In den Container – und weg

Alle Ausländer markieren, sammeln und ausschaffen: Auf satirische Weise warben Demonstranten am Samstag für ein Nein zur Ausschaffungsinitiative.

Hetzreden gegen die Ausländer: Aktionskünstler «Alois Stocher«. (Adrian Moser)

Hetzreden gegen die Ausländer: Aktionskünstler «Alois Stocher«. (Adrian Moser)

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Hochexplosiv wie Zweikomponentensprengstoff präsentierte sich am Samstagnachmittag die Lage auf dem Bundesplatz: Die eine Platzhälfte beanspruchte das Komitee, das mit einer vorwiegend von Kulturbeiträgen geprägten Veranstaltung für ein doppeltes Nein zu Ausschaffungsinitiative und Gegenvorschlag warb. So mit Schuhpaaren, die mit Klebebändern mit der Aufschrift «Ausgeschafft« umwickelt waren. Bei beiden Vorlagen handle es sich um ein und dasselbe Paar Schuhe, so die Aktivisten.

Die friedliche Stimmung wurde bald von einem aggressiv auftretenden Herrn im Anzug jäh gestört: Der Schnauzträger mit Megafon enervierte sich über die «destruktive Energie dieser degenerierten Linken» und trat dabei wütend gegen die am Boden liegenden Schuhpaare. Bei der Person handelte es sich um Alois Stocher, Geschäftsführer von «Olaf», der «Organisation zur Lösung der Ausländerfrage». Dieser stand die andere Hälfte des Bundesplatzes zur Verfügung, wo sie einen gelben Container mit eingebauter «Ausländerklappe» aufstellte. «Ausländer, die nicht mehr gewollt oder nicht mehr gebraucht werden», könne man dort einwerfen und dann ausschaffen. Das sei die beste Kriminalitätsprävention: Seien erst einmal alle Ausländer ausgeschafft, gebe es auch keine Ausländerkriminalität mehr.

Auf Hitlerschnauz zurechtstutzen

Dass sich die Polizei zurückhielt und den Unruhestifter nicht entfernte, hatte einen guten Grund: Alois Stocher gibt es nicht. Ein Zürcher Aktionskünstler hat die Kunstfigur ins Leben gerufen, um damit die aus seiner Sicht menschenfeindliche Ausländerpolitik der SVP und deren Ausschaffungsinitiative zu entlarven («Bund» vom 4. November). Nicht alle Passanten verstanden die professionell mit Plakaten und Prospekten aufgemachte Aktion als Politsatire: Ein älterer, aufgebrachter Mann empfahl «Stocher», er solle seinen Oberlippenbart auf einen Hitlerschnauz zurechtstutzen, das wirke authentischer. Bei seiner um 16 Uhr gehaltenen Brandrede «zur Ausländerplage in der Schweiz» meinte eine junge, mit einem Ausländer verheiratete Frau, der Redner sei echt, bis ein Olaf-Helfer sie über den wahren Hintergrund aufklärte.

«Verfassung wird aufgeweicht»

Gemäss Moreno Casasola, Koordinator von «2-mal Nein», besuchten über tausend Personen die zwei gegensätzlichen Veranstaltungen, die jedoch das gleiche Ziel verfolgten – «zu verhindern, dass ein Pfeiler der Bundesverfassung aufgeweicht wird», wie es die anwesende Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber (Grüne) formulierte. Gemeint war Artikel 8: «Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.» (Der Bund)

Erstellt: 08.11.2010, 07:11 Uhr

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