Kommentar: Lediglich ein Etappensieg für die BKW

Aus dem knappen Abstimmungsresultat zu Mühleberg schöpfen sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Atomenergie Hoffnungen.

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Die Mehrheit der Bernerinnen und Berner will, dass auch in Zukunft genügend Strom aus der Steckdose fliesst, und zwar sowohl im Sommer als auch im Winter. Atomkraftwerke liefern seit vier Jahrzehnten zuverlässig Strom, während Solarzellen und Windturbinen erst einen kleinen Beitrag an die Energieversorgung leisten. Das knappe Resultat zeigt aber auch, dass ein grosser Teil der Bevölkerung der Atomenergie skeptisch gegenübersteht. Das Restrisiko eines nuklearen Unfalls sowie die ungelöste Entsorgung der atomaren Abfälle wecken Ängste.

Aus dem knappen Ausgang schöpfen sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Atomenergie Hoffnungen. Die Gegner sind zuversichtlich, dass sich die Stimmung bis zum nationalen Urnengang in zweieinhalb Jahren zu ihren Gunsten wenden wird. Und die Befürworter sehen sich durch das Ja in ihrem Bestreben bestätigt, die alten Atomkraftwerke durch neue zu ersetzen.

In den kommenden Monaten spielen die Bundesbehörden eine wichtige Rolle. Sie prüfen die Gesuche um die Rahmenbewilligungen für die Standorte Beznau, Mühleberg und Gösgen auf ihre Tauglichkeit. Im Vordergrund steht die Sicherheit. Das Nuklearsicherheitsinspektorat hat im November bereits zusätzliche Unterlagen angefordert: Beim Standort Beznau muss die Überflutungsgefahr analysiert werden, und die BKW muss in Mühleberg die Gefährdung durch Felssturz, Steinschlag und Rutschungen untersuchen.

Trotz des gestrigen Ja bleibt unsicher, ob in Mühleberg dereinst ein neues Atomkraftwerk gebaut wird. Die Berner Regierung muss zwar gegen ihren Willen eine positive Stellungnahme zum Rahmenbewilligungsgesuch einreichen. Aber der Bund wird berücksichtigen, dass das Resultat knapp ausgefallen ist und dass die Stadt Bern mit zwei Dritteln der Stimmen wuchtig Nein gesagt hat.

Falls sich die Standorte Beznau und Gösgen in technischer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht als deutlich besser erweisen sollten, müsste Mühleberg zurückstehen. Da auch in der gesamtschweizerischen Volksabstimmung mit einem knappen Ausgang zu rechnen ist, wird die Strombranche im eigenen Interesse nur die besten Projekte weiterverfolgen.

Offene Fragen wirft auch die Finanzierung auf. Vieles deutet darauf hin, dass nur schon die Kapitalbeschaffung für ein neues Atomkraftwerk zu einem Kraftakt wird und dass das zweite Projekt am Geld scheitern könnte.

Die BKW hat zwar in der kantonalen Abstimmung einen Etappensieg errungen, aber sie ist mit dem Projekt Mühleberg noch weit vom Ziel entfernt. (Der Bund)

Erstellt: 14.02.2011, 06:30 Uhr

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