Kunst zu Bürozeiten

Der neue Kunstraum Artundweise in der Lorraine verbindet Ausstellungen und Büroarbeit.

Papierarbeiten – vakuumverpackt: Daniel Suter gestaltet die Eröffnungsausstellung im Kunstraum Artundweise.

Papierarbeiten – vakuumverpackt: Daniel Suter gestaltet die Eröffnungsausstellung im Kunstraum Artundweise. Bild: zvg

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Raus aus den Ausstellungshäusern und mitten hinein ins pralle Leben mit der Kunst – das ist ein seit Generationen geträumter Traum. Auch Donat Fritschy träumt ihn. In seinem luftigen Büro in der Lorraine konzipiert der Software-Entwickler Internet-Auftritte für grosse Unternehmen, aber auch für den bekannten Berner Off-Space Marks Blond, mit dessen Frontmann Daniel Suter Fritschy seit langem befreundet ist.

Jetzt wird Fritschys Arbeitsplatz zum Ausstellungsort. Aber nicht nur so nebenbei, wie in mancher Kanzlei, die auch mal ein paar Bilder an die Wand hängt. Jeweils für ein Vernissagen-Wochenende nimmt Fritschy sich und sein locker im grosszügigen Raum verteiltes Mobiliar aus dem Ecklokal heraus. Im Verlauf der Ausstellungen arbeitet er dann inmitten der Kunst. Der Kunstraum-Gründer wird gleichsam selber zum Ausstellungsstück. Geöffnet ist der Kunstraum zu normalen Bürozeiten.

Nach aussen wirken

Dass er bei der Arbeit angeschaut wird, das kennt Donat Fritschy schon. Im jalousienlosen Fensterrund seines Büros ist er jederzeit sichtbar.

Sein Büro befindet sich in jenem Ecklokal, in dem einst die beliebte Sandwich-Bar ihre Kundschaft mit Speis und Trank beglückte. Die besondere Vorgeschichte des Raumes war es auch, die den Software-Spezialisten dazu angeregt hat, seine Webmanufaktur mit temporären Ausstellungen zu bestücken. Mit seinem Raum für zeitgenössische Kunst «artundweise» will Fritschy ins Quartier hinausgehen und das Quartier zu sich hereinholen. «Viele Galerien wirken eher nach innen», behauptet Fritschy. Er möchte nach aussen wirken und hofft, dass die drei grossen Schaufenster seines Büros Menschen zum Eintreten und Schauen ermutigen.

Vakuumverpackte Kunst

Die Eröffnungsausstellung gestaltet Fritschys Freund Daniel Suter. Der Künstler und Kurator, der gleichfalls von der Idee bewegt ist, Kunst in die Gesellschaft einzuschleusen, reflektiert in seiner Schau über Kunst als Ware. Er präsentiert rund 120 Papierarbeiten, sauber vakuumverpackt, wie die rosa Schnitzel im Supermarkt. Die in Plastik gehüllten Kunstwerke gehen so der Aura des Höheren verlustig, die sonst in Ausstellungen beschworen wird, und tun so, als wären sie x-beliebige Verkaufsgegenstände.

Zwei weitere Ausstellungen sind bereits geplant. Im Mai kommenden Jahres wird Franticek Klossner den neuen Kunstraum beehren, im Februar ist Klossner-Schülerin Lea Krebs zu Gast. In diese Richtung soll es weitergehen, wünscht Donat Fritschy, der seinen Raum für jüngere, weniger bekannte Künstler öffnen möchte, aber auch für Diskussionen, Lesungen, Performances.

Die Ausstellung dauert bis 7. Dezember.Lorrainestrasse 16., Bern. www.art-und-weise.org (Der Bund)

Erstellt: 19.11.2012, 09:24 Uhr

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