Mit Wein und WM dem Regen getrotzt

Die erste Woche der Schulferien war verregnet. Auf dem Campingplatz Eichholz trifft man auf tapfere Touristen aus Südkorea, eine Abenteurerfamilie aus Liechtenstein und Geniesser aus dem Berner Oberland.

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Der Dauerregen und die tiefen Temperaturen in den letzten Tagen haben die Wiese des Campings Eichholz fast leergefegt. Vereinzelt ducken sich noch Zelte unter den Bäumen, deren Äste, schwer vom Wasser, herabhängen.

Ein Igluzelt, das etwas mitgenommen aussieht, ist im Abbau. Vier junge Reisende aus Südkorea laden Rucksäcke, Matten und Kisten ins Auto. Jong-hoon Jang blickt zum grauen Himmel. «Wir geben auf», sagt der 31-Jährige. Die letzten Tage hätten sie es sich zwar im Zelt mit Essen und Wein gemütlich gemacht und auch den nahen Tierpark Dählhölzli besucht. Doch das Zelt, ein Militärzelt der Schweizer Armee, das sie einem Bekannten abgekauft hätten, habe dem Wasser nicht immer standgehalten. Der anschwellende Fluss neben dem Camping wirke auch nicht gerade beruhigend. «Ich werde», sagt Jang trotzdem gut gelaunt, «nächstes Mal die Wetterprognosen studieren.» Die seien in der Schweiz offenbar sehr präzis. Die Nachbarn auf dem Zeltplatz, die früher abreisten, hätten sie nämlich noch vor dem schlechten Wetter gewarnt. Nun setzen sie ihre ­Europareise früher fort und hoffen, dass die Sonne scheint, wenn sie in Interlaken aufs Jungfraujoch fahren.

Halb so viele Reservationen

Deutlich weniger Reservationen und einige vorzeitige Abreisen: Diese Bilanz zieht Beat Müller, Anlagechef des Campings Eichholz, nach der verregneten ersten Schulferienwoche. Seit Anfang Woche gab es 120 bis 150 Übernachtungen pro Tag. Laut Müller sind das halb so viele wie der Durchschnitt, der im Sommer bei 250 bis 300 Übernachtungen liegt. «Allerdings spüren wir die Einbussen hauptsächlich bei den Zelten.» Die Wohnungen und Wohnwagenplätze seien «wie immer» ausgebucht. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Zahlen für den Zeitraum seit der Eröffnung mit 600 Übernachtungen sogar besser. Auch komme es auf die Ferienwoche an. «In der Hochsaison in den zwei letzten Juliwochen und zwei ersten Augustwochen wäre ein solches Wetterpech schlimmer.» Während des Gurtenfestivals wiederum sei Regen positiv für den Zeltplatz: «Dann ist es hier gemütlicher als auf dem Berg.» Andere Gäste wie Iren und Engländer fühlten sich bei dem Wetter ohnehin «heimisch» und kämen trotzdem.

Mit dem Regen arrangiert

Markus und Therese Aeschlimann aus Goldswil bei Interlaken, die gerade angekommen sind, stört der Regen auch nicht. Sie freuen sich auf die kurze Auszeit, wie sie sagen, bis am Sonntag wollen sie bleiben. «Wir sind zum dritten Mal auf dem Camping Eichholz», so Markus Aeschlimann (49). Sie kämen zwar vor allem wegen der Aare, aber das Schlechtwetterprogramm würden sie genauso geniessen. «Wellnessen, Paul-Klee-Zentrum, einkaufen, essen gehen . . . Für alle Ideen haben wir fast zu wenig Zeit», sagt Therese Aeschlimann (52).

Mit dem Regen arrangiert hat sich auch die sechsköpfige Familie vis-à-vis, in Regenjacken und Faserpelze eingemummelt. «Mit unserem Vorzelt und dem Tumbler, den es auf dem Camping gibt, überlebt man das trübe Wetter gut», sagt Gerhard Müller-Scheibelhofer (49).

Test für Kanada-Reise

Drei Wochen sind sie auf Campingplätzen in der Schweiz unterwegs. «Wir machen quasi einen Wohnwagentauglichkeitstest», so Müller-Scheibelhofer. Für nächstes Jahr planen sie eine längere Reise in Kanada. Wenn es in ihrem Campingwagen, der für vier Leute gedacht ist, zu eng wurde, machten sie Ausflüge ins Naturhistorische Museum in Bern und auf die Blüemlisalp. War es den Kindern nie langweilig? Kilian (12) schüttelt den Kopf. Sie seien ausgerüstet mit Spielen. Am Abend sei dann die Fussballweltmeisterschaft auf dem Programm gestanden. Im Restaurant des Zeltplatzes werden die Partien gezeigt.

Allein im Schwimmbecken

So trotzen die Gäste, die nicht abgereist sind, dem Regen oder können ihm gar Gutes abgewinnen. Einer, den das ­Hudelwetter erst recht nach draussen zieht, ist weiter flussabwärts im Marzili anzutreffen. Der 29-jährige Moritz Lang steht am Rand des Schwimmbeckens und will gerade ins Wasser springen. «Ich komme nur bei Regen oder Gewitter hierher», sagt er. Dann sei das Bad «schön einsam».

Der Bund

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