Jetzt geht es drunter und drüber

Eine Woche nach dem unterirdischen Kreisel wurde gestern auch der Wankdorfplatz dem Verkehr übergeben. Damit gilt die definitive Verkehrsführung: Unten wird abgebogen, oben geht es geradeaus.

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Der doppelstöckige Wankdorfplatz hat seine Feuerprobe bestanden: Seit Dienstagabend rollt der Verkehr nicht nur durch den unterirdischen Kreisel, sondern auch vollständig über den Platz.

Das Kernstück der Grossbaustelle konnte somit nach vier Jahren definitiv in Betrieb genommen werden: Die letzten Rampen in den Kreisel wurden geöffnet, die Kernumfahrung aufgehoben. Der abendliche Stossverkehr am Dienstag und die ersten Pendlerströme gestern Morgen haben laut Ueli Weber, Oberingenieur des Kreises Bern, ohne Probleme bewältigt werden können. «Es läuft alles erstaunlich gut.» Und: «Wir sind optimistisch, dass es nach den ersten Tagen noch besser läuft.»

«Leistungsfähig und sicher»

Polizisten und Verkehrsdienst-Mitarbeiter sorgten in den ersten Stunden dafür, dass die Verkehrsteilnehmer den richtigen Weg durch Berns neue «Kathedrale des Verkehrs» fanden. An sich keine schwierige Aufgabe, gilt doch auf dem Platz ab sofort das Grundprinzip «oben geradeaus, unten abbiegen» – zumindest für Autofahrer.

Velofahrer und Fussgänger queren den Platz immer oberirdisch. So habe man auf beiden Ebenen eine «leistungsfähige und sichere» Lösung gefunden, sagt Weber. «Das ist eine Pionierleistung, die man so nicht kennt.»

Velos nur «indirekt» nach links

In der Tat zeigte sich gestern, dass sich manch ein Verkehrsteilnehmer trotz Signaltafeln und Bodenmarkierungen noch schwertut mit der «fremden» Verkehrsführung. Besonders für Velofahrer dürfte das Linksabbiegen auf dem neuen Platz gewöhnungsbedürftig sein: Wer nach links will, muss zuerst nach rechts «ausholen». Es handelt sich dabei um ein sogenanntes indirektes Linksabbiegen. Der Vorteil dabei ist, dass bei einem Abbiegemanöver kein Queren des Geradeausverkehrs nötig ist – mit dem Nachteil, dass Velofahrer zweimal nacheinander Ampeln passieren müssen. Allerdings sind die Umlaufzeiten so eingestellt, dass alle 45 bis 60 Sekunden eine Grünphase ausgelöst wird. Zum Vergleich: Vor dem Umbau dauerte es bis zu zwei Minuten, bis die Ampeln wieder auf Grün schalteten.

Obwohl der Verkehr jetzt seiner offiziellen Wege geht, bleibt der Wankdorfplatz auch in den nächsten Monaten noch eine Baustelle. Bei den Tramhaltestellen etwa sind die Wartehäuschen noch nicht montiert, der Deckbelag ist noch nicht überall aufgetragen, und die künftigen Grünflächen dienen vorerst noch als Abstellplatz. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass das Areal im nächsten Sommer komplett fertiggestellt ist. Bis dahin will man punkto Verkehrsmanagement «beobachten, analysieren und wo nötig anpassen».

Bolligenstrasse «suboptimal»

Handlungsbedarf erkannt haben die Verantwortlichen bereits im Bereich Bolligenstrasse. Pro Velo Bern hatte moniert, dass die Sicherheit für Velofahrer entlang der kleinen Allmend noch nicht gewährleistet sei. Dieser Abschnitt sei nicht für seine neue Funktion als Autobahnzubringer eingerichtet. Weber gibt zu, dass die derzeitige Lösung «suboptimal» sei. Man wisse um das Problem und habe versucht, vorerst das Maximum bei der Ampelsteuerung herauszuholen.

Nächsten Sommer will der Kanton ausserdem mittels Monitoring überprüfen, wie viele Autos den Entwicklungsschwerpunkt Wankdorf passieren. Stadt und Kanton Bern haben sich in Absprache mit Pro Velo, Läbigi Stadt und der VCS Regionalgruppe Bern dazu verpflichtet, im Zuge des Kapazitätsausbaus der Wankdorfkreuzung Auflagen zum Schutz des Nordquartiers umzusetzen. Die Verkehrsbelastung auf der Winkelriedstrasse, der Rodtmattstrasse und der Papiermühlestrasse darf um maximal fünf Prozent zunehmen &emdash auf höchstens 41'000 Fahrzeuge pro Tag.

Handlungsbedarf angemeldet haben gestern übrigens auch Mitglieder des Grünen Bündnisses und der Jungen Alternative. Mit einer Velo-Protestrunde äusserten sie ihren Unmut darüber, dass mit dem neuen Wankdorfplatz für den motorisierten Verkehr «Kapazitäten auf Reserve ausgebaut wurden», während bei innovativen Projekten für den Veloverkehr wie etwa der Velobrücke der Rotstift angesetzt werde.

Der Bund

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