stand.» Und auch die anonymen Kommentarspalten im Internet – Youtube ist da keine Ausnahme – sind keine Wohlfühlzone. Persönliche Angriffe, perverse Sprüche – «das tut schon weh».

Hinzu kommt, dass die Welt der Youtube-Videos zumindest im deutschsprachigen Raum eine Männerwelt ist. Doch auch unter den weiblichen Videoproduzenten ist Noire mit ihren Themen eine Ausnahme. Viele Frauen konzentrieren sich auf Schönheitstipps. Noire hingegen meidet solche Ansätze: «Ich ärgere mich über diese perfekte Glamour-Welt, die hier einige darstellen», sagt sie. Dafür ist sie begeistert von Videospielen. Auch das ist eine Szene, in der Frauen noch einen schweren Stand haben. «Doch wir kämpfen uns rein», sagt Noire.

Mit der Zeit lerne man, über negative Kommentare hinwegzulesen. Dabei hilft es auch, dass für Noire klar ist: «Die Youtuberin, das bin nicht ich, das ist eine Rolle.» Die Kritik kommt von Menschen, die sie nicht kennen, und trifft eine Figur, die sie kreiert hat. «Auch wenn es zwischen der Youtuberin und mir natürlich schon Übereinstimmungen gibt.» Doch sei Stefy Noire zum Beispiel aufgedrehter als die echte Stefy – «das ist einfach unterhaltsamer».

Warum aber exponiert sie sich trotz all den Unannehmlichkeiten auf diese Art? «Ich hatte schon immer eine grosse Klappe», sagt Noire, «und es macht Spass, ich kann kreativ sein.» Begonnen hat sie mit den Videos vor fast zweieinhalb Jahren. Die Idee, einen eigenen Blog zu führen, hatte sie schon im Hinterkopf, als sie auf das Format der Video-Blogs stiess.

«Ich habe es einfach ausprobiert und mir gesagt: ‹Ich habe ja nichts zu verlieren.›» Und aus ihrem persönlichen Umfeld erhält sie vorwiegend positive Reaktionen. «Es braucht Mut, seine Videos ins Internet zu stellen, viele bewundern das.» Auch ihre Eltern unterstützten sie. Das sei immer so gewesen: «Ich bin als Einzelkind aufgewachsen, meine Eltern haben mir eigentlich nie etwas verboten.»

Ihre Videos macht Noire auf Schriftdeutsch, «in Dialekt wäre die Zielgruppe viel zu klein». Trotzdem kommt etwa die Hälfte ihrer Abonnenten aus der Schweiz. Viele ihrer Zuschauer sind jünger als die 25-Jährige, zwischen 12 und 17, wie sie schätzt. Für diese sind ihre ­Videos auch eine Art Lebensberatung, etwa in Beziehungsfragen.

Sie fühlt sich wohl in dieser Vorbildrolle: «Ich mag es, Menschen zu helfen.» Doch auch ihr selbst kommt das Videomachen zugute. «In einem Kurs an der Uni zu Kommunikation mit Videoauftritten kam auch schon der Kommentar: ‹Du machst das wie eine Youtuberin.›» Zudem ermögliche ihr Youtube, sich immer wieder neu kennen zu lernen und Dinge auszuprobieren. Auch die violetten Haarspitzen sind das Resultat eines Youtube-Experiments.

In die Zukunft mit Youtube

Für immer Youtuberin? Für Noire ist das keine Option. Seit letztem Herbst studiert sie an der Fachhochschule in Luzern Business Administration. «Youtube ist für mich ganz klar ein Hobby. Richtig Geld verdienen damit nur die Wenigsten.» Noire bezeichnet ihre Einnahmen als «minimal» – und in ihrer Familie seien Sicherheit und ein guter Job immer wichtig gewesen.

Dennoch: Die Youtube-Erfahrung könnte auch ihren beruflichen Weg prägen. Noire überlegt sich, ihr Studium in Richtung Marketing zu vertiefen. «Später kann ich vielleicht mal Firmen beraten, wie sie sich auf Youtube positionieren können.» (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2015, 09:43 Uhr

Youtube-Kanal

Stefy Noire auf Youtube: www.Youtube.com/user/ciellenoire1

Video

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Youtube-Stars

«Die Schweiz hinkt hinterher»

Im deutschen Sprachraum ist Stefy Noire als Youtuberin in bester Gesellschaft, in der Schweiz aber eine Pionierin. Deutsche Youtuber wie LeFloid, Simon Unge, aber auch PewDiePie aus Schweden oder die Comedy-Truppe «YTitty» sind die Stars der Szene.

Ihre Abo-Zahlen gehen in die Millionen, die Klicks für ihre Videos auch. Die Youtuber richten sich an ein junges Publikum und laufen damit dem Fernsehen den Rang ab. Dank Partnerschaften mit Youtube und Firmen, deren Produkte sie in ihren Videos präsentieren, können die Stars von ihren Videos leben. Genaue Zahlen gibt es nicht, die Rede ist von einem Euro pro 1000 Klicks, der an die Videoproduzenten geht.

Die Szene hat eine Professionalisierung hinter sich. Vermarktungsnetzwerke unterstützen und vernetzen die Produzenten, stellen Aufnahmestudios zur Verfügung und bieten Schulungen oder rechtliche Beratung an.

Die Aktivitäten in der Schweiz schätzt Noire als klein ein, sie konzentrierten sich vorwiegend auf den Beauty-Bereich. «Die Schweiz hinkt hier mindestens fünf Jahre hinterher.» Doch gerade bei den Jüngeren sei das Produzieren von Youtube-Videos sehr beliebt, im «Untergrund» bilde sich eine Szene, ist Noire überzeugt.

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