Kommentar: Business statt Bärenwohl

Der Gemeinderat will die Bären wären der Sanierung der Bärenpark-Mauer dem Baulärm aussetzen. Damit hat er sich für den Tourismus und gegen das Wohl der Tiere entschieden.

Mit seinem Entscheid stellt der Gemeinderat den Tourismus über das Wohl der Tiere.

Mit seinem Entscheid stellt der Gemeinderat den Tourismus über das Wohl der Tiere. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Nun, man hat sich ja daran gewöhnt, dass sich für die Pleiten der Berner Stadtbauten (Stabe) niemand verantwortlich fühlt im Berner Gemeinderat. Dies insbesondere dann, wenn es um die grösste Pleite, den Berner Bärenpark, geht. Dies wird auch beim eher wahrscheinlichen Nachkredit für die Sanierung der oberen Stützmauer des Bärenparks nicht anders sein: Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) und Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) werden auf den einstigen Verwaltungsrat der Berner Stadtbauten (Stabe) verweisen, der sich Ende 2013 aufgelöst hat. Im Übrigen werden sie an die Kritiker appellieren, die Nörgelei doch sein zu lassen und endlich nach vorne zu schauen.

Solcherlei Argumente gehören zum täglichen Brot von Politikern. Sie sind unschön und ärgerlich für die Betroffenen. Aber beim Entscheid des Gemeinderats, die Bären bei laufender Sanierung der Stützmauer im Bärenpark zu belassen, geht es nicht «bloss» um Geld. Es geht um das Wohl der Bären. Das hat der Gemeinderat offensichtlich unterschätzt. Sein Entscheid bedeutet einen Rückfall in alte Verhaltensweisen, die man nach dem Bau des Bärenparks für überwunden hielt.

Die Stadt Bern hat sich ihre Bären ja nie um der Bären willen gehalten. Der erste Bär wurde 1513 nach dem Sieg in der Schlacht von Novara als Kriegsbeute nach Bern gebracht und in einen Zwinger beim Käfigturm gesperrt. In späteren Jahrhunderten wurden die Bären in verschiedenen Gruben gehalten und dienten dort der Volksbelustigung. Erst mit dem Bau des Bärenparks 2009 ging es erstmals um das Wohl der Bären, zumindest unter anderem. Denn die Baumängel der Anlage und deren touristische Belebung standen seit jeher im Fokus der behördlichen Bemühungen.

Nun hat sich der Gemeinderat in einem heiklen Entscheid für das Business und gegen das Bärenwohl entschieden. Der Entscheid mag ökonomisch richtig sein, ist aber fatal für die Tiere und fürs Image. Der Gemeinderat wäre gut beraten gewesen, den Empfehlungen des Tierparks Gehör zu schenken. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2015, 09:45 Uhr

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