Kokain-Club scheiterte 1994 in Zürich

Berner Präventionsfachleute sind skeptisch gegenüber einer Motion, welche den kontrollierten Kokainverkauf fordert.

Der Konsum von Kokain ist heute ausnahmslos illegal – die AL möchte dies ändern.

Der Konsum von Kokain ist heute ausnahmslos illegal – die AL möchte dies ändern.

(Bild: Keystone)

Erst im März hat das Stadtparlament Ja zu einem Pilotversuch mit sogenannten Cannabis-Social-Clubs gesagt. Die Alternative Linke möchte nun einen Schritt weiter gehen. Am Donnerstag reichte Christa Ammann (AL) einen Vorstoss ein, der einen Pilotversuch für kontrollierten Kokainverkauf fordert.

Politischer Wille oder Provokation? «Wir wollen zum Nachdenken provozieren», begründet Ammann ihr Vorgehen. Die Cannabis-Clubs hätten gezeigt, dass die Liberalisierung von Drogen querbeet durch alle Parteien Freunde finde, so die Stadträtin. Zudem habe die nationale Diskussion um den straffreien Verkauf von Cannabis im Rahmen von Social-Clubs die Vorteile aufgezeigt. Gemäss den Liberalisierungsbefürwortern können auf diese Weise Verkäufer besser kontrolliert und die Konsumenten so vor schlechtem Stoff geschützt werden. «Warum soll das nicht auch für eine gesellschaftlich weniger tolerierte Droge wie Kokain gelten?», fragt Ammann.

Die Motionärin fordert nun den Gemeinderat auf, mit anderen Städten Kontakt aufzunehmen und gegenüber dem Bundesrat sein Interesse für einen Pilotprojekt anzumelden.

Suchtexperten sind dagegen

Es wäre nicht das erste Mal, dass das weisse Pulver kontrolliert abgegeben würde: «1994 brach man einen Versuch mit ärztlich kontrollierte Kokainabgabe in Zürich vorzeitig ab», erinnert sich die GLP-Grossrätin und Betriebsleiterin der Kontrollierten Drogenabgabestelle, Barbara Mühlheim: Die Abgabe habe nicht zu einer reduzierten Einnahme von Gassen-Kokain geführt, im Gegenteil: «Der Versuch führte sogar zu einem höheren täglichen Konsum bei den Probanden», so Mühlheim.

Deshalb sei das Experiment damals mangels Erfolg nach drei Monaten abgebrochen worden. «Ein weiterer Negativpunkt ist, dass Kokain im Gegensatz zu Heroin dem Körper nachhaltig schadet», so die Expertin. Während Koks Leber, Herz und Nieren schädige, sei dies bei reinem Heroin nicht der Fall.

Auch bei der Fachstelle Berner Gesundheit sieht man keinen Bedarf für diese kontrollierte Drogenabgabe: «Der Wunsch nach einer kontrollierten Kokainabgabe ist noch nie an uns herangetragen worden», lässt die Medienstelle der Berner Gesundheit ausrichten. «Von Alkohol, Tabak und Cannabis geht eine wesentlich höhere Problemlast aus.»

Kokain-Dealer im Visier

Der Zeitpunkt für Ammanns Vorstoss kommt nicht von ungefähr. Die Alternative Linke stört sich an der aktuellen «Menschenhatz» auf der Schützenmatte. Seit dem 10. Juni ist es allwöchentlich zu Razzien vor dem Vorplatz der Reitschule gekommen. Dies, nachdem die Stadtberner Regierung entschieden hatte, verstärkt gegen den Drogenhandel vor der Reitschule vorzugehen. Dabei geraten vor allem Kokain- und Cannabis-Dealer ins Visier der Polizei. Gemäss Polizei-Communiqué hat die letzte «Aktion gegen Drogenhandel» am Donnerstagabend auf der Schützenmatte stattgefunden. Dabei wurden 40 Gramm Kokain sichergestellt.

Die Alternative Linke bezeichnet die Aktionen gegen Kleindealer als «Drogenpolitik-Farce». «Mit der legalen Abgabe von Cannabis und Kokain liesse sich zu einer entspannteren Situation vor der Reitschule beitragen», bilanziert Motionärin Ammann.

Dem Dringlichkeitsbegehren der Motion wurde nicht Folge geleistet: Das Ratsbüro ist nicht darauf eingetreten.

DerBund.ch/Newsnet

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