Instabiler Hang bringt Marzilibahn in Schieflage

Massiver Kostenanstieg, weitere Verzögerung der Inbetriebnahme – Bei der Renovation der Marzilibahn macht der instabile Abhang den Betreibern einen Strich durch die Rechnung.

Fast eine Million Mehrkosten: Die Sanierung der Marzilibahn macht VR-Präsident Marcel Steck derzeit Bauchweh.

Fast eine Million Mehrkosten: Die Sanierung der Marzilibahn macht VR-Präsident Marcel Steck derzeit Bauchweh. Bild: Valérie Chételat

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Die Renovation der 105 Meter kurzen Marzilibahn droht für die Betreiber in ­einem Fiasko zu enden. Erst stiessen im Herbst Arbeiter bei der Bergstation auf eine bis dahin unbekannte Sandsteinmauer, die den Bau um mehrere Wochen verzögerte.

Recherchen des «Bund» zeigen: Die Mauer bleibt nicht die einzige böse Überraschung. Denn inzwischen hat sich herausgestellt, dass das Bord unterhalb der Bundesterrasse instabil ist. «Der Hang ‹fliesst›, der Baugrund ist schlechter als erwartet», sagt Walter Muggli von der Marzilibahn AG. Konsequenz: Die neue Stahlbrücke, auf der die Marzilibahn dereinst wieder verkehren soll, kann nicht wie geplant auf die bestehenden Fundamente gesetzt werden. Nun müssen erst bis zu sechs «Anker» pro Sockel in den Boden gerammt werden, um die Fundamente besser zu fixieren – bis zu 10 Meter tief.

Wegen der erneuten Schwierigkeiten dauert die Renovation der Marzilibahn bis mindestens Ende April. Ursprünglich hätte das Bähnli bereits Mitte Februar wieder Passagiere vom Marzili auf die Bundes­terrasse befördern sollen. Damit wird sie rund sieben Monate in Anspruch nehmen. Zum Vergleich: Der komplette Bau der Bahn im Jahre 1885 ging in gerade einmal vier Monaten über die Bühne. Das letzte Mal verkehrte das Bähnli am 28. September 2014.

Billetts werden teurer

Nicht nur die zeitlichen Verzögerungen bereiten Marcel Steck Bauchweh. Wegen der zusätzlich notwendigen Arbeiten schiessen die Ausgaben in die Höhe. Statt rund 5 Millionen kostet der Umbau die Marzilibahn AG nun, gemäss aktuellen Berechnungen, sechs Millionen Franken. «Für uns ist finanziell das Worst-Case-Szenario eingetreten», so Steck. Die zusätzlich benötigten Gelder kann die Privatbahn nicht alleine aufbringen, sie musste nochmals bei der Bank anklopfen.

Damit sei punkto ­Finanzierung das «Ende der Fahnenstange» erreicht. Droht der Marzilibahn AG nun gar der Konkurs? Steck verneint. Der Finanzplan der Gesellschaft werde arg strapaziert, gerate aber nicht aus dem Gleichgewicht. «Die Mehrkosten werden die nächsten 10 Jahre aufs Ergebnis drücken.»

Die Passagiere müssen sich allerdings an teurere Billetts gewöhnen. Bereits jetzt ist klar, dass die Preise für eine Einzelfahrt von 1.20 auf 1.40 Franken steigen werden. Eine zusätzliche Preiserhöhung wegen der Mehrkosten schliesst Steck nicht aus. «Wir wollen unsere Passagiere aber sicher nicht vergraulen.» Ein ­solcher Schritt käme als Ultima Ratio infrage.

Abbruch als Alternative

Instabiler Hang, ausufernde Kosten: Da kommen Erinnerungen an das Bärenpark-Debakel hoch. Wie konnte es in diesem Fall zu den Überschreitungen kommen? Im Vorfeld der Sanierung haben die Marzilibahn-Betreiber auf Probebohrungen unter der Stahlbrücke verzichtet. Dies weil man dazu den Bahnbetrieb hätte unterbrechen müssen.

Die Komplettsanierung der Marzilibahn war nötig geworden, weil das Bundesamt für Verkehr sonst die Konzession für die Bahn nicht verlängert hätte. «Die Alternative zur Sanierung wäre der Abbruch der Bahn gewesen», stellt VR-Präsident Steck klar. (Der Bund)

Erstellt: 10.01.2015, 08:59 Uhr

Marzilibahn

Gelder gesucht

Die Marzilibahn AG ist eine private, vor 
allem von Bahn-Enthusiasten unterstützte Aktiengesellschaft und erhält für ihre 
Dienste keine staatlichen Subventionen. Angesichts der schwierigen Finanzsituation überlegen sich die Betreiber nun, bei den zuständigen staatlichen Stellen anzuklopfen – im Sinne eines «Goodwill-Beitrages» an
die Marzilibahn. Ueli Müller, Leiter Fachstelle ÖV der Stadt Bern, sieht für die Behörden keinen grossen Handlungsspielraum. Von Gesetzes wegen sei die Marzilibahn eine touristische Bahn und erhalte daher 
keine Abgeltungen. Zudem habe man keine Kenntnis von den Problemen der Marzilibahn.

Wenn in Betrieb, befördert die Marzilibahn jährlich rund eine Million Passagiere und fährt pro Tag rund 320-mal hoch und runter. (amü)

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Luftballett mit der Marzilibahn

Luftballett mit der Marzilibahn Die Sanierung der Marzilibahn hat begonnen. Begonnen hat sie mit einem Luftballett: Die Wagen wurden per Kran aus den Gleisen gehoben.

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