Konfettiduelle vor der Schule

Waffeln zum Frühstück, ein Bummel durch die Marktgasse und viel Action: Das macht für Schülerinnen und Schüler den Zibelemärit aus. Die Zwiebel? Nebensache.

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Der Loeb-Egge ist um sechs Uhr morgens, am offiziellen Beginn des Zibelemärit, bereits voller Menschen. Belebt, wie sonst nur während Abendverkäufen oder Feierabenden vor Weihnachten. Barbara Uhlmann (45) und ihre Kinder Theo, Meret und Lena sind zusammen mit den Nachbarskindern Johannes und Maria aus der Länggasse mit dem Bus angereist. Sie sind nicht zum ersten Mal so früh am Zibelemärit. «Am Morgen, bevor die Kinder in die Schule gehen, ist das Gedränge noch nicht allzu gross», sagt Uhlmann. Die Stimmung in der Dämmerung sei schön, allerdings würde sie alleine wohl nicht hingehen. «Vor allem den Kindern gefällt es.»

«Man muss genügend schlafen»

Diese sind mit Mützen gegen die Kälte gerüstet und wirken bereits ziemlich munter. Der neunjährigen Meret macht das Frühaufstehen nichts aus. «Man muss genügend schlafen», lautet das Rezept der Schülerin. Auch wenn sie am Dienstag, zugegeben, noch bis zehn Uhr unter der Bettdecke gelesen habe. Die sechs biegen in die Spitalgasse ein, die Mädchen Arm in Arm eingehakt. Bald müssen sie aber den ersten Konfettiangriffen ausweichen. Es riecht süsslich, ab und zu wabern Käse- und Knoblauchschwaden vorbei. Während sich viele Besucher bereits mit Glühwein wärmen, nippen einzelne Jugendliche noch am morgendlichen Energydrink. Hitparadenmusik, die aus den Sendewägen zweier Berner Privatradios dröhnt, weckt – etwas unsanft – die letzten Verschlafenen. Barbara Uhlmann und die Kinder lassen sich derweil nicht beim Frühstück stören, das sie an einem Stand gekauft haben: süsse belgische Waffeln. Für deftigeres Essen mit Zwiebeln, Knoblauch oder Käse ist es ihnen zu früh.

In der Marktgasse, wo um diese Zeit kein Gedränge herrscht, schlendern sie den Marktständen entlang. An einem Stand entpuppen sich weisse Blöcke, die aussehen wie Käse, als Nougat. Die Kinder bewundern auch Holzschnitzereien. Für Erstaunen sorgt allerdings der Preis von 357 Franken für eine Holzkrippe. «Dahinter steckt halt viel Arbeit», erklärt Maria (14) den anderen. Das habe sie von ihrem Grossvater, einem Steinhauer, gelernt.

«Konfetti, Gummihämmerli und Süssigkeiten»

Dass am Zibelemärit auch Zwiebeln verkauft werden, ist den Schülern klar. «Deshalb gibt es ja den Zibelemärit», sagt Johannes (12). Seine Schwester Maria kennt gar die Gründungsgeschichte, wonach Bäuerinnen und Bauern aus dem Freiburger Seeland im 19. Jahrhundert erstmals am Martinifest, das den Übergang vom Sommer- zum Winterhalbjahr markierte, Zwiebeln in Bern feilgeboten hätten. Für die Kinder und Jugendlichen macht der Zibelemärit indes vor allem eines aus: Sie können sich vor und nach der Schule mit Freunden in der Stadt vergnügen. «Konfetti, Gummihämmerli und Süssigkeiten», fasst Theo (7) zusammen, was ihm am Zibelemärit am besten gefällt.

Um halb sieben Uhr decken sich die Kinder mit den Papierschnitzeln und dem Plastikspielzeug ein. Von nun an sind die Zwiebeln, Adventskränze und die übrigen Waren Nebensache. Für wilde Duelle eignen sich besonders die Gänge unter den Lauben, weil man sich dort hinter Säulen verstecken kann. «Endlich hast du würdige Gegner gefunden», sagt ein junger Mann auf Französisch zu seinem Kollegen, als ihn Johannes mit mehreren Konfettiwürfen überrascht. Viele Gäste kommen auch dieses Jahr von auswärts, oft ist neben Französisch Englisch und Italienisch zu hören. Um halb acht Uhr ist der Spass vorbei – vorerst. Barbara Uhlmann erzählt, wie sie früher wegen des Zibelemärit erst um 10 Uhr zur Schule musste. Heute haben die Berner Schüler am Nachmittag frei. Dann, sagen Lena (11) und Co., gehe die Konfettischlacht erst richtig los.

Der Bund

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