Mit Uhus hält man Krähen fern

Lange schien es unmöglich, der Krähenplage im Norden von Bern Herr zu werden. Nun sind Hampel-Uhus aus Deutschland ein Erfolg: Anwohner müssen dabei an einer Schnur ziehen, damit sich die Flügel bewegen.

Platik-Uhus vertreiben Krähen.

Platik-Uhus vertreiben Krähen.

(Bild: Manu Friedrich)

Es ist der alte Kampf, abgebildet im Kleinen: Mensch gegen Natur, Bern-Nord gegen Saatkrähen. Bis vor kurzem sind alle Mittel, die gegen die Krähenplage eingesetzt wurden, fehlgeschlagen. Nun zeigen Plastik-Uhus, die im Februar an drei Standorten installiert wurden, offenbar Wirkung.

Gemeinsam gegen Krähen

Die 50 Zentimeter grossen Plastiktiere haben bewegliche Flügel, die mit einer Schnur gesteuert werden können. Durch das Flügelschlagen sollen die Krähen aufgeschreckt und daran gehindert werden, Nester zu bauen. Wie Urs Frieden, der selbst an einem der Standorte an der Tellstrasse wohnt, im Onlinemagazin «Journal B» schreibt, scheinen die Abschreckmassnahmen zu funktionieren. Um der Krähenplage Herr zu werden, hat sich eine Gruppe von rund sechs Anwohnern in Sichtnähe der Baumreihe zusammengetan. «Jedes Mal, wenn sich Krähen in den Bäumen niederliessen, hat jemand an der Schnur gezogen», sagt Frieden.

Besonders gefordert waren die Anwohner in den Morgen- und Abendstunden, wenn sich die Krähen sammeln, um auf die Felder zu fliegen und zu fressen, und dann wieder zurückkommen. In den Quartieren machten sie dann halt zwischen ihrem Schlafplatz im Dählhölzliwald und den Feldern in der Agglomeration. Frieden stören nicht nur der Lärm und der Dreck, den die Vögel verursachen: «Die Krähen verdrängen auch andere Singvögel», sagt er. Für ihn ist die Bilanz mit den Uhus daher durchwegs positiv: Früher habe es auf dem Abschnitt zwischen Sempach- und Rodtmattstrasse ungefähr 20 Nester gegeben, jetzt sei dort nur ein einziges, sagt er. Nun hätten die Krähen ihre Nester anderswo gebaut und sich niedergelassen, der Uhu habe sich also bewährt. Beim Kampf gegen die Krähen habe man sich zudem auch innerhalb des Quartiers besser kennen gelernt. «Das ist wirklich ein Erfolg.»

«Diese Vögel gehören uns nicht»

Sabine Tschäppeler, Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie der Stadt, ist mit Erfolgsprognosen noch zurückhaltender. Ob man mit den Uhus tatsächlich das Rezept gegen die Krähenplage gefunden hat, kann sie noch nicht abschliessend sagen. Mitte April will Stadtgrün Bern eine detaillierte Auswertung machen. Dabei werden die Krähennester gezählt und mit den von Anwohnern ausgefüllten Protokollen verglichen. Eigentlich sei die Stadt nicht für die Krähen verantwortlich: «Diese Vögel gehören nicht uns», stellt Tschäppeler klar.

Aber seit die Saatkrähe nicht mehr geschützt sei, könnten die Leute selbst handeln, wenn sie nachweislich einen Schaden durch die Vögel erlitten. Weil es in der Stadt nicht vertretbar sei, Krähen zu schiessen, habe man etwas gesucht, das man den Anwohnern gegen die Lärmbelastung anbieten könne. Deren Engagement ist entscheidend: «Es ist wichtig, dass sich die Uhus bewegen, sonst gewöhnen sich die Krähen daran, wie sie sich auch an alle anderen Massnahmen gewöhnten», sagt Tschäppeler. Der Uhu sei einer der Raubvögel, die den Krähen gefährlich werden können. «Das ist genetisch fixiert. Die Krähen müssen also noch nie einen Uhu gesehen haben, dass sie fliehen.»

Plexiglas und Laserpointer

Angefangen hat alles 1988, als sich ein erstes Krähenpaar in Bern niederliess. Zehn Jahre später gab es bereits über 200 Brutpaare, da habe man versuchsweise Nester von den Bäumen entfernt, sagt Tschäppeler. Das sei aber nutzlos gewesen. 2002 startete man einen neuen Versuch: Die Nester wurden mit Plexiglashauben abgedeckt. Daraufhin hätten die Krähen von unten ein Loch ins Nest gepickt und sich mit dem Plexiglasdach vor Nässe schützen können.

2005 hat man die Vögel mit Scheinwerfer und Laserpointer zu vertreiben versucht. «Das hat etwa einen Tag gewirkt, dann haben sie sich daran gewöhnt», sagt Tschäppeler. «Sie sind wahnsinnig clever.» Die letzte Zählung ergab über 750 Brutpaare in Bern. Der Grund dafür, dass die Saatkrähe, die ihre Nahrung eigentlich auf den Feldern findet, in der Stadt nistet, seien wohl die vielen frei stehenden Bäume, sagt Tschäppeler. Da die Vögel hier keine Raubtiere vermuten, scheint zudem der Bruterfolg relativ sicher.

Uhus kommen aus Deutschland

Das Krähenproblem gibt es nicht nur in der Schweiz. So stammen die Plastik-Uhus zum Beispiel aus Deutschland, wo es ganze Firmen gibt, die sich darauf spezialisieren, Krähen abzuwehren. Dort hat man mit den Uhus unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wie Tschäppeler sagt. «Niemand hat eine perfekte Lösung.» Sie hält es für sehr wichtig, dass die Uhus sachgerecht bedient würden. «Wenn nicht, gewöhnen sich die Krähen daran. Dann haben wir wieder gar nichts mehr, das wirkt.»

Der Bund

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