Kommentar: Was treibt eigentlich der Chef?

Kommentar

Die Rolle von Stapi Tschäppät bei den Reitschul-Krawallen ist irritierend. Nicht zuletzt, weil sich diese Episode einfügt in eine Reihe von Gemeinderats-Pannen.

Warum hat ihn sein politischer Instinkt verlassen? Alexander Tschäppät.

Warum hat ihn sein politischer Instinkt verlassen? Alexander Tschäppät.

(Bild: Valérie Chételat)

Christoph Lenz@lenzchristoph

Muss ein Stadtpräsident, muss ein Topmanager immer zur Verfügung stehen? Mit Sicherheit nicht. Auch Personen, die in ihrem Beruf viel Verantwortung tragen, haben einen Anspruch auf Ruhe und Erholung. Insofern ist verständlich, dass Stapi Tschäppät während seiner Ferien eine Auszeit von seinen Pflichten wünschte. Dennoch ist seine Rolle bei den Reitschul-Krawallen irritierend. Nicht zuletzt, weil sich diese Episode einfügt in eine Reihe von Gemeinderats-Pannen: Dem Botschafterapéro blieb die Regierung fern, bei den Stadtnomaden kapitulierte sie voreilig.

Tschäppät ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, wann eine Sache zur Chefsache erklärt werden muss. Im Herbst 2012 hat er ja gerade mit seiner Erfahrung um Wählerstimmen geworben. Dass dieser Tschäppät am Montag nach den «massivsten Übergriffen seit vielen Jahren» und nach «Gewalt in der übelsten Form» (Zitate: Tschäppät) im Erlacherhof ein- und ausging und nebenbei einwilligte, dass ein Angestellter die Kommunikationsarbeit der Regierung verrichtet – das wirft Fragen auf: Warum hat ihn sein politischer Instinkt verlassen? Ist es Überheblichkeit nach der glanzvollen Wiederwahl? Ist es Desinteresse nach einer langen, glanzvollen Karriere? Oder ist es «nur» ein Aussetzer?

Klar ist: Weder das eine noch das andere darf überhandnehmen. Bern kann sich keinen Stapi im Stand-by-Modus leisten.

Der Bund

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