Kommentar: Tschäppäts spätes Erwachen

Dass Alexander Tschäppät bei der Schlachthaus/Dampfzentrale-Fusion die Notbremse gezogen hat, ist zu begrüssen. Nun muss er aber das Vertrauen in seine Kulturabteilung wieder herstellen.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Der Absturz der Vorlage für die Kultur­förderung der Stadt Bern von 2016 bis 2019 ist vorläufig abgewendet. Kurz vor Ende der Vernehmlassung hat Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) die Fusion von Dampfzentrale und Schlachthaus-Theater aus der Vorlage gekippt und auf die lange Bank geschoben. Er gab damit den Protesten der Betroffenen nach, die in der Fusion primär einen autoritativen Akt «von oben» sahen. Dieser Unmut ist seit längerer Zeit unüberhörbar. Es mutet daher seltsam an, dass ihn der Stadtpräsident erst an einem Treffen von Stadt und Kulturszene Anfang August zur Kenntnis nahm.

An jenem Treffen trat Tschäppät gemeinsam mit Kultursekretärin Veronica Schaller vor die Kulturszene. Das «Time-out» bei der Fusion von Dampfzentrale und Schlachthaus-Theater verkündet er nun aber alleine. Er greift dabei offensichtlich auf eine Forderung von Christoph Reichenau zurück, Schallers Vorgänger im Amt, die dieser am erwähnten Treffen erhoben hat. Das von Reichenau vorgeschlagene einjährige «Time-out» für die gesamte Vorlage lässt sich zwar nicht umsetzen, da Kanton und Region einer Verlängerung der von ihnen mitfinanzierten Leistungsverträge kaum zustimmen dürften. Ein Aufschub lässt sich aber zumindest für Dampfzentrale und Schlachthaus-Theater realisieren, weil ab 2016 die Stadt alleine für diese Institutionen zuständig ist.

Es ist zweifellos zu begrüssen, dass Tschäppät nun die Notbremse gezogen hat, um die Kulturförderungs-Vorlage zu retten. Er hat dies jedoch reichlich spät getan und offenbar ohne die Abteilung Kulturelles, die Verhandlungspartnerin der Kulturszene ist. Tschäppät scheint dem Alt-Kultur­sekretär mehr Gehör zu schenken als dessen Nachfolgerin, die kaum auf die Anliegen der Szene eingegangen ist. Für die Kulturförderung und den Draht zur Szene ist aber die Abteilung Kulturelles zuständig und nicht Christoph Reichenau. Nun ist es die Aufgabe des Stadtpräsidenten, das angeschlagene Vertrauen in seine Abteilung wiederherzustellen.

Der Bund

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