Islam-Seminar fand doch statt

Ein umstrittenes «Islam-Seminar» in Bern wurde abgesagt, fand aber am Samstag doch statt.

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Extreme Muslime planten ein «Islam-Seminar» in Bern, und die Redner aus Deutschland seien gefährlich: Mit dieser Warnung trat letzte Woche ein «Anti-Islamisierungs-Komitee» an die Öffentlichkeit. Die Behörden müssten das Treffen verbieten, so das Komitee. Dann aber schien es plötzlich, als sei die Aufregung gegenstandslos geworden, denn angeblich wurde das Seminar wegen Erkrankung aller Referenten abgesagt.

Wie nun Beiträge im Internet zeigen, hat das Seminar am Wochenende doch stattgefunden: Drei der vier angekündigten Redner, Abu Alia, Abu Adam und Abu Jibriel, traten in der sri-lankischen Moschee Masjid-Ul-Qghair Bern an der Wylereggstrasse 15 im Berner Nordquartier auf, wo sie den «Brüdern und Schwestern» predigten, wie ein Muslim richtig zu leben hat. Das Motto: «Lass dich ermahnen, denn die Religion ist Ermahnung!» In einem Youtube-Film bedanken sich die drei jungen Männer bei den Gastgebern auf der Rückreise nach Deutschland auf einer verschneiten Wiese für die zwei fruchtbaren und gelungenen Tage in Bern und stürzen sich danach vor der Kamera in eine ausgelassene Schneeballschlacht.

«Fruchtbare Tage» in Bern

Gerne hätte der «Bund» am Dienstag das Missverständnis geklärt, weshalb ein Seminar abgesagt wird, dann aber doch stattfindet. Die Personen, die sich unter den drei auf dem Veranstaltungshinweis aufgeführten Telefonnummern meldeten, waren jedoch auf Anfrage ausserstande, hierzu zweckdienliche Angaben zu machen.

Daniel Zingg, Kämpfer gegen das Minarettprojekt in Langenthal und für das 2009 angenommene Minarettverbot in der Schweiz, gehört zum Komitee, das den Anlass verbieten lassen wollte. «Im Islam ist es heilige Pflicht zu lügen, wenn es der Sache dienlich ist», schrieb Zingg in einer Mitteilung an den «Bund». Zingg meint die Taqiyya. Das arabische Wort, das Furcht oder Vorsicht bedeutet, bezeichnet die Erlaubnis, im Fall von Gefahr religiöse Pflichten zu verletzen oder gar seinen Glauben zu verleugnen.

Aus dem Umfeld von Pierre Vogel

«Mit Verlaub, das ist so gesagt Unfug», sagt dazu Reinhard Schulze, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern. Taqiyya sei ein spezifisches Konzept der Schiiten vor allem des 15. und 16. Jahrhunderts im Iran gewesen, in einer Zeit der Verfolgung. «In der sunnitischen Tradition gibt es diesen Terminus nicht, und man handelt auch nicht danach», so Schulze. Die drei Referenten seien Sunniten und stammten aus einer Moschee in Mönchengladbach, so Schulze: Sie gehörten zum Umfeld des Predigers Pierre Vogel.

Der umstrittene Prediger, ehemalige Boxer und Konvertit («Abu Hamza») sollte im Dezember 2009 an einer islamischen Demonstration auf dem Bundesplatz auftreten, wurde jedoch in Basel an der Einreise gehindert, da gegen ihn eine Einreisesperre bestand.

Das Umfeld der zu dem Islam-Seminar geladenen Prediger habe einen deutlich puritanischen Charakter, sagt der Professor. Wie schon bei der Bewegung der christlichen Puritaner in England im 17. Jahrhundert gehe es auch hier um die Bestimmung einer klaren Richtschnur für die eigene Lebenswelt. (Der Bund)

Erstellt: 15.02.2012, 07:14 Uhr

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