Der gedruckte «Bewegungsmelder» ist passé

Ende Jahr erscheint die letzte Ausgabe. Als Blog soll er weitergeführt werden.

Werden bald Geschichte sein: Die gedruckten Ausgaben des Kulturmagazins Bewegungsmelder.

Werden bald Geschichte sein: Die gedruckten Ausgaben des Kulturmagazins Bewegungsmelder.

(Bild: zvg)

«Donnerstag ist bekanntlich der bessere Freitag.» Diese bernische Ausgehweisheit stand eben erst auf der Facebookseite des «Bewegungsmelders», gefolgt von süffigen Ausgehtipps. Einen Tag darauf folgte der Kater. Nämlich wurde gestern ebenda kommuniziert, dass das Magazin per Ende Jahr eingestellt wird. Grund dafür ist ein Defizit, wegen rückgängiger Inserateeinnahmen. Die Redaktionsmitglieder haben die Kündigung erhalten.

«Wir haben das Heft aus ideologischen Gründen jahrelang finanziell unterstützt», sagt Thomas Baumgartner, Geschäftsführer von Passive Attack, auf Anfrage. Passive Attack ist Vertreiber und wichtigster Geldgeber des Magazins. «Wir sehen nicht, wie wir die Qualitätsansprüche noch halten können. Darum müssen wir leider aussteigen.»

Inseraterückgang als Hauptgrund

Der Inseraterückgang sei nicht zu stoppen, zumal der Bund Tabakwerbung in Printmedien verbieten wolle. «Das macht bei uns den Löwenanteil der kommerziellen Werbung aus.» Das Verbot ist beim Bund in der Vernehmlassung. Da die meisten Redaktoren bereits heute ehrenamtlich arbeiten, ist beim Bewegungsmelder kaum Sparpotenzial vorhanden.

Der Chefredaktor des «Bewegungsmelders», Kevin Mc Loughlin, sagt auf Anfrage, die freien Redaktoren hätten schockiert auf die Neuigkeiten reagiert. «Trotzdem zeigten sie Verständnis. Print ist zu teuer geworden. So sind wir nicht die Ersten, die die Segel streichen müssen.» Im Dezember wird also die letzte Ausgabe des monatlich erscheinenden Magazins gedruckt, Nummer 185.

Online-Konzept für die Zukunft

Trotzdem wird es mit dem «Bewegungsmelder» in veränderter Form weitergehen. «Die Redaktion ist motiviert, weiterzumachen», sagt Mc Loughlin. «Und zwar in Form eines Blogs, verschlankt, bei gleichbleibendem Stil und Anspruch.» Viele freie Redaktoren hätten bereits zugesagt, weiter mitzuarbeiten. «Dafür müssen wir uns aber nochmals zusammensetzen und den Marschplan entwerfen.» Die Chancen, dass mit neuem Konzept gar nahtlos weitergemacht werden könne, stünden gut.

Der ehemalige Chefredaktor und aktive Redaktor Pablo Sulzer sieht die Entscheidung als Befreiungsschlag. Für ihn hatte sich ein Aus abgezeichnet, da Passive Attack seit langem viel Aufwand betreibe, um das Magazin herauszugeben. «Als der ‹Bewegungsmelder› gegründet wurde, gab es kein Smartphone, keine Gratiszeitungen, kaum Internet», erklärt er auf Anfrage, «eine solche Kulturagenda war damals unersetzlich. Inzwischen gibt es zig Kanäle, von denen man aktuellere Informationen abholen kann.» Der Bewegungsmelder als Printausgabe sei obsolet geworden. «Nur einmal im Monat umfangreich Bewegung zu melden, ist heutzutage paradox.» Nun online neu zu starten, sei eine Chance für das Team, das im letzten Jahr etwas an Elan habe vermissen lassen. Es gehe darum, beweglicher zu werden.

Seit 1998 wurde im «Bewegungsmelder» monatlich über Kultur und Nachtleben berichtet. Dies unterteilt in eine Berner, Zürcher und Basler Ausgabe sowie eine für die Romandie. Der Hauptsitz ist in Bern. Am 29. Dezember findet das berüchtigte «Bewegungsmelder»-Lotto im National Bern statt. Der Anlass soll laut Mc Loughlin als Abschiedsparty gesehen werden.

Der Bund

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