Kommentar: Bitte nicht in diesem schrillen Ton

Der Stadtrat liess in der Debatte um Tram Region Bern das Diskussionsniveau vermissen. Dabei gibt es keinen Grund zur Aufregung.

Das Projekt Tram Region Bern sorgte für hitzige Diskussionen im Stadtrat.

Das Projekt Tram Region Bern sorgte für hitzige Diskussionen im Stadtrat.

Simon Thönen@SimonThoenen

Im Berner Stadtrat zeichnete sich gestern eine sehr deutliche Mehrheit für das Projekt Tram Region Bern ab. Die Debatte verlief allerdings gehässig. Die im Parlament chancenlosen Tramgegner stellten eine Unmenge von Detailanträgen, um den unliebsamen Entscheid zu verzögern. Als Reaktion verkürzte die Ratsmehrheit die Redezeit drastisch – was wiederum die Tramgegner aufheulen liess.

Das Verhalten der Tramgegner im Parlament passt zu den Auftritten der Bürgergruppen gegen das 10er-Tram, die sich gestern zu einem Komitee zusammengeschlossen haben: Auch sie neigen zu schrillen Vorwürfen – und zu einer Dämonisierung des Tramprojekts. Zu dieser Aufregung besteht jedoch kein Grund.

In Deutschland hatten Bürger in ähnlicher Tonlage gegen das Bahnhofprojekt Stuttgart 21 protestiert. Doch hier ist die Ausgangslage anders. In Bern, Ostermundigen und Köniz entscheidet das Volk, ob es ein 10er-Tram will. Die Hauptforderung der deutschen Protestbewegung nach einer Volksabstimmung ist bei uns ein selbstverständlicher Teil des politischen Prozesses.

Auch von der Sache her besteht kein Grund zu Aufregung. Es geht um die Beseitigung eines Engpasses im öffentlichen Verkehr in der Region Bern, um eine Sachfrage also. Natürlich ist Tram Region Bern ein Grossprojekt, das mit erheblichen Kosten und einer Bauphase verbunden ist, welche die Anwohner belasten wird. Über Vor- und Nachteile des 10er-Trams kann und soll im Abstimmungskampf gestritten werden – aber bitte fair. Fakt ist: Die 10er-Buslinie als eine der ÖV-Hauptachsen ist überlastet. Falls die Gegner der Tramlösung ernst genommen werden wollen, tun sie gut daran, das Volk zu überzeugen, dass sie eine bessere Lösung haben – mit einer sachlichen Argumentation.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt