«Irrwegig», Menschen mit Ratten zu vergleichen

Der Tierversuchsgegner Benjamin Frei begründet
 das Referendum gegen das neue Labor an der Uni Bern.

Tierversuchsgegner wehren sich gegen das neue Labor an der Uni Bern (Symbolbild).

Tierversuchsgegner wehren sich gegen das neue Labor an der Uni Bern (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Herr Frei, haben Sie selber schon von einem an Tieren getesteten Medikament profitiert?
Das ist sehr gut möglich. Man kann fast keine Produkte mehr konsumieren, die nicht durch Tierversuche getestet wurden. Wir sagen nicht, dass man keine Medikamente mehr nehmen darf, denn es geht um das Leben eines Menschen. Damit Tiere nicht mehr leiden müssen, kämpfen wir für die Entwicklung neuer Methoden, welche die Tierversuche ersetzen.

Welche neuen Methoden sind das?
Es gibt Gewebetests, bei denen eine Art menschliche Haut gezüchtet und auf Reizung getestet wird. Und menschliche Organe können mit winzigen Computerchips simuliert werden. Es gibt zahlreiche Ersatzmethoden, die auch in der Schweiz zur Verfügung stehen. Der Staat fördert diese Methoden aber zu wenig und verschleppt die Zulassung. Novartis musste einmal zehn Jahre auf die Zulassung des Bundes warten, obwohl das Produkt marktreif war.

Mit dem Computer kann man wunder­bar eine Brücke simulieren. Aber der Mensch ist ein Organismus, den man doch nicht berechnen kann.
Man muss es andersherum sehen. Mensch und Tier sind Organismen, aber es sind komplett unterschiedliche Organismen. Wiederkäuer können problemlos kiloweise Arsen essen, aber Aspirin ist für die meisten sogenannten Labortiere extrem schädlich. Es ist irrwegig zu glauben, man könne einen Menschen mit einer Ratte vergleichen. Wenn man menschliche Zellen nimmt, lassen sich die Versuche viel besser auf den menschlichen Körper übertragen.

Warum kämpfen Sie nicht für ein Verbot von Tierversuchen, anstatt das ganze neue Forschungszentrum der Uni Bern zu blockieren?
Hier können wir ein ganz konkretes Projekt verhindern. Wir kämpfen natürlich für die Abschaffung aller Tierversuche. Das ist aber nicht von heute auf morgen einfach so machbar. Darum greifen wir Schritt für Schritt die einzelnen Projekte an. Und in den nächsten Monaten werden wir ein nationales Grossprojekt zum Thema Tierversuche lancieren.

Eine Initiative?
Dazu kann ich noch nichts sagen.

Sogar die Grünen und der ­Tierschutz sind für die das neue Labor. Warum finden Sie mit Ihren Argumenten kein Gehör?
Bei den Parteien gibt es wohl wenig Wissen über Tierversuche. Und weil das Projekt mit der Bildung und Forschung zusammenhängt, ist es für uns auch nicht einfach, dagegen zu sein. Beim Tierschutz sind wir hingegen nicht überrascht. Gerade beim Berner Tierschutz gibt es Leute, die an der Uni Bern arbeiten und von Tierversuchen profitieren. Der Tierschutz will das Ausbeuten von Tieren bloss humaner machen. Wir sind aber eine Tierrechtsorganisation, welche Tiere als fühlende Lebewesen behandelt und ihnen das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit gibt.

Wie wollen Sie die 10'000 Unterschriften für das Referendum ­zusammenbringen?
Wir haben bei verschiedenen Flyer-Aktionen viel Zuspruch erhalten. Und es haben sich schon viele Leute gemeldet, die beim Unterschriftensammeln helfen wollen. Es wird eine grosse Aufgabe sein, aber wir glauben fest daran, dass wir die 10'000 Unterschriften ­zusammenkriegen.

Der Bund

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