Lorraine-Bewohner demonstrieren gegen teure Wohnungen

Gegen 150 Bewohner des Berner Lorraine-Quartiers zogen am Donnerstag durch die Strassen, um für mehr günstigen Wohnraum zu demonstrieren.

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Musik dröhnt aus der Anlage auf zwei Rädern, Transparente werden ausgerollt. «Das Quartier steht zusammen gegen Gentrifizierung» – «Genug Yuppies hier! Wohnraum für alle», steht darauf. Seifenblasen schweben über den Köpfen der rund 150 jungen Erwachsenen, Eltern mit Kindern und älteren Quartierbewohnern, die sich am Donnerstag um 17.30 Uhr am Lagerweg im Berner Lorraine-Quartier versammelt haben.

Mit einem Marsch durchs Quartier und bis zum Rathaus wollen sie ihrem Ärger über den Entscheid des Regierungsstatthalters Christoph Lerch Ausdruck verleihen. Der Beschluss von Ende Oktober stützt eine Beschwerde der städtischen FDP und legt nahe, zum ursprünglich angedachten «Baumzimmer»-Projekt zurückzukehren, wonach im Quartier 13 «Luxuswohnungen» für 8,8 Millionen Franken gebaut werden sollen.

«Ein Affront gegenüber dem Quartier»

Der Entscheid von Lerch sei ein „Affront gegenüber dem Quartier», sagt Martin Bracher, ein Bewohner des Quartiers. «Hier gehört günstiger Wohnraum hin.» Das «Baumzimmer»-Projekt sei ohnehin zu einem Witz verkommen, nachdem der Stadtrat eine Projektänderung eingab und die ursprünglich geplanten ellipsenförmigen Balkone aus dem Konzept strich. Das Projekt müsse von Grund auf neu angedacht werden, forderte Bracher.

Auch David Böhner, Mitgründer des Nachbarschaftskomitees Lorraine, der zur Demonstration geladen hatte, versteht nicht, «wie ein Rot-Grün dominierter Gemeinderat so am Volk vorbeipolitisieren kann. Er soll den Entscheid anfechten», sagt er. Das Quartier verliere immer mehr Häuser an neue Besitzer, welche die Mieten verteuerten und Leute mit weniger Einkommen verdrängten.

3,5 Zimmer für 2970 Franken

Gegen 18 Uhr setzt sich die Menschenschar in Bewegung, bleibt vor verschiedenen Liegenschaften stehen. Etwa vor dem Eckhaus zwischen Schulweg und Lorrainestrasse. «Dort, wo jetzt ein schönes Büro eingemietet ist, war früher die Sandwichbar, ein Treffpunkt im Quartier», sagt eine Frau durchs Mikrofon. Wenig später hält der Zug vor der Lorrainestrasse 8. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung koste mittlerweile 2970 Franken Miete monatlich. «Wir haben hier also nichts mehr verloren. Dagegen wehren wir uns», sagt jemand.

Der Spruch erntet Applaus, ehe man zum Rathaus zieht, um die Anliegen auch noch den Stadtpolitikern und Gemeinderäten vorzutragen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2014, 20:02 Uhr

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