«Ich habe gemerkt, dass es gut kommt»

Interview

Der neu gewählte Ständerat Hans Stöckli im Interview.

Hans Stöckli an der Feier der SP Bern im Gasthof Krone.

Hans Stöckli an der Feier der SP Bern im Gasthof Krone.

(Bild: Manuel Zingg)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Herr Stöckli, wie ist es Ihnen gelungen, den bisherigen SVP-Vertreter aus dem Ständerat zu drängen?
Gewonnen hat das ausgewogene Ticket Luginbühl/Stöckli. Der Kanton Bern wird jetzt durch einen moderaten Rechten vom Land und einen moderaten Linken aus der Stadt vertreten. Nach dem ersten Wahlgang ist es uns gelungen, dieses Ticket den Wählerinnen und Wählern schmackhaft zu machen.

Haben Sie mit diesem Resultat gerechnet?
In den letzten zwei Wochen habe ich gemerkt, dass es gut kommt. Ich habe mit einem Vorsprung von drei Prozent gerechnet. Jetzt habe ich 15 Prozent mehr Stimmen geholt, das habe ich nie und nimmer erwartet.

Warum wurden Sie gewählt und Ursula Wyss bei der Ersatzwahl im März nicht?
Wenn beide Sitze zu besetzen sind, ist die Konstellation ganz anders. Es war das Ticket Luginbühl/Stöckli, das den Erfolg brachte. Ich behaupte zudem, dass Ursula Wyss die Wahl damals gewonnen hätte, wenn die Atomkatastrophe in Fukushima bereits passiert gewesen wäre. Schliesslich spielte aber auch mein Profil als pragmatischer SP-Kandidat eine Rolle. Uns ist es gelungen, zu zeigen, dass nicht jeder SPler die Armee und den Kapitalismus abschaffen will.

Die SVP hat Ihnen Hilfe geleistet, in dem sie mit einem Kandidaten vom rechten Rand angetreten ist.
Nach dem ersten Wahlgang habe ich gemerkt, dass Adrian Amstutz sein Potenzial bereits ausgeschöpft hatte. Das jetzige Resultat ist sicher eine Emanzipation der Bernerinnen und Berner vom Zürcher Flügel der SVP. Es scheint, dass dessen Glanz langsam verblasst. Davon habe ich sicher profitiert.

Sie haben sich eng an Werner Luginbühl und die BDP angelehnt. Wie nahe stehen Sie sich politisch?
Es gibt klare Unterschiede. In wichtigen Fragen wie der Bundesratswahl, dem Atomausstieg oder den bilateralen Verträgen gibt es aber auch Gemeinsamkeiten. Die ungeteilte Standesstimme, die von der SVP oft beschworen wird, gibt es gar nicht.

Bezüglich Bundesratswahlen heisst das, Sie werden Eveline Widmer-Schlumpf wiederwählen?
Ja, das habe ich bereits im Wahlkampf gesagt. Die Abwahl Bisheriger muss aufhören. SVP und FDP haben Anspruch auf drei Sitze. Die beiden Parteien müssen sich jetzt zusammenraufen.

Sie wurden als Mitte-Kandidat gewählt, haben aber bisher im Nationalrat klar auf SP-Linie politisiert. Ändert sich das nun?
Als Ständerat ist man stärker Kantons- als Parteivertreter. Die Unabhängigkeit ist in der kleinen Kammer sicher grösser als im Nationalrat. Die Bewährungsprobe kommt nun aber erst.

Werden Sie künftig im Bundeshaus eine aktivere Rolle spielen?
Wenn man als vermeintlicher Hinterbänkler zum Ständerat gewählt wird, kann ich mit meiner jetzigen Rolle leben. Ich werde meine Arbeit auch in Zukunft nicht so stark im Rampenlicht machen, sondern mehr hinter den Kulissen. Da ich als Ständerat in mehr Kommissionen sitzen werde und man in der kleinen Kammer generell häufiger am Rednerpult steht, werde ich aber sicher auch gegen aussen aktiver.

Der Bund

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