Mehr Parkplätze für Mobility?

Der GFL-Stadtrat Daniel Klauser will blaue Zonen in Mobility-Parkplätze umwandeln. Die Zustimmung reicht bis ins bürgerliche Lager.

Der Initiant der interfraktionellen Motion für mehr Carsharing-Parkplätze ist Präsident der Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS)im Stadtrat Bern.

Der Initiant der interfraktionellen Motion für mehr Carsharing-Parkplätze ist Präsident der Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS)im Stadtrat Bern. Bild: Franziska Scheidegger

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Eine interfraktionelle Motion vom 24. Mai dieses Jahres will, dass der Berner Gemeinderat mit der Genossenschaft Mobility den Bedarf an Carsharing-Stützpunkten überprüft. Gegebenenfalls sollen dem Unternehmen über Sondernutzungskonzessionen Parkplätze auf öffentlichem Grund zur Verfügung gestellt werden. Die Motion trachtet aber nicht nach neuen Parkplätzen. Bestehende, zum Beispiel in der blauen Zone, würden einfach umfunktioniert. Initiant des Vorstosses ist der Präsident der Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS), Daniel Klauser.

Klausers Antrieb

Erstens seien die bestehenden Mobility-Standorte teilweise versteckt und zweitens sei das Angebot verbesserungsfähig, begründet der Initiant seinen Antrieb. Weil er «die Nähe zum Kunden» für den «zentralen Faktor» beim Carsharing-Konzept hält, wünscht er sich mehr und vor allem «gut sichtbare Stützpunkte an zentralen Quartierlagen».

Per Ende 2011 zählte Mobility in der Stadt Bern gut 140 Fahrzeuge, verteilt auf rund 60 Standorte. «Beide Zahlen sind höher als noch vor zwei Jahren, weil die Kundschaft kontinuierlich zugenommen hat», bestätigt Adamo Bonorva, Bereichsleiter Mobility Carsharing Schweiz, die steigende Nachfrage.

Laut Bonorva bevorzugt Mobility «zentrale Lagen mit einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr». Bei der Auswahl geeigneter Standorte sei aber auch die Sichtbarkeit wichtig. Deshalb ziehe Mobility die offenen Parkplätze den Parkhäusern vor und würde Verhandlungen im Sinne der Motion sehr begrüssen.

Heterogene Befürworterschaft

Die Fraktionen von GFL/EVP, SP/Juso und GB/JA! stehen grossmehrheitlich hinter der Motion. Daneben gehören sieben bürgerliche Stadträte aus den Reihen von BDP und CVP zu den 48 Unterzeichnenden. Die Motionäre argumentieren mit der städtischen Energiestrategie 2006 bis 2015, die den motorisierten Individualverkehr um 10 Prozent reduzieren soll, und sie verweisen auf die Beispiele St. Gallen, Basel und Köniz.

Die Stadt St. Gallen hat Mobility 2009 eine auf drei Jahre befristete Konzession für die Nutzung von öffentlichem Boden erteilt. Im Raum Bern hat die Gemeinde Köniz dieses Modell für zwei zusätzliche Parkplätze übernommen. Und auch die Stadt Basel wird künftig mehr Raum für das Carsharing schaffen.

Dass Autoparkplätze den motorisierten Individualverkehr vermindern sollen, erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Deshalb betont die Motion, dass es beim Carsharing um den bewussten Verzicht auf ein eigenes Fahrzeug gehe. «Dank Mobility verkehren in der Schweiz rund 18'000 Autos weniger», schreibt Klauser und bezieht sich dabei auf eine Studie des Bundesamts für Energie (BFE) aus dem Jahr 2009.

SVP und FDP dagegen

Gar keine Freude am Umfunktionieren von Parkplätzen in den blauen Zonen haben FDP und SVP. Sie sehen die Rechtsgleichheit im öffentlichen Raum gefährdet. Die Genossenschaft Mobility würde gegenüber anderen Unternehmen und der Mobility-Fahrer gegenüber anderen Automobilisten bevorzugt, so der Tenor aus den beiden Lagern.

Selbst wenn Mobility die Nutzung im Umfang einer Jahresparkkarte berappen müsste, würde dies nichts an der Rechtsungleichheit ändern, sagt Roland Jakob, Fraktionschef der SVP plus. Für ihn ist das Ganze eine Grundsatzfrage. Es gehe nicht an, dass Mobility-Mitglieder in den blauen Zonen einen garantierten Parkplatz hätten, während alle anderen zehn Mal um den Block fahren müssten.

Ins gleiche Horn stösst Mario Imhof (FDP), der Vizepräsident der Kommission PVS: «Im öffentlichen Raum sollen für alle dieselben Rechte gelten, schliesslich muss ich auch warten, wenn in der blauen Zone gerade nichts frei ist.»

«Kein Argument für Sondernutzungskonzessionen»

Jakob wie Imhof sehen die Mobility-Fahrzeuge in den Parkhäusern der Stadt und in privaten Garagen gut untergebracht. Dort hat Mobility aber ein Problem: «Die Bordcomputer können die Reservationen per SMS schlechter empfangen», erklärt Adamo Bonorva.

Offene Parkplätze seien deshalb auch aus technischer Perspektive besser geeignet. «Technische Probleme sind lösbar und kein Argument für Sondernutzungskonzessionen im öffentlichen Raum», sagt Imhof dazu. (Der Bund)

Erstellt: 13.08.2012, 10:00 Uhr

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