Im Profil: Der Mann mit dem kühlen Kopf

Walter Ellenberger liefert Tiefkühlprodukte aus und arbeitet dabei täglich bei minus 23 Grad Celsius.

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«Egal ob Sommer oder Winter, ich habe bei der Arbeit immer gleich kalt. Zumindest wenn ich im Kühlbereich hantiere. Als Mitarbeiter der Firma Gasser in Schwarzenburg liefere ich täglich Tiefkühlprodukte aus. Im Moment haben wir viel zu tun. Denn wenn das Quecksilber steigt, wirkt sich das auf die Bestellungen aus: Je wärmer die Temperaturen, desto mehr haben wir zu tun. Die Zahl der Auslieferungen nimmt jeweils merklich zu. Besonders im Glacesegment ist das gut zu beobachten. Die Kunden bestellen natürlich viel mehr Glace als an kalten Tagen. Im Moment liefere ich besonders viel Ware an Badeanstalten und Restaurants. Ganz zuoberst auf der Beliebtheitsskala stehen Vanille-, Espresso- und Erdbeeraromen. Aber nicht nur Glacesorten sind Teil unseres Sortiments: Wir führen auch Gemüse, Fisch, Pasta oder Brotwaren. Dieser Tage ist die Nachfrage beispielsweise auch für Tatar gross.»

«Im Kühlraum betragen die Temperaturen minus 23 Grad Celsius. Das ist natürlich nicht immer angenehm – aber durchaus erträglich: Wenn ich die bestellte Ware rüste, so ziehe ich mir jeweils eine spezielle Hose und eine Jacke über. Sonst wäre es definitiv zu kalt zum Arbeiten. Der Temperaturunterschied beim Verlassen des Kühlraums beträgt manchmal gut und gerne 50 Grad Celsius. Obwohl mir diese Differenz eigentlich nicht zu schaffen macht, hat man doch immer das Gefühl, man laufe in eine Wand aus heisser Luft. Auch wenn mich im Sommer vielleicht einige Leute um meine Arbeit im Kühlraum beneiden, so kann ich ihnen versichern: Sobald ich den Raum verlasse, schwitze ich ebenso wie die anderen. Mit dem Rüsten der Ware ist es nämlich nicht getan. Schliesslich muss sie ja auch zum Kunden. Je nach Liefermenge und -route kommen dafür Kühllaster oder Speziallieferwagen zum Einsatz. Am Morgen werden diese auf minus 40 Grad Celsius gekühlt. Das muss so kalt sein, denn durch das häufige Öffnen der Ladetür steigt die Temperatur bis am Nachmittag kontinuierlich auf minus 20 Grad Celsius an. Durch das Öffnen der Tür entweicht aber nicht nur die Kälte, sondern es bilden sich auch Eiskristalle. Wie jede Gefriertruhe muss ich deshalb von Zeit zu Zeit auch den Innenraum des Lieferautos abtauen. Gerade wenn es so heiss ist wie in den letzten Tagen, ist die Eisbildung enorm.»

«Insgesamt sorgen bei uns zehn Mitarbeiter dafür, dass unsere Kunden mit Glace und anderen Produkten versorgt werden. Unser Abdeckungsgebiet reicht von Lenk über Château-d’Oex bis nach Montreux. Wir fahren auch Touren im Gebiet Solothurn/Olten und zwischen Grindelwald und Meiringen. Bei grossen Überlandtouren legen wir pro Tag durchschnittlich 150 bis 300 Kilometer zurück. Wenn ich in der Stadt Bern und der näheren Umgebung unterwegs bin, dann sind es distanzmässig kürzere Auslieferfahrten. Anfangs war es schon etwas ungewohnt, immer allein mit dem Lastwagen unterwegs zu sein. Heute aber schätze ich das. Es ergeben sich immer wieder interessante Begegnungen mit Küchenchefs und Wirten. Und dadurch, dass wir so selbstständig arbeiten, bin ich so etwas wie mein eigener Chef.» (Der Bund)

Erstellt: 12.07.2010, 11:36 Uhr

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