Hochfeld soll schrittweise schliessen

Die Stadt Bern möchte die umstrittene Asylunterkunft Hochfeld auflösen und stattdessen oberirdische Plätze zur Verfügung stellen. Dafür sucht sie das Gespräch mit Kirchgemeinden und Hausbesitzern.

Ab nächstem Jahr sollen im Hochfeld nur noch 80 unterirdische Plätze zur Verfügung stehen, bald gar keine mehr.

Ab nächstem Jahr sollen im Hochfeld nur noch 80 unterirdische Plätze zur Verfügung stehen, bald gar keine mehr. Bild: Adrian Moser

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Die Asylunterkunft Hochfeld in der Berner Länggasse soll nur noch bis Ende dieses Jahres 136 Plätze für Asylsuchende bieten. Die Stadt will dem Kanton künftig 80 oberirdische Plätze in Zentren zur Verfügung stellen. Als Übergangslösung soll das Hochfeld weiterhin zur Verfügung stehen. «Bis anhin war nicht klar, mit wie vielen Plätze für Asylsuchende in Durchgangszentren der Kanton in der Stadt rechnet», sagt Gemeinderätin und Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB). Nun habe der Kanton gegenüber der Stadt zugesichert, dass er deren 80 Plätze auf Stadtberner Boden benötige. «Der Gemeinderat setzt nun alles daran, so schnell wie möglich oberirdische Plätze anzubieten.» Die Hauptverantwortung für die Suche nach Plätzen liege aber nach wie vor beim Kanton.

Die Stadt Bern hatte dem Kanton die Zivilschutzanlage Anfang 2012 als vorübergehende Unterkunft zur Verfügung gestellt, weil die Zahl der ihm zugewiesenen Asylsuchenden rapide angestiegen war. Damals galt die Unterbringung als Notlösung für sechs Monate. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen. Noch im vergangenen Herbst räumte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) ein, dass vonseiten der Stadt keine Alternative zum Hochfeld in Sicht sei. Mehrmals kam es zu Störaktionen von Aktivisten des «Bleiberecht-Kollektiv Bern» und einer «Theaterguerilla-Bande» namens OJO, die den Gemeinderat aufforderten, den «Hochfeldbunker» zu schliessen. Das Zentrum geriet zudem unter Beschuss, weil Privatpersonen der Besuch der Anlage verwehrt wurde und unter den männlichen Asylbewerbern ein raues Klima herrscht.

Container oder Kirchengebäude

Nun prüft der Gemeinderat einerseits, welche Liegenschaften infrage kämen und tritt mit Hausbesitzern in Kontakt. Auch mit Kirchenvertretern sei man schon länger im Gespräch, sagt Teuscher. Andererseits wird geprüft, ob die Asylsuchenden in mobilen Bauten untergebracht werden können. Die Idee geht auf ein Postulat der Stadträtinnen Lea Bill (JA) und Leena Schmitter (GB) zurück.

«Wir begrüssen, dass der Gemeinderat Handlungsbedarf sieht. Das zeigt, dass der Druck vonseiten des Parlaments und der Öffentlichkeit etwas bewirkt hat», sagt Schmitter. Der Fokus müsse nun darauf liegen, eine oberirdische Unterkunft zu finden. Es sei nun wirklich an der Zeit, die ursprünglich als Notlösung gedachte Unterkunft durch eine «lebenswerte» zu ersetzen.

Der Grüne Berner Grossrat Hasim Sancar bleibt skeptisch. «Ich finde es gut, dass die Stadt Bern sich bemüht. Doch sie ist zu spät dran», sagt er. Bereits 2008, als die Stadt dem Kanton die Zivilschutzanlage kurzfristig zur Verfügung stellte, hatte er – noch als Stadtrat – den Gemeinderat darum gebeten, die Asylsuchenden überirdisch unterzubringen. Schon damals hiess es, man bemühe sich mit höchster Priorität darum. «Wenn man sich von Anfang an mehr Mühe gegeben hätte, wäre man jetzt schon einen Schritt weiter», sagt Sancar. Es sei wichtig, dass die Stadt Strategien entwickle, um Gebäude zur Verfügung zu stellen. «Niemand will Asylsuchende in der Nähe haben. In den Städten ist aber deren Anonymität besser gewährleistet als in den umliegenden Gemeinden. Zudem finden Asylsuchende einfacher Kontakte zu anderen Landsleuten und zur Bevölkerung.» Die Containersiedlungen nennt Sancar eine Notbremse. «Mir wäre es lieber, wenn es ein Gebäude wäre», sagt der Grossrat.

Offen, was mit Betreibern läuft

Noch vor wenigen Wochen hatte das bernische Migrationsamt (MIP) seinen Partnern eine Offerte für einen Vertrag über drei Jahre angeboten («Bund» vom 17. 5.) – darunter auch der gewinnorientierten Firma ORS, die das unterirdische Heim betreibt. Damit hätte das Zentrum bis 2017 Asylsuchende beherbergen können. Ob die Verträge angepasst wurden, konnte gestern nicht geklärt werden. «Sowohl Regierungsrat Käser wie ich begrüssen die Stossrichtung der Stadt Bern, oberirdische Plätze in der Stadt Bern zu suchen», schreibt Markus Aeschlimann, Geschäftsleiter des MIP. Man werde die Stadt in der Suche nach solchen Plätze unterstützen. Auch dem MIP liege daran, oberirdische Anlagen für Asylbewerber betreiben zu können. «Mangels Alternativen waren wir in der Stadt Bern dankbar für die Anlage Hochfeld», schreibt Aeschlimann weiter.

Ob es nun bis Jahresende gelingt, eine oberirdische Lösung anzubieten, bleibt ungewiss. Noch sind keine Verträge unterschrieben worden, die Standorte stehen noch nicht fest. Es sei eine anspruchsvolle Aufgabe, räumt Franziska Teuscher ein. «Eine Liegenschaft aus dem Hut zaubern können wir auch nicht.» Mit der Absichtserklärung konkretisiere sich das Ziel aber. «Das Hochfeld ist keine geeignete Unterkunft.» Mit der Absichtserklärung zeige sich die Stadt bereit, Verantwortung im Asylbereich zu übernehmen. (Der Bund)

Erstellt: 03.06.2014, 06:40 Uhr

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