Luxuswohnungen statt Hallenbad?

Laut dem Architekturforum Bern sind im Hallenbad «Mubeeri» Wohnungen im Luxussegment geplant. Nun gibt es Widerstand.

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Da hatte Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross zweifellos recht: «Es braucht eine politische Diskussion, ob wir noch ein City-Hallenbad wollen oder nicht», sagte er einst gegenüber dem «Bund». Die politische Diskussion soll fortan nicht mehr «nur» im Stadtrat, sondern auch in Fachkreisen und in der Bevölkerung geführt werden.

Für den 18. September lädt das Architekturforum Bern zu einer Veranstaltung unter dem Titel «Hallenbad Mubeeri vor dem Abriss?» ins Hallenbad Hirschengraben ein, sagt der Architekturfotograf Alexander Gempeler auf Anfrage. Gemäss Einladung soll das denkmalgeschützte Bad «Wohnungen im Luxussegment» weichen.

Zentrumsnähe als Argument

Als Gastreferentin ist unter anderem die Zürcher Architektin Ursina Fausch eingeladen. Sie war massgeblich an der Sanierung des Zürcher City-Hallenbades beteiligt, das aus derselben Epoche stammt wie das «Mubeeri». Der Anlass erfolgt im Rahmen des Architekturforums und ist öffentlich. Er wird in Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Bern des Schweizer Werkbundes (SWB) organisiert. Zusätzlich zum Anlass soll bald eine Unterschriftensammlung für den Erhalt des Bades lanciert werden, sagt Verena Berger, Co-Präsidentin der SWB-Ortsgruppe Bern und einstige Könizer Gemeinderätin. «Das Hallenbad Hirschengraben hat auch eine regionale Bedeutung.» Unter den jährlich 130 000 Besuchern gebe es viele Nutzer aus der Region, die das Bad aufgrund der Zentrumsnähe und der guten Erreichbarkeit aufsuchen würden, sagt Berger.

SP-Stadträtin Vollmer schert aus

Als «politischer Arm» der Architekten fungiert SP-Stadträtin Gisela Vollmer. Dies ist insofern pikant, als sich SP-Fraktionschefin Annette Lehmann im Stadtrat zuletzt gegen einen FDP-Vorstoss für den Verkauf des «Mubeeri» an Private zwecks Sanierung ausgesprochen hatte. Lehmann ging es vor allem darum, das Sport- und Bewegungskonzept von SP-Gemeinderätin Edith Olibet möglichst unangetastet zu lassen. Das Ende 2010 präsentierte Konzept sah die Schliessung von «Mubeeri» und Ka-We-De vor, weil deren Sanierung 36 beziehungsweise 24 Millionen Franken kosten würde.

Anstelle einer Renovation der beiden Bäder ist der Bau eines 50-Meter-Beckens auf dem Gaswerkareal oder dem Veloparkplatz neben dem Haupteingang des Freibades Marzili vorgesehen. «Gegen dieses Projekt wird das Marziliquartier Sturm laufen», sagt Vollmer. In einem Quartier, das durch den öffentlichen Verkehr nur schlecht erschlossen sei, bringe der Bau einer solchen Anlage mit Mantelnutzung ein inakzeptables Mass an Mehrverkehr mit sich, sagt Vollmer.

Der Ball liegt beim Gemeinderat

Für die Stadt wäre der Neubau eines 50-Meter-Beckens und die Sanierung des «Mubeeri» wohl zu teuer. «Dazu wäre eine dreistelliger Millionenbetrag nötig», hielt der Sportanlagen-Experte Martin Strupler in einer «Bund»-Tribüne in diesem Frühjahr fest. Für SP-Stadträtin Vollmer sind die einst vom Sportamt bekannt gegeben Sanierungskosten für das Hallenbad Hirschengraben in der Höhe von 36 Millionen Franken aber «nicht belegt». Dem Gemeinderat gehe es vielmehr darum, das Bad in Luxuswohnungen umzubauen, sagt Vollmer.

Bei den Berner Stadtbauten ist ein Umbau des Bades in Wohnungen aber nach wie vor bloss eine von mehreren Optionen. «Die Szenarien, die wir prüfen, reichen von der Sanierung des Hallenbades bis zum Neubau oder einer Umnutzung», sagt Stabe-Sprecherin Nina Susedka. Diese würden dem Gemeinderat «zu gegebener Zeit» präsentiert. Insbesondere sei die Planung zu einer allfälligen Umnutzung des Bades nicht weitergediehen. «Über die zukünftige Nutzung des Bades ist somit noch keine Entscheidung getroffen worden», hält Susedka fest. (Der Bund)

Erstellt: 25.07.2012, 06:46 Uhr

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