Kurz frottiert: Lieber in der Manege als in der Arena

Politik ist ein ernstes Geschäft. So ernst, dass man manchmal das Kalb machen muss, auch wenn es der eigenen ernsthaften Art widerstrebt und der Würde des hohen Amtes widerspricht.

Markus Dütschler

So geschehen am Dienstagabend auf der Berner Allmend, an der Circus-Nock-Jubiläums-Gala zu dessen 150-jährigem Bestehen. Das Zelt war voll, die Stimmung gut, und allerlei Prominenz verteilte sich auf den Rängen. Nicht vollzählig wie angekündigt: Die 91-jährige Märchenkönigin Trudi Gerster überbrachte ihre Glückwünsche wegen Altersgebresten nicht selbst, sondern ab Band – in ihrem raunenden St. Galler Dialekt.

Präsent war Verteidigungsminister Ueli Maurer. Zwar kam es nicht zu der im «Bund» erwarteten Hochseilnummer mit dem Militärvelo, jedoch zu einer viel gefährlicheren Begegnung. Einer der Prominenten hiess nämlich Nöldi Forrer, wohnhaft im toggenburgischen Stein, 32-jährig, 1,94 Meter gross, 115 Kilogramm schwer, Schuhgrösse 52. Man ahnt es: ein Schwingerkönig. Als dieser ganze Kerl, von der moderierenden Ex-Miss-Schweiz Stéphanie Berger in die Manege gelockt, breitbeinig dastand, dürfte Maurer Böses geschwant haben. Und wirklich: Nöldi äusserte den Wunsch, einen Schwung mit dem VBS-Chef machen. Leider sei er im Moment wegen allerlei Zipperlein nicht in Form und wolle sich schonen fürs Eidgenössische in Frauenfeld. Darum werde sich der Dani, sein Sparring-Partner, mit Maurer messen.

Daniel Bohl, ebenfalls kein Jammerlappen, stand Maurer gegenüber, der behände aus dem Kittel schlüpfte. «Aber Hosen anbehalten, Herr Maurer», rief die Ex-Miss, und der Bundesrat montierte die rauen Schwingerhosen über die feinen Beinkleider. Der Rest ist schnell erzählt: Der Ueli, Chef der besten Armee der Welt, packte den Dani zwar wacker an den Hosen, doch dieser hob ihn ohne viel Federlesens in die Höhe und nach wenigen Sekunden lag der Departementschef in der Manege. Nur Sägemehl hatte er nicht im Mund, denn dieses war durch eine Matte abgedeckt.

Beim Finale dann schlenderte ein Mann in die Manege, ein Saxofon blasend. Alex Tschäppät, durchfuhr es das Auditorium: Der wird doch nicht etwa zu singen beginnen, ausgerechnet, wenn Blochers Freund Ueli Maurer zugegen ist? Doch der Stapi sang nicht, sondern blies unter lässigen Verrenkungen in sein Instrument wie ein alter Jazz-Matador, und wir haben gar nicht gemerkt, dass es ein Playback war. Dann wurden Volk und VIPs vom Sponsor Raiffeisen mit Beinschinken und Kartoffelsalat verköstigt. Und man sinnierte, dass es zwischen Tschäppät und Bill Clinton eben doch ein paar Unterschiede gibt: Der ehemalige US-Präsident hätte sicher live gespielt.

Der Bund

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