Meinen-Überbauung mit Wohnturm

200 Wohnungen sollen auf dem Areal der Meinen-Metzgerei entstehen und dem Mattenhofquartier einen Entwicklungsschub bringen. Die Quartierorganisation zeigt sich aber wenig begeistert vom Siegerprojekt.

Die Überbauung verändert den Charakter des Mattenhofquartiers: Anstelle des Meinen-Verkaufladens erhebt sich der Wohnturm, rechts die Denner-Filiale.

Die Überbauung verändert den Charakter des Mattenhofquartiers: Anstelle des Meinen-Verkaufladens erhebt sich der Wohnturm, rechts die Denner-Filiale. Bild: zvg

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Für das rote Kult-Säuli, Signet der Berner Grossmetzgerei Meinen im Mattenhofquartier, schlägt bald das letzte Stündlein. Die Planer haben gestern das Siegerprojekt für die Überbauung des Meinen-Areals präsentiert: Rund 200 Wohnungen sollen im Gebiet an der Schwarztorstrasse/Brunnmattstrasse entstehen. Darüber hinaus sind auf 3'000 Quadratmetern neben Büros und Praxen auch kleinere Läden und Cafés vorgesehen.

Die Personalvorsorgestiftung PAT BVG investiert rund 100 Millionen Franken in das Projekt der GWJ Architektur. PAT hat das Meinen-Areal vor vier Jahren gekauft. Da eine Parzelle an der Schwarztorstrasse noch nicht erworben werden konnte, wird das Projekt in Etappen gebaut.

Wenig Platz für Familien

Die Siedlung ist nicht auf Familien ausgerichtet: 80 Prozent der Wohnungen sollen laut aktuellen Planungen eine Grösse von 2,5 bis 3,5 Zimmer aufweisen. Die Mietzinse werden sich laut Walter Nellen, Vertreter der Bauherrschaft PAT, im mittleren, quartierüblichen Preissegment bewegen.

Ein Drittel der Wohnungen muss allerdings nach Annahme der Stadtberner Volksinitiative «für bezahlbare Wohnungen» im Mai 2014 für günstige Appartements reserviert sein – allerdings sind noch Einsprachen gegen die Initiative hängig.

Keine Hochhäuser geplant

Die Stadt will mit dem Projekt hoch hinaus: «Leuchtturm» der Überbauung ist ein neunstöckiger Wohnturm. Die bestehenden Gebäude im Mattenhofquartier sind meist drei- bis vierstöckig. «Wir bauen mit dem Projekt einen Stadtteil um», sagt Stadtplaner Mark Werren. Den engen Austausch zwischen Bauherr, Jury, Stadt, Planungsbüros und der Quartierkommission ist für Werren ein «mustergültiges Beispiel», wie verdichtetes Bauen im urbanen Raum angegangen werden kann.

Die Planer haben während der Studie auch Hochhäuser auf dem Meinen-Areal geprüft – und wegen des grossen Schattenwurfs wieder verworfen. Vielmehr soll das Siegerprojekt für die Bevölkerung zugängliche Grün- und Freiräume zwischen den Gebäuden schaffen. Für mehr Grün sorgen sollen zudem neue Baumreihen an der Schwarztor- und Brunnmattstrasse.

Volksabstimmung nötig

Läuft alles nach Plan, erfolgt der Baustart für die Überbauung des Meinen-Areals im Herbst 2016. Die ersten Mieter könnten 2020 einziehen. Das Berner Stimmvolk muss das Projekt allerdings noch genehmigen und einer Umzonung des Gebietes zustimmen.

Abgesehen davon rechnet Walter Nellen nicht mit grösseren Stolpersteinen. Man habe die Anliegen des Quartiers bei der Planung ernst genommen und die Bevölkerung in das Projekt einbezogen. So sei etwa der Wunsch geäussert worden, dass neue Cafés entstehen sollen.

Daniel Imthurn, GLP-Stadtrat und Co-Präsident der Quartierorganisation QM3, ist mit dem Siegerprojekt allerdings nicht zufrieden. «Der Wohnungsanteil ist zu tief.» Zudem sei der geplante Quartierplatz sehr klein geraten. Dies sei eine vergebene Chance.

Gemeinsam mit der Quartierkommission will er sich nun dafür einsetzen, dass diese Anliegen im definitiven Bauprojekt Platz finden. «Das Siegerprojekt wird noch weiterentwickelt», betonte der Juryvorsitzende Michael Koch.

Ein Blick auf die Visualisierungen zeigen: Der moderne Neubau wird den Charakter des Mattenhofs so oder so nachhaltig verändern. «Das gibt einen weiteren Entwicklungsschub im Quartier», glaubt auch Stadtplaner Werren. Die Projekte sind vom 27. 1 bis 6. 2 jeweils von 8–18 Uhr im Foyer des Kirchgemeindehauses Steigerhubel ausgestellt. (Der Bund)

Erstellt: 27.01.2015, 07:35 Uhr

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