Hochrisiko-Geschäft Stadionkonzerte

Dreimal war diesen Juni im Stade de Suisse Stadionrock angesagt. Zweimal ging es gut. Doch Bon Jovi zogen nur 29'000 Besucher an. Ein Debakel. Denn Grosskonzerte sind zum Hochrisiko-Geschäft geworden.

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Ane Hebeisen

Die Mitteilung auf der Homepage der Taifun Music AG ist knapp und prägnant: «Die enorm gestiegenen Künstlergagen und allgemeinen Kosten sowie die eher stagnierende Anzahl Konzertbesucher haben zur Zahlungsunfähigkeit der Firma geführt.»

Letzte Woche meldete der Konzertveranstalter aus Sursee, der auch öfter in der Berner Festhalle Grosskonzerte veranstaltete, Konkurs an. Zum finanziellen Debakel habe hauptsächlich das Konzert der Gesangsgruppe Il Divo Mitte Juni in Luzern beigetragen. Ausgerechnet, möchte man sagen. Dass die Eventagentur auf wackligen Beinen steht, zeichnete sich bereits vor zwei Jahren ab: Im Sommer 2011 geriet die Taifun Music AG in finanzielle Schieflage, Grund hierfür war das missglückte Summer Sound Festival in Sursee mit Acts wie Bob Dylan, Anastacia und James Blunt. Der Anlass warf wegen zweier Regentage nicht den erwarteten Gewinn ab, hiess es offiziell, hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, dass die Gage von Bob Dylan schlecht verhandelt war. In der Folge wurden mehrere Mitarbeiter entlassen.

Dass Grosskonzerte zu Hochrisiko-Veranstaltungen geworden sind, hat sich vor zwei Jahren auch in Bern offenbart. Herbert Grönemeyer lockte mit seinem Konzert im Stade de Suisse nur 25'000 Besucher an. Dies waren rund 17'000 weniger als allgemein erwartet wurde. Das Wort «Millionendefizit» geisterte durch die Medien. Organisiert wurde dieser Event von der Berner Appalooza Productions GmbH, die auch für die Durchführung des Gurtenfestivals verantwortlich zeichnet. Darüber sprechen wollte man schon damals nicht. Heute ist das nicht anders.

Die Marge ist mager

Es ist kein Geheimnis, dass mit grossen Namen im Veranstaltungsbusiness längst nicht mehr das grosse Geld zu machen ist. Die Margen sind in diesem Segment klein geworden. Da die Bands mit dem Verkauf von CDs kaum mehr Geld verdienen, suchen sie ihr Heil in den Konzerteinnahmen, und je grösser und selbstbewusster die Band, desto kleiner die Gewinnmöglichkeiten. Branchenkenner schätzen, dass im Stade de Suisse mit einer Kapazität von circa 42'000 Zuschauern (je nach Grösse der Bühne) für den Veranstalter etwa ab 38'000 Besuchern ein Gewinn herausspringt. Dieser ist bei Ticketpreisen von über 100 Franken dann ordentlich – vorausgesetzt das Konzert ist ausverkauft. Und wehe, es ist nicht.

Das Bon-Jovi-Debakel

Das Stade de Suisse war in diesem Juni gleich dreimal Austragungsort von musikalischen Grossereignissen – die Bilanz fällt durchzogen aus. Die Gruppe Depeche Mode dürfte dem Zürcher Veranstalter Good News mit 39'000 Zuschauern in etwa eine ausgeglichene Rechnung beschert haben. Weit schlechter wird diese Bilanz beim Konzert von Bon Jovi am letzten Wochenende ausgefallen sein. Gerade einmal 29'000 Besucher wurden gezählt, was ungute Erinnerungen an das Konzert von Herbert Grönemeyer an selbiger Stätte weckt. Good News war zu einer Einschätzung nicht bereit und richtete lediglich aus, dass man den Erfolg respektive Misserfolg von Konzerten nicht kommentiere, dies auch aus Respekt vor den Künstlern.

Dass das Bon-Jovi-Konzert zum finanziellen Debakel werden könnte, war im Grunde abzusehen, aber wohl nicht mehr abzuwenden. In Berlin wurde das Konzert der Stadionrocker noch kurzerhand vom Olympiastadion auf die wesentlich kleinere Waldbühne verlegt. Eine Option, die in Bern nicht bestand. Auch das neue Album «What About Now» rutschte erschreckend schnell aus den Top 50 der Hitparaden.

Besser gelaufen ist es im Juni für die Veranstalter von Appalooza Productions: Das von ihnen ausgerichtete Konzert der Gruppe Muse war ausverkauft, über den daraus resultierten Gewinn wollte man bei den Veranstaltern indes ebenfalls keine Auskunft geben. Sowohl Good News wie auch Appalooza geben immerhin an, weiterhin Konzerte im Stade de Suisse veranstalten zu wollen. Allen Traumata zum Trotz.

Der Bund

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