Jacht-Käufer sollen künftig ihr Geld für Wohnmobile ausgeben

Der klassische proletarische Wohnwägeler stirbt aus. Die Hersteller haben eine neue Klientel im Visier, wie ein Besuch am Suisse Caravan Salon in Bern zeigt.

Individuell auf den Käufer abgestimmt: das Luxus-Wohnmobil «Performance».

Individuell auf den Käufer abgestimmt: das Luxus-Wohnmobil «Performance». Bild: Valérie Chételat

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Die Geschmäcker sind verschieden, auch bezüglich mobiler Wohnbauten. Die Stadtnomaden etwa richten ausrangierte Bauwägen zu Wohnzwecken her. Wer es luxuriöser mag, kommt am Suisse Caravan Salon auf seine Kosten. Die Messe für Wohngefährte ist gestern eröffnet worden. Zu bestaunen gibt es etwa das Volkner Mobil Performance. Es ist laut den Messeveranstaltern «das teuerste je in der Schweiz gezeigte Wohnmobil». Laut Gerhard Volkner, Gründer und Inhaber von Volkner Mobil, überzeugt es mit eingebauter Garage («mit Platz für einen Ferrari») und ausfahrbarer Wand («Wall-out-System»), welche die Wohnfläche auf bis zu 35 Quadratmeter vergrössert. Innen glänzt das Ausstellungsobjekt mit «siebenfach hochglanzlackierter Kirschholzverschalung, inklusive handgefertigter Intarsien».

Zielgruppe Oberschicht

Zugegeben, dass sich die Stadtnomaden für die Bauwagen entscheiden, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Ohne über genaue Kenntnisse der finanziellen Situation der künftigen Riedbach-Bewohner zu verfügen, ist anzunehmen, dass diese nur mit Mühe die nötigen 1,8 Millionen Franken lockermachen könnten. Allerdings gehören die Stadtnomaden auch nicht zur Zielgruppe der Caravanbranche. «Wir wollen, dass Jacht-Käufer künftig ihr Geld für Wohnmobile ausgeben», sagt Mauro Degasperi. Er präsentiert den Caravisio, den Wohnwagen der Zukunft. Gemäss Degasperi handelt es sich dabei eher um «eine Studie denn um einen Prototyp». Im Caravisio würden allerlei technische Mittel ausprobiert, etwa eine elektronische Verriegelung der Schranktüren oder eine Steuerung des Wagens per Tablet.

Der Trend am Suisse Caravan Salon geht also klar in Richtung Luxus. Doch ist diese Strategie erfolgversprechend? Suchen Camper nicht gerade das Einfache, das Spartanische? Martin Barth widerspricht. «Es gibt eine klare Tendenz Richtung ‹Glamping›», sagt der Dozent für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern auf Anfrage. «Glamping» kombiniere die Wörter Glamour und Camping. «Die Leute wollen heute beides: das Naturerlebnis, ohne jedoch auf einen gewissen Standard verzichten zu müssen.» Der traditionelle kleinbürgerlich-proletarische Wohnwagen-Tourist sei eher am Aussterben. «Dafür haben Einkommensstarke den Campingplatz als Reiseziel wiederentdeckt.» Diese Entwicklung stelle die Campingbetreiber vor Herausforderungen. Die herkömmlichen Stellplätze seien oftmals nicht auf Mobile dieser Grössenklasse ausgerichtet. Im Ausland, etwa in Frankreich, sei man diesbezüglich schon weiter. «Hierzulande besteht aber noch Nachholbedarf», sagt Barth.

Wohnmobil statt Anhänger

Die neuen Camper haben auch bezüglich der Modelle andere Vorlieben. «Noch vor zehn Jahren gab es in der Schweiz doppelt so viele zugelassene Wohnwagen-Anhänger wie Wohnmobile», sagt Christoph Hostettler, Präsident des Händlerverbands Caravaning Suisse. Mittlerweile seien beide Fahrzeugtypen gleichauf. Hostettler erklärt diesen Wandel auch mit der geänderten Reisegewohnheit. «Die Leute bleiben heute nicht mehr zwei Wochen am selben Ort, wie man das mit dem Wohnwagen-Anhänger macht.» Mit dem Wohnmobil sei man viel flexibler, könne umherreisen und habe immer alles an Bord. (Der Bund)

Erstellt: 25.10.2013, 13:16 Uhr

Swiss Caravan Salon

Der Suisse Caravan Salon dauert bis Montag, 28. Oktober, Bern Expo.

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