«Ich wüsste nicht, was wir noch verbessern könnten»

Gegen gewaltbereite Gruppierungen gebe es kein Patentrezept, sagt Stadtpräsident Alexander Tschäppät nach den Ausschreitungen rund um den Cupfinal.

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Herr Tschäppät, wie beurteilen Sie die Ereignisse rund um den Cupfinal?
Alexander Tschäppät: Wir haben im Vorfeld alles unternommen, um einen sportlich tollen Event durchzuführen. Wenn ich mir das Ergebnis nun anschaue, bin ich frustriert.

Wer hat sich denn im Gemeinderatskollegium für die Fanmärsche ausgesprochen? Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) gab sich im Vorfeld betont kritisch.
Der ganze Gemeinderat war den Fanmärschen gegenüber kritisch eingestellt. Herr Nause hat harte Verhandlungen geführt, die Ergebnisse hat der Gemeinderat dann einstimmig angenommen.

Bei Nause klingt es aber so, als bestünden wesentliche Differenzen zwischen Ihrer und seiner Auffassung in Bezug auf die Fanmärsche – er stellt sie grundsätzlich infrage.
Zwischen Reto Nause und mir mag es Differenzen in der Frage der Wirkung des Hooligan-Konkordats geben. Bezüglich der Fanmärsche sind wir uns einig, dass diese nur unter klaren Rahmenbedingungen bewilligt werden können.

Wurden denn alle nötigen Vorkehrmassnahmen getroffen?
Es wurden noch nie so viele Vorkehrungen für einen Cupfinal getroffen: Nause hat harte Verhandlungen mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV), den Clubs und den Fans geführt und ein grosses Polizeidispositiv aufgestellt – von unserer Seite haben wir versucht, alles abzudecken.

Trotzdem: Ausschreitungen konnten nicht verhindert werden. Vermummte waren an der FCZ-Fanfront und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei, die Kosten für Sachschäden dürften auch nicht zu knapp ausfallen. Wie effizient war die Anwendung des verschärften Hooligan-Konkordats?
Leute, die nur des Krawalles wegen an eine solche Veranstaltung gehen, lassen sich mit keinerlei Vereinbarung wirklich kontrollieren. Gegen Gruppierungen, die sich per se nicht an Regeln halten, hat der Rechtstaat kein Patentrezept. Da hilft auch ein verschärftes Hooligan-Konkordat wenig. Diese Menschen muss man anhalten und entsprechend hart bestrafen. Die Vorfälle vom Ostermontag haben gezeigt, dass selbst harte Verhandlungen und ein Konkordat nicht in der Lage sind zu verhindern, was passiert ist.

Halten Sie daran fest, dass der Cupfinal nach wie vor in die Hauptstadt gehört?
Wenn die Frage, ob der Cupfinal noch mal in Bern stattfinden wird, auf uns zukommt, muss der Gemeinderat sehr genau und sehr kritisch abwägen. Ich wüsste aber nicht, was wir noch verbessern könnten: Das Polizeidispositiv war durchdacht und hat funktioniert, die Vereine und die Fanarbeiter waren eingebunden, der SFV wurde in Verantwortung genommen.

Wie verhandelt man nun mit dem SFV? Wird die Stadtregierung versuchen, die rückgestellten 200'000 Franken einzufordern?
Ich glaube, auch der SFV muss sich bewusst sein, dass wir nach den Vorfällen nicht einfach in die normale Tagesordnung übergehen können. Es sind nicht nur materielle Schäden, die uns beschäftigen, sondern auch immaterielle: Solche Bilder wollen wir in unserer Stadt weder sehen noch dulden.

(Der Bund)

Erstellt: 22.04.2014, 17:28 Uhr

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